Die deutschen Intensivmedizinerinnen und Intensivmediziner loben die Entscheidung der Gesundheitsministerkonferenz für Corona-Auffrischungsimpfungen für alle. "Das allgemeine Angebot für Booster-Impfungen begrüße ich als Intensivmediziner sehr", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Das Beispiel Israel zeigt eindeutig, dass Booster-Impfungen das alles Entscheidende sind, um die vierte Welle zu bekämpfen." In Sachsen gibt es das Angebot schon seit dem 1. November.
  • Seit Anfang September können Personen, die zu Risikogruppen gehören, in Deutschland die Corona-Impfung ein drittes Mal bekommen
  • Bei der 3. Corona-Impfung werden die mRNA-Impfstoffe Biontech und Moderna gespritzt
  • In Sachsen dürfen sich seit 1. November alle ab 18 ein drittes Mal impfen lassen
  • Eine dritte Impfdosis wird gespritzt, um ein weiteres Ansteigen der Corona-Zahlen und Inzidenzwerte in der Bundesrepublik zu verhindern und damit Mutationen des Virus entgegenzuwirken
  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Empfehlung für eine Auffrischungsimpfung für alle über 70 Jahren ausgesprochen
In Sachsen können ab 1. November alle Menschen im Alter ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bekommen. Das folgt aus einer Empfehlung der Sächsischen Impfkommission (SIKO), wie das Landessozialministerium am Freitag mitteilte. Den Angaben nach ist die sogenannte Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung möglich. Neueste Daten würden eine Risikoreduktion für alle Altersgruppen eindrucksvoll belegen.
Bislang haben gerade mal gut zwei Millionen Menschen in Deutschland die Auffrischung bekommen - nach Meinung von Experten viel zu wenig. Der Immunologe Leif Erik Sander rechnet vor, dass rund 30 Millionen Menschen dringend die Booster-Impfung bräuchten - darunter Menschen über 70, schwer Vorerkrankte, Patienten mit Immunschwäche und Beschäftigte des Gesundheitswesens.

Booster-Impfung: Michael Kretschmer will keinen Lockdown

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hat angesichts drastisch steigender Corona-Infektionen konsequentes Handeln angemahnt - in Deutschland und in Sachsen. „Wir müssen jetzt in einer besonderen Weise auf die Bremse treten“, sagte er am Samstag auf einem CDU-Landesparteitag in Dresden. Die Entwicklung dürfe so nicht weitergehen. „Das kann kein gutes Ende nehmen. Wir wollen keinen neuen Lockdown. Wir wollen, dass Kindergärten und Schulen offen bleiben.“ Doch dafür müsse man jetzt handeln.

Aktuelle Stiko-Empfehlung zur 3. Impfung gegen Corona

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Menschen, die mit dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft wurden, sich zusätzlich mit einem mRNA-Impfstoff impfen zu lassen. Vier Wochen nach der ersten Dosis Johnson & Johnson könne die Auffrischungsimpfung erfolgen, erklärte das Expertengremium vergangene Woche. Der Grund für die Empfehlung der Stiko seinen sogenannte Impfdurchbrüche: Im Verhältnis zur Zahl der verabreichten Dosen würden in Deutschland die meisten dieser Ansteckungen bei Geimpften mit Johnson & Johnson verzeichnet. Die Wirksamkeit gegen die hierzulande vorherrschende Delta-Variante sei im Unterschied zu den anderen Corona-Impfstoffen vergleichsweise gering, hieß es. Die Stiko spricht letztlich von ungenügendem Impfschutz.

Dritte Corona-Impfung Biontech: Nebenwirkungen

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem eine Corona-Auffrischungsimpfung mit Vakzinen von Biontech/Pfizer oder Moderna. Auch für Menschen ab 18 Jahren komme eine Booster-Impfung mit dem Impfstoff von Pfizer in Betracht. Für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem empfiehlt die EMA eine Corona-Auffrischungsimpfung mit Vakzinen von Biontech/Pfizer oder Moderna. Zu diesem Schluss seien die Experten des EMA-Ausschusses für Humanarzneimittel nach der Auswertung von Studien gekommen.
Es habe sich gezeigt, dass eine dritte Dosis dieser Impfstoffe bei Patienten, die eine Organtransplantation erhalten hatten, die Fähigkeit zur Bildung von Antikörpern gegen das Virus Covid-19 verstärkt. Die EMA stützte sich auf Untersuchungen mit dem Biontech-Impfstoff Comirnaty, die einen Anstieg von Antikörpern bei 18- bis 55-Jährigen zeigten. Die Prüfung entsprechender Studien mit dem Moderna-Impfstoff Spikevax sei noch im Gange. Ein Risiko von entzündlichen Herzerkrankungen oder anderen sehr seltenen Nebenwirkungen nach Auffrischungsimpfungen sei derzeit noch nicht bekannt; dies werde sorgfältig beobachtet. Wie bei allen Arzneimitteln überwache die EMA weiterhin alle Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe. Die Behörde wies zudem darauf hin, dass die Entscheidung, ob zusätzliche Impfdosen angeboten würden, bei den einzelnen EU-Mitgliedstaaten liege.

