Amokfahrt in Leipzig
: Todesopfer identifiziert, Innenstadt bleibt gesperrt

Die Amokfahrt in Leipzig hat viele Verletzte und zwei Todesopfer gefordert. Die Ermittler prüfen weiter das Motiv des 33-Jährigen und noch ist nicht alles geklärt.
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dpa ,
AFP STATISTISCH
Leipzig
Nach mutmaßlicher Amokfahrt in Leipzig

Nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Leipzig wurden Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

Hendrik Schmidt/dpa
  • Auto raste am Montagnachmittag durch Leipzigs Fußgängerzone – zwei Menschen starben.
  • Tatverdächtig ist ein 33-jähriger Deutscher; Vorwurf: zweifacher Mord und versuchter Mord.
  • Zwei Schwerverletzte, zahlreiche weitere Betroffene; genaue Zahl noch unklar.
  • Motiv unklar, kein politisches oder religiöses Motiv erkennbar – Einzeltäter in Gewahrsam.
  • Innenstadt teils gesperrt, Kerzen und Blumen am Tatort; Hilfsangebote und Hinweisportal aktiv.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Montagnachmittag, 4. Mai, ist ein Auto durch die Fußgängerzone in der Leipziger Innenstadt gerast. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft informierten, starben dabei zwei Menschen, mindestens zwei weitere wurden schwer verletzt. Zudem sprach die Staatsanwaltschaft von einer „Vielzahl“ weiterer Verletzter.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich bei den Todesopfern um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 33-jährigen Deutschen, der in der Region Leipzig lebt, unter anderem wegen zweifachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes.

Den Angaben zufolge fuhr der Mann gegen 16.45 Uhr aus Richtung Augustusplatz kommend über die Grimmaische Straße weiter über den Markt bis fast zum anderen Ende des Innenstadtkerns. Laut Leipziger Polizeipräsident René Demmler kam es dabei zu zwei schweren Kollisionen, bei denen die beiden Passanten tödlich verletzt wurden. Auf Bildern war ein graues Auto mit beschädigter Kühlerhaube und zersplitterter Windschutzscheibe zu sehen.

Tatverdächtiger ließ sich widerstandslos festnehmen

Wie die Polizei mitteilte, wurde der Tatverdächtige noch in seinem Fahrzeug widerstandslos festgenommen. Einsatzkräfte stellten ihn demnach im Bereich des Thomaskirchhofs. Er befindet sich in Gewahrsam und sollte am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden.

Zum Motiv der Tat machten die Behörden zunächst keine abschließenden Angaben. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Leipzig derzeit nicht von einem politischen oder religiösen Motiv aus. Auch eine mögliche psychische Auffälligkeit des Tatverdächtigen werde geprüft. Die Ermittler gehen nach aktuellem Stand von einem Einzeltäter aus. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr mehr.

Genaue Zahl der Verletzten noch unklar

Der Vorfall löste in Leipzig einen Großeinsatz aus. Rettungskräfte riefen einen Massenanfall von Verletzten aus. Polizei und Feuerwehr sprachen zunächst von einer unübersichtlichen Lage. Nach ersten Angaben gab es zwei Schwerverletzte. Zudem mussten laut Leipziger Branddirektor Axel Schuh mindestens 20 Betroffene betreut werden. Wie viele Menschen insgesamt verletzt wurden, stand auch am Dienstagmorgen noch nicht abschließend fest, weil sich einige Betroffene nach dem Vorfall selbst entfernt hatten.

Das Gebiet in der Leipziger Innenstadt blieb nach der Tat zunächst weiter abgesperrt. An der Grimmaischen Straße legten Passanten Kerzen und Blumen zum Gedenken an die Todesopfer und Verletzten nieder.

Hilfsangebote für Betroffene eingerichtet

Für Betroffene wurden zudem Hilfsangebote eingerichtet. Ein Kriseninterventionsteam bot Unterstützung an. Außerdem schaltete die Polizei ein Hinweisportal und ein Hinweistelefon frei, über die Zeuginnen und Zeugen unter anderem Fotos, Videos und Hinweise zum Tathergang übermitteln können.

Aus Kirchen und Politik kamen zahlreiche Reaktionen. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach von einer „fürchterlichen Amokfahrt“ und zeigte sich fassungslos. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte, die Tat erschüttere ihn zutiefst. Vertreter der Kirchen äußerten sich ebenfalls bestürzt. Für den frühen Dienstagabend war eine ökumenische Gedenkandacht in der Leipziger Nikolaikirche geplant.

Über weiteres Vorgehen wird entschieden

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen sagte, sollte im Laufe des Tages über das weitere Vorgehen entschieden werden. Die Ermittler trugen zunächst weitere Erkenntnisse zusammen. Wie lange die Spurensicherung und Ermittlungsarbeit vor Ort andauern würden, war zunächst unklar.