Feuerzeugwurf gegen Bochum
: DFB bestätigt Urteil – diese Mittel bleiben Union Berlin

Union Berlin verliert vor dem Bundesgericht des DFB gegen den VfL Bochum. Die juristischen Mittel nach dem Feuerzeugwurf sind aber noch nicht ausgeschöpft.
Von
Jan Lehmann
Frankfurt am Main
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DFB-Bundesgericht, Verhandlung zum Spiel 1. FC Union - VfL Bochum 2024/25: Fußball, Herren, Saison 2024/2025, 1. Bundesliga, DFB-Bundesgericht am DFB-Campus in Frankfurt, im Bild: Präsident Dirk Zingler (1. FC Union Berlin), 
 
mündliche Verhandlung der Berufungen des 1. FC Union Berlin, von Holstein Kiel und des FC St. Pauli gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts zum Einspruch des VfL Bochum gegen die Wertung des Spiels beim 1. FC Union am 14.12. 2024 (1:1 / Wertung 2:0), 28.02.2025, Foto: Matthias Koch

Präsident Dirk Zingler vom 1. FC Union Berlin war am Freitag bei der mündlichen Verhandlung des DFB-Bundesgerichts in Frankfurt am Main zu Gast. Es wurden die Berufungen des 1. FC Union, von Holstein Kiel und des FC St. Pauli gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts verhandelt, wonach das Spiel gegen den VfL Bochum nach dem Feuerzeugwurf mit 2:0 für die Gäste gewertet werde.

Matthias Koch
  • Union Berlin verliert Berufung gegen Bochum beim DFB-Bundesgericht.
  • Urteil: Bochum erhält 2:0-Sieg nach Feuerzeugwurf.
  • Union erwägt weitere rechtliche Schritte, z.B. vor dem CAS.
  • Bochum nun auf Relegationsplatz, Union auf Rang 13.
  • Nächstes Spiel: Union gegen Holstein Kiel am Sonntag.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es bleibt dabei: Der 1. FC Union Berlin verliert den Punkt vom Heimspiel gegen den VfL Bochum. Der VfL kann sich indes nach dem Feuerzeugwurf-Eklat über zwei zusätzliche Punkte im Abstiegskampf freuen. Das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes urteilte im Berufungsverfahren, dass das 1:1 ausgegangene Skandal-Spiel mit 2:0 für Bochum gewertet wird. Dies hat Auswirkungen auf die Bundesliga-Tabelle, die am Saisonende entscheidend sein könnten.

„Es kann nicht sein, dass ein gezielter Wurf auf einen Spieler zu einem Wiederholungsspiel führt“, sagte der Vorsitzende Richter Oskar Riedmeyer nach der über vierstündigen Verhandlung und zweistündigen Beratung seines Rechtsorgans auf dem DFB-Campus in Frankfurt. Er ergänzte, die Partie, bei der VfL-Torhüter Patrick Drewes von einem aus dem Union-Fanblock geworfenen Feuerzeug getroffen wurde und nicht weiterspielen konnte, hätte eigentlich abgebrochen werden müssen.

Das Bundesgericht lehnte damit die Berufung von Union gegen die Entscheidung des DFB-Sportgerichts vom 9. Januar ab, das die Partie ebenfalls bereits mit 2:0 für Bochum gewertet hatte. „Für das Bundesgericht des DFB hat eine Schwächung des VfL Bochum vorgelegen, welche durch den Feuerzeugwurf eines Mitglieds von Union Berlin herbeigeführt wurde. Dieses Verschulden wird Union Berlin zugerechnet“, sagte Riedmeyer.

Das Bundesgericht des DFB ist die letzte Instanz innerhalb des Verbandes. Dem 1. FC Union bleiben dennoch juristische Möglichkeiten, beispielsweise eine Berufung vor dem Ständigen neutralen Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften.

Dies kündigte Union-Präsident Dirk Zingler am Freitagabend an und begründete: „Wir waren heute Zeuge eines Verfahrens, in dem erstmalig das Fehlverhalten eines Zuschauers zu einer Spielumwertung geführt hat. Und das trotz einer ordnungsgemäßen Beendigung des Spiels durch den Schiedsrichter. Die Schaffung dieses Präzedenzfalls war aus unserer Sicht Ziel des Kontrollausschusses. Das Gericht ist vom VfL Bochum und vom Kontrollausschuss aufgefordert worden, ein politisches Signal zu senden. Dies war nur möglich unter fehlerhafter Anwendung der Rechts- und Verfahrensordnung. Wir sind daher gezwungen, dem politischen Druck zu entgehen und werden das Ständige Schiedsgericht anrufen”, äußerte sich Zingler zum Urteil.

Es ist ein Schiedsgericht zwischen dem Ligaverband, dessen GmbH-Tochter DFL und dem DFB sowie den teilnehmenden Vereinen beziehungsweise Kapitalgesellschaften an der Bundesliga und 2. Bundesliga. Es sitzt in Frankfurt am Main. Der amtierende Vorsitzende ist der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts, Udo Steiner. Sogar ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne (Schweiz) ist möglich.

