Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am Montag Teilgebiete benannt, die für den Bau eines Endlagers infrage kommen könnten – darunter auch Brandenburg und Sachsen. Die Rundschau hat Fragen und Antworten zur Endlagersuche, der Finanzierung und dem Atommüll generell:

Wie wurden die Gebiete für die Endlagersuche ermittelt?

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hatte von den Bundesländern geologische Daten angefordert, die in den vergangenen Jahren ausgewertet wurden. Insgesamt hat die BGE mehr als eine Million Datensätze analysiert. Die Länder hatten die Daten allerdings in einer Vielzahl digitaler Formate und teilweise auch analog übermittelt. Dies hat die Verarbeitung erschwert. Kriterien für einen Ausschluss von Gebieten waren etwa Erdbeben-Aktivität, Vulkanismus, Wasserzuflüsse oder frühere bergbauliche Tätigkeiten.

Was passiert nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts?

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base), das die Aufsicht über das Suchverfahren führt und die Beteiligung der Öffentlichkeit verantwortet, veranstaltet am 17. und 18. Oktober in Kassel die „Fachkonferenz Teilgebiete“. Dabei soll der Zwischenbericht der BGE vorgestellt werden, die Teilnehmer der Konferenz können Fragen dazu stellen. Bei drei weiteren gesetzlich festgelegten Beratungsterminen zwischen Februar und Juni wird der Bericht diskutiert.
An den Konferenzen können neben Vertretern der betroffenen Kommunen im Prinzip alle Interessierten teilnehmen.

Wie geht es dann weiter?

Die Benennung von Teilgebieten war der erste Schritt von Phase I im Suchverfahren. Im zweiten Schritt von Phase I schlägt die BGE eine noch nicht feststehende Zahl von Standorten für eine genauere oberirdische Untersuchung vor. Phase II umfasst diese oberirdische Prüfung und den Vorschlag von mindestens zwei Standorten für eine unterirdische Erkundung. In der Phase III werden mindestens zwei Standorte unterirdisch erkundet und miteinander verglichen. Am Ende einer jeden Phase steht ein Beschluss des Bundestages, das Parlament entscheidet dann auch über den endgültigen Standort. Er soll bis 2031 feststehen. Die Einlagerung von Atommüll soll 2050 beginnen.
Stefan Studt (r), Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), und Steffen Kanitz, Mitglied der Geschäftsführung der BGE, zeigen eine Landkarte am Rande der Präsentation des Zwischenberichts mit Teilgebieten für die Endlagersuche.
Stefan Studt (r), Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), und Steffen Kanitz, Mitglied der Geschäftsführung der BGE, zeigen eine Landkarte am Rande der Präsentation des Zwischenberichts mit Teilgebieten für die Endlagersuche.
© Foto: Kay Nietfeld

Was für Atommüll kommt ins Endlager?

Das Endlager soll alle hoch radioaktiven Abfälle aufnehmen, die bis zum Vollzug des Atomausstiegs Ende 2022 in Deutschland angefallen sein werden. Es handelt sich um abgebrannte Brennstäbe aus den Atomkraftwerken und Rückstände aus der Wiederaufarbeitung. Die Abfälle werden in insgesamt rund 1900 Castorbehälter verpackt. Nicht auszuschließen ist, dass in das Endlager auch mittel- und schwach radioaktiver Atommüll eingelagert wird. Denn das dafür vorgesehene Endlager Schacht Konrad in Salzgitter kann voraussichtlich nicht alle Abfälle dieser Art aufnehmen.

Wie lange muss der Atommüll gelagert werden?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, denn der Atommüll besteht aus unterschiedlichen Substanzen. Diese haben auch unterschiedlich lange Halbwertzeiten, von einigen Jahren über mehrere Zehntausend Jahre und noch länger In dieser Zeit geben die Stoffe radioaktive Strahlung ab. Wegen dieser verschieden langen Halbwertzeiten ist im Standortauswahlgesetz aus dem Jahr 2017 für Deutschland folgendes festgeschrieben: „..., dass die technischen und geotechnischen Barrieren den sicheren Einschluss der Radionuklide für eine Million Jahre gewährleisten können.“ Zum Vergleich: Eines der ältesten Zeugnisse der Menschheit ist eine vier Zentimeter lange Zeichnung auf einem Stein, die im heutigen Südafrika gefunden wurde. Sie soll etwa 70.000 Jahre alt sein.

