Fan-Krawalle in Dresden
: Dynamo sieht „massiven Schaden für den Fußball“

Nach den Ausschreitungen beim Spiel von Dynamo Dresden gegen Hertha BSC spricht SGD-Finanzgeschäftsführer Stephan Zimmermann im Interview über Gründe und Folgen.
Von
Frank Noack
Dresden
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Dynamo Dresden - Hertha BSC: Fußball, Männer: 2. Bundesliga, Dynamo Dresden - Hertha BSC, 28. Spieltag,  Rudolf-Harbig-Stadion: Polizeieinsatzkräfte stehen vor dem Fanblock der Dresdner Anhänger.

Massiver Polizeieinsatz beim Spiel von Dynamo Dresden gegen Hertha BSC: Personen aus beiden Fanlagern waren zwischenzeitlich in den Innenraum gestürmt und beschossen sich gegenseitig mit Pyrotechnik.

Frank Hammerschmidt
  • Beim Spiel Dynamo gegen Hertha stürmten Fans beider Seiten den Innenraum und zündeten Pyro.
  • Stephan Zimmermann nennt die Szenen beschämend und sieht massiven Schaden für Verein und Fußball.
  • Ursache unklar: dichte Vernebelung, defekte Plexiglasscheibe, Bewegungen beider Lager im Innenraum.
  • Polizei trennte die Gruppen; Verein und Polizei werten Bilder aus und kündigen Aufarbeitung an.
  • Zimmermann warnt vor politischem Rückenwind für härtere Maßnahmen – die Verhandlungsbasis leide.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Diese schlimmen Bilder wirken nach und werden nicht nur beide Vereine noch lange beschäftigen. Beim 1:0 (0:0)-Sieg von Hertha BSC bei Dynamo Dresden stürmten Fans aus beiden Lagern in den Innenraum und beschossen sich gegenseitig mit Pyrotechnik. Im Gespräch mit den Journalisten findet Dynamos Finanzgeschäftsführer Stephan Zimmermann anschließend deutliche Worte. Zimmermann spricht von einem beschämenden Bild, einem schweren Schaden für den Verein und den Fußball insgesamt. Außerdem kündigt er gemeinsam mit der Polizei eine genaue Aufarbeitung der Eskalation an.

Stephan Zimmermann, war das ein schwarzer Abend für Dynamo Dresden und für den Fußball insgesamt?
„Ja. Ich war in der zweiten Halbzeit beim Polizeiführer, um die ganzen Situationen rund um die 20. Minute mit ersten Erkenntnissen auszuwerten. Ich habe gar nicht mehr viel von dem mitbekommen, was im Spiel auf dem Rasen passiert ist. Was wir alle sehen mussten, ist ein massiver Schaden für uns als Verein und für den ganzen Fußball. Letztlich waren es wieder 50, 60 Leute, die ein beschämendes Bild für Dynamo abgegeben haben.“

Warum ist es zu dieser Eskalation rund um die 20. Minute gekommen?
„Das kann ich noch nicht wirklich sagen. Es gibt im Moment unterschiedlichste Theorien. Hintergrund ist, dass es eine große Pyroaktion vom Gästeblock gab und dadurch relativ viel vernebelt war. Deshalb war die ganze Situation unübersichtlich, sodass auch Videoaufzeichnungen noch nicht zu hundert Prozent ausgewertet werden können.“

Was ist bislang bekannt?
„Im Gästeblock ist eine Plexiglasscheibe kaputt, sodass man zwischen Sitzplatz- und Stehplatzbereich hin- und herwechseln konnte. Es gab Bewegungen im Innenraum von beiden Seiten. Von Hertha-Seite, indem Leute über die Wände gesprungen sind und im Innenraum waren. Daraufhin gab es dann auch Bewegungen von unserer Seite, aus dem K-Block kommend. Dann hat man sich im Innenraum mit Pyrotechnik beworfen, sich auch tätlich auseinandergesetzt und geschlagen. Dann kam die Polizei rein und hat die Fanlager getrennt.“

Fahnenklau als Ursache für die Krawalle?

Es war auch die Rede von einem Fahnenklau als möglicher Ursache.
„Ob der Fahnenklau die Ursache war oder andere Dinge im Vorfeld des Spiels, wird jetzt Teil der Auswertung sein. Wir sind da im engen Austausch mit der Polizei. Wir werden jetzt schauen: Welche Bilder hat die Polizei, welche Bilder haben wir, um genau feststellen zu können, was der Auslöser war. Aber all das sind Dinge, die wir definitiv nicht sehen wollen. Wir sind seit mehreren Wochen im Austausch mit Verbänden und mit der Politik, wo es genau um das Thema Sicherheit im Stadion geht. Da haben wir uns als Verein klar positioniert, auch beim Thema Pyrotechnik, wenn sie sicher abgebrannt wird. Aber das, was heute hier wieder passiert ist, ist komplett daneben.“