Heimspiel am Sonntag gegen Holstein Kiel

Der Verein hat sich noch nicht dazu geäußert, inwieweit er von diesen Rechtsmitteln Gebrauch machen wird. Vorerst wird die Tabelle der Bundesliga korrigiert. Bochum rückt mit nun 17 Punkten auf Relegationsrang 16. Union Berlin bleibt mit 23 Zählern auf Rang 13. Der Vorsprung zur Abstiegszone verringert sich damit aber auf nur sechs Zähler.

Am Sonntag (2. März/15.30 Uhr) empfangen die Eisernen in der Bundesliga den Tabellenletzten Holstein Kiel (13 Punkte). Dann haben sie die Chance, den Abstand zu den Abstiegsplätzen wieder zu vergrößern.

Patrick Drewes: ARCHIV - 14.12.2024, Berlin: Fußball: Bundesliga, 1. FC Union Berlin - VfL Bochum, 14. Spieltag, An der Alten Försterei. Bochums Torwart Patrick Drewes zeigt einen Gegenstand, mit dem er am Kopf getroffen wurde. (zu dpa: «DFB-Bundesgericht entscheidet über Feuerzeug-Eklat») Foto: Andreas Gora/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Patrick Drewes, Torhüter des VfL Bochum, war im Spiel beim 1. FC Union Berlin von einem Feuerzeug getroffen worden.

Andreas Gora/dpa

Union-Präsident Dirk Zingler, der bei der ersten Instanz nicht anwesend war und das Sportgerichtsurteil scharf kritisiert hatte, betonte während der Verhandlung: „Der Verein ist nicht der Täter. Beide Mannschaften waren Opfer eines Feuerzeugwerfers, den wir ermittelt haben.“ Das Bundesgericht sah dies anders. Zingler erklärte, Union hätte in solch einem Fall niemals Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt. Bochum hingegen nutze den Einfluss von außen, um in den Wettbewerb einzugreifen.

Schiedsrichter Petersen muss an 40. Geburtstag aussagen

Bochums Rechtsbeistand Christoph Schickhardt betonte die Bedeutung von Kopfverletzungen bei der Entscheidungsfindung und sagte in seinem Plädoyer zum Täter: „Das erfüllt die Straftat einer gefährlichen Körperverletzung.“ Das Urteil habe Signalwirkung auf den gesamten Fußball, einschließlich der Amateurligen. Ein anderes Urteil des Bundesgerichts als das des Sportgerichts wäre „ein fatales Zeichen“ für den Fußball.

Das Bundesgericht verzichtete nach Zustimmung aller Beteiligten darauf, Drewes per Videoschalte im „Golden Goal“-Saal auf dem DFB-Campus erneut aussagen zu lassen. Schiedsrichter Petersen musste allerdings an seinem 40. Geburtstag aus der Ferne Stellung nehmen.

Das Spiel im Stadion An der Alten Försterei wurde am 14. Dezember in der 92. Minute für über 25 Minuten unterbrochen, nachdem der Torwart von Bochum, Drewes, von einem Feuerzeug getroffen wurde, das aus dem Block der Union-Fans geworfen worden war. Drewes musste das Spielfeld verlassen. Schiedsrichter Martin Petersen setzte die Partie ohne Drewes fort, da Bochum keine Auswechslungen mehr vornehmen konnte. So übernahm Angreifer Philipp Hofmann vorübergehend die Torwartposition. Beide Mannschaften spielten den Ball im Einvernehmen hin und her, um das Spiel zu beenden.

Kiel und St. Pauli scheitern mit Berufungen

Das DFB-Sportgericht entschied, dass Drewes durch das Feuerzeug am Kopf verletzt wurde und dies eine Schwächung für Bochum darstellte. Ein Spielabbruch wäre daher gerechtfertigt gewesen. Die Berliner beschuldigten Drewes indirekt der Schauspielerei. Sportgerichtsrichter Stephan Oberholz erklärte: „Für eine besondere Schauspieleinlage von Herrn Drewes oder für ein Komplott oder eine Schmierenkomödie haben wir nicht die entsprechenden Anhaltspunkte bekommen.“

Zu Beginn der Verhandlung auf dem DFB-Campus in Frankfurt/Main wies das Bundesgericht die Berufungen von Holstein Kiel und St. Pauli, die eine Beeinflussung des Abstiegskampfes befürchteten, als unzulässig zurück. Das Rechtsgremium um Riedmeyer und den ehemaligen Nationalspieler Carsten Ramelow als Beisitzer erkannte kein „unmittelbares Interesse“ der beiden Abstiegskandidaten an dem Fall. Der Kreis der betroffenen Vereine sollte nicht zu groß gezogen werden, da dies „ein nicht praktikabler Weg“ wäre. Das Urteil könnte am Saisonende jedoch Auswirkungen auf die Platzierung aller Vereine haben.