Warum muss der Atommüll in Deutschland gelagert werden?

Die Europäische Union hat sich darauf geeinigt, dass jeder Mitgliedsstaat, der radioaktive Abfälle erzeugt, auch für die sichere Beseitigung oder dauerhafte sichere Lagerung dieser Abfälle verantwortlich ist. Es gilt das Verursacherprinzip. Zudem: Deutschland ist mit einer so guten Geologie gesegnet und hat alle für die Endlagerung geeigneten Wirtsgesteinsformationen zu bieten: Steinsalz, Tongestein, kristallines Wirtsgestein.

Was machen andere Länder mit ihrem Atommüll?

Laut Bundesgesellschaft für Endlagerung ist in Finnland das Endlagerprojekt für die hochradioaktiven Abfälle bereits im Bau. Es soll das erste sein, das weltweit fertig wird. Es wird im Kristallingestein in Olkiluoto errichtet. In Finnland soll die Atomenergie weiter genutzt werden. In der Schweiz ist die Standortauswahl kurz vor der Entscheidung über den Standort angekommen. Dort ist in einem aufwändigen Auswahlverfahren entschieden worden, ein Endlager im sogenannten Opalinuston, einem Tongestein, zu errichten. Frankreich geht einen ähnlichen Weg. Auch dort soll im Tongestein eine Endlagerung erfolgen. Der Standort in Bure in Lothringen ist dort schon gefunden. In Schweden soll das Endlager am Standort Forsmark/Oesthammar errichtet werden. Auch dort wird im Kristallingestein gebaut. In Großbritannien findet aktuell ebenfalls ein umfangreicher Standortauswahlprozess statt. Dort wird aktuell jedoch vor allem überprüft, wo eine mögliche Erdöl- und Erdgasförderung einer Endlagerung im Weg stehen könnte.

Was kostet die Suche und das Endlager in Deutschland und wer finanziert es?

Zur Finanzierung der Zwischenlagerung, der Suche nach dem Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle mit der bestmöglichen Sicherheit für eine Million Jahre sowie die Errichtung, den Betrieb und den Verschluss des Endlagers hat laut Bundesgesellschaft für Endlagerung der Bund einen eigenen öffentlich rechtlichen Fonds gegründet. Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KenFo) ist 2017 gegründet worden und dem Bundeswirtschaftsministerium zugeordnet. Der Fonds war das Ergebnis der Beratungen der „Kommmission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs“ (KFK), die 2015 von der Bundesregierung berufen worden war.
2017 haben die vier Kernenergiebetreiber – Eon, RWE, Vattenfall und EnBW – insgesamt 24,3 Milliarden Euro in den Fonds eingezahlt. Darin enthalten waren die über die Jahre des Betriebs angesammelten Rückstellungen für die Entsorgung sowie ein von der KFK errechneter Risikoaufschlag von rund sechs Milliarden Euro. Das Stiftungskapital lag Ende 2019 bei 23,2 Milliarden Euro. Nach Berechnungen der Bundesregierung werden die Kosten für die gesamte Entsorgung bis 2100 auf 169 Milliarden Euro wachsen.
In solchen Castor-Behältern sollen die Brennelemente aus den Kernkraftwerken gelagert werden.
In solchen Castor-Behältern sollen die Brennelemente aus den Kernkraftwerken gelagert werden.
© Foto: DPA / QUELLE: GNS Gesellschaft für Nuklear-Service

Gibt es andere Entsorgungsmöglichkeiten? Kann man den Müll nicht ins All schießen?

Dagegen spricht die Wahrscheinlichkeit, dass eine Rakete beim Start explodiert. Man erinnere sich an die Katastrophe des amerikanischen Space Shuttle Challenger am 28. Januar 1986, damals starben alle Astronauten. So eine Explosion mit Atommüll an Bord hätte weitaus schlimmere Auswirkungen: Der hochradioaktive Abfall würde im Fall einer solchen Explosion großflächig in der Landschaft verteilt werden. Dazu kommt: Um rund 1900 Castoren voller hochradioaktiver Abfälle in den Weltraum zu befördern, wären Hunderte Starts von Raketen notwendig. Die Kosten dafür lägen weit über den bereitgestellten Mitteln des Entsorgungsfonds.