Moderna: Dritte Impfung gegen Corona erst ab 30

Nach Angaben des sächsischen Ministeriums hat die Impfkommission vorsorglich ihre Empfehlung bezüglich des Impfstoffes von Moderna angepasst. Dieser wird nun ab einem Alter von 30 Jahren empfohlen. Zugelassen ist das Vakzin ab 12 Jahre. „Hintergrund sind neueste Studien aus dem Oktober, die auf eine etwas größere Zunahme von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hindeuten. Solche Nebenwirkungen, die in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung auftreten können, sind in Sachsen in der Altersklasse bis 30 Jahre bisher nicht bekannt.“ Zudem seien sie sehr selten. Dies trifft auf beide mRNA-Impfstoffe gleichermaßen zu.
„Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wir reagieren hier auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und eine daraus folgende Empfehlung der Impfkommission“, erklärte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Eine Impfung schütze zuverlässig vor schweren Covid-19-Verläufen. Dies gelte für jeden der zugelassenen Impfstoffe.

3. Corona-Impfung mit Biontech: Impfstoff zu 95 Prozent wirksam

Eine dritte Impfung mit dem Corona-Vakzin von Biontech und Pfizer zeigt nach Angaben der beiden Unternehmen eine Wirksamkeit von über 95 Prozent. Sicherheitsbedenken oder unbekannte Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden, teilten das Mainzer Unternehmen und sein US-Partner am Donnerstag unter Berufung auf eine Untersuchungsreihe mit über 10.000 Teilnehmern mit. Die verabreichte Dosis war den Angaben zufolge genauso hoch wie bei den ersten beiden Impfungen. Die Studie sei in einem Zeitraum erfolgt, in der Delta die vorherrschende Virusvariante gewesen sei, erklärten Biontech und Pfizer. Alle Studienteilnehmer waren vor Beginn der Studie zweimal mit dem Pfizer-Biontech-Impfstoff geimpft worden. Ihr Durchschnittsalter lag bei 53 Jahren. Zwischen Zweitimpfung und Auffrischung lag im Mittel ein Abstand von elf Monaten.

Dritte Impfung für alle deutschlandweit gefordert

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen nimmt die Debatte um Auffrischungsimpfungen weiter an Fahrt auf. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte einen Bund-Länder-Gipfel zu dem Thema. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach plädierte für eine Wiedereröffnung der Impfzentren.
Spahn drängte trotz der Kritik aus der Ärzteschaft weiter auf Auffrischungsimpfungen für alle. "Aktuell reicht das Booster-Tempo in Deutschlands Praxen nicht. Wir brauchen einen Booster-Gipfel von Bund und Ländern", sagte Spahn der "Bild am Sonntag". Aktuelle Daten aus Israel zeigten, "dass das Boostern einen ganz entscheidenden Unterschied macht, um die vierte Welle zu brechen".

Impfzentren für 3. Impfung in Sachsen wieder öffnen?

Sachsen erwägt bisher keine Wiedereröffnung seiner früheren Impfzentren. „Wir haben die Impfzentren geschlossen, weil es keinen Bedarf mehr gab“, sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Es müsse aber alles getan werden, um den Menschen das Impfen so einfach wie möglich zu machen.
„Dafür haben wir weiterhin zahlreiche unterschiedliche Impfangebote: In Arztpraxen, bei Betriebsärzten, in mittlerweile rund 20 Krankenhäusern und Medizinischen Versorgungszentren und natürlich durch unsere 30 mobilen Teams. Unsere Impfangebote sind derzeit aber nicht ausgelastet“, sagte Köpping: „Wir prüfen intensiv, ob es trotzdem Versorgungslücken gibt. Wenn dies der Fall ist, werden wir zusätzliche feste Impfmöglichkeiten einrichten, insbesondere dort, wo die Impfquoten niedrig sind.“
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Bundesländer aufgefordert, ihre Impfzentren wieder zu öffnen. Spahn sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Montag): „Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Stand-By bereithalten, nun wieder startbereit machen.“ Ärztepräsident Klaus Reinhardt stellte sich hinter den Vorstoß des geschäftsführenden Ministers.
Spahn riet dazu, in einem ersten Schritt alle Über-60-Jährigen schriftlich zu einer Auffrischungsimpfung einzuladen. „Das hat bei den Erstimpfungen auch gut geklappt“, sagte der Minister. Hintergrund ist, dass mehr Menschen eine Auffrischungsimpfung, die sogenannte Booster-Impfung, gegen die nachlassende Wirkung des Impfstoffs wahrnehmen sollen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten unter anderem dazu ab Donnerstag in Lindau.

Mobile Impfteams leisten in Sachsen Rekordarbeit

Die 30 mobilen Impfteams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen verbuchen eine anhaltend hohe Nachfrage. „Die Teams sind flächendeckend voll und an der Kapazitätsgrenze“, sagte DRK-Sprecher Kai Kranich am Freitag auf Anfrage. Es hätten in den vergangenen Tagen bereits Hunderte Menschen weggeschickt werden müssen, weil zu den geplanten Impfaktionen immer nur eine gewisse Anzahl von Dosen mitgeführt würden.
Wurden Ende Oktober von den mobilen DRK-Teams rund 2300 Impfungen sowie gut 800 Booster-Impfungen verabreicht, waren es eine Woche später am Donnerstag (4. November) bereits rund 4000 Impfungen - darunter 2300 Auffrischungen. „Ein absoluter Rekord“, so Kranich. Geplant sind eigentlich etwa 100 Impfungen pro Team und Einsatz – also bis zu 3000 insgesamt am Tag. Kranich führte die hohe Nachfrage vor allem auf die Booster-Impfungen zurück. Diese könnten nun Menschen in Anspruch nehmen, die bereits im Frühjahr großes Interesse an einer Impfung gezeigt hätten. Aktuell bestehe kein Mangel an Impfstoff, betonte Kranich. Halte die Nachfrage an, müsse man allerdings die Planung für die Impfteams anpassen.