Und es konterkariert diese Bemühungen.
„Das konterkariert alles. Das ist Wasser auf die Mühlen einiger Politiker, die viel härtere Maßnahmen wollen. Heute haben wir wieder Anlass gegeben, dass Sie sich mit solchen Forderungen bestätigt fühlen. Das, was wir heute gesehen haben, macht unsere Verhandlungsposition nicht einfacher.“

SC Paderborn 07 - Dynamo Dresden: 21.03.2026, Nordrhein-Westfalen, Paderborn: Fußball, Männer: 2. Bundesliga, SC Paderborn 07 - Dynamo Dresden, 27. Spieltag, Home Deluxe Arena: Stephan Zimmermann, Dynamos Geschäftsführer Finanzen, steht im Stadion. Foto: Swen Pförtner/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

Stephan Zimmermann ist Finanzgeschäftsührer von Dynamo Dresden.

Swen Pförtner/dpa

Es gibt im Rudolf-Harbig-Stadion eine klare Trennung von Gästeblock und K-Block. Wie kann es sein, dass die Fans dann trotzdem in den Innenraum kommen?
„Jeder, der sportlich ist, kann über die Wand hinüberspringen und steht dann im Innenraum. Wir hatten heute wieder über 450 Ordner im Einsatz. Hertha hatte eigene Ordner mitgebracht, die die Situation im Innenraum mit absichern sollten. Wir waren auch mit Hertha vor dem Spiel im Austausch und hatten aus unserer Sicht ein gutes Sicherheitskonzept. Auch mit der Polizei waren wir vor dem Spiel im Austausch. Wir kennen unsere Schwachstellen hier im Stadion und haben versucht, dagegenzuwirken. Am Ende war die Situation aber sehr unübersichtlich, weil noch viel Nebel im Stadion war. Und genau dieser Schwachpunkt wurde ausgenutzt.“

Sie haben gesagt: Wer sportlich ist, kommt schnell in den Innenraum. Ist das womöglich eine offene Flanke in der Absicherung?
„Wir haben ein sehr gutes Sicherheitskonzept. Das hat mir der Polizeiführer auch noch einmal bestätigt: Unser Stadion ist mit der räumlichen Trennung grundsätzlich gut aufgestellt. Solche Bilder wie heute haben wir hier noch nie gesehen. Wie gesagt: Es gab in dem Moment die Schwachstelle, dass es sehr lange vernebelt war. Das haben beide Fanlager – oder beide Gruppen von Personen, die da aufs Spielfeld gerannt sind – ausgenutzt.“

Ist diese Eskalation in irgendeiner Weise zu erklären? Eine große Rivalität gibt es ja nicht zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC.
„Davon ist auch uns nichts bekannt. Im Hinspiel gab es zwar eine Auseinandersetzung, damals vor dem Spiel im Oberrang. Aber selbst bei jeder Rivalität, die es gibt – und Rivalität gehört ein Stück weit auch zum Fußball dazu – heißt das noch lange nicht, dass wir uns im Hin- oder Rückspiel auf die Nase hauen müssen. Dafür habe ich absolut kein Verständnis.“

Gibt es Erkenntnisse über weitere Vorfälle außerhalb des Stadions? Hinter dem K-Block gab es auch noch ein Feuerwerk.
„Was außerhalb des Stadions passiert ist, kann ich noch nicht beurteilen. Das Feuerwerk außerhalb des Stadions habe ich gesehen. Ob das im Zusammenhang mit unserem Spiel stand, ist bislang nur eine These. Bestätigt wurde vom Polizeiführer auf jeden Fall, dass es nach der Situation vor dem Gästeblock auch hinter dem Gästeblock noch einen weiteren Polizeieinsatz mit den Gästefans gab.“

Im Hertha-Block ist sehr viel Pyrotechnik hochgegangen. Wie war es möglich, so viel Zeug ins Stadion zu bringen?
„Es war heute ein Hochrisikospiel. Das heißt, es waren noch mehr Ordner und Polizeikräfte als sonst im Einsatz . Die Kontrollen haben ganz normal stattgefunden. Die Personen wurden selbstverständlich kontrolliert. Das Stadion war, wie immer, auch schon vorher bewacht. Deshalb würde ich auf gar keinen Fall bestätigen, dass vor dem Spiel schon irgendetwas hineingeschmuggelt wurde.“

Insgesamt war es eine heftige Angelegenheit. Mit wer Strafe durch den DFB rechnen Sie?
„Das wäre jetzt reine Spekulation. Die mögliche Strafe geht mir im Moment noch gar nicht durch den Kopf. Ich kann Ihnen nur sagen, dass das ein absolut gebrauchter Abend war, im Grunde eine gebrauchte Woche. Mit dem Tod von Hansi Kreische noch dazu war das, auf gut Deutsch, eine beschissene Woche für uns. Das was wir um die 20. Minute gesehen haben, war der negative Höhepunkt. Man kann sich nur bei allen im Stadion Anwesenden entschuldigen.“