Dynamo Dresden 2. Liga: Warum Mesenhöler als Ersatztorhüter für gute Laune sorgen muss

Daniel Mesenhöler fühlt sich auch in seiner Rolle als Ersatztorhüter bei Dynamo Dresden sichtlich wohl. Im Interview im Mannschaftshotel Fame Residence in Antalya-Lara nennt der 30-Jährige die Gründe.
Lutz HentschelDie Rolle von Daniel Mesenhöler ist bei der SG Dynamo Dresden klar definiert: Der 30-Jährige hält als Ersatztorhüter den Stammkeepern den Rücken frei. Die Rolle von Mesenhöler hat sich auch durch die zwischenzeitliche Verletzung von Tim Schreiber sowie den langfristigen Ausfall von Lennart Grill nicht geändert.
Der gebürtige Rheinländer hat sich damit arrangiert, muss jedoch täglich einen Spagat bewältigen. Einerseits ist Mesenhöler dankbar, dass er als Profifußballer sein Geld verdienen kann. Andererseits sind „der Drang und der Wille zu spielen, nach wie vor da. Das lässt nicht nach“, sagt der Ersatztorhüter im Interview.
Daniel Mesenhöler, wie anstrengend ist so ein Trainingslager eigentlich für die Torhüter?
Daniel Mesenhöler: Anstrengend, ähnlich wie bei den Feldspielern. Wir machen ja noch extra Torwartathletik. Unter anderem eine Beinkrafteinheit am Platz, wo speziell die Sprungkraft trainiert wird. Wir Torhüter trainieren die Explosivkraft, die Feldspieler die Kraftausdauer. Das sieht bei uns dann vielleicht nach ein bisschen weniger aus. Ist es aber nicht, weil wir von diesen schnellen Aktionen mehrere Wiederholungen machen. Im Endeffekt geht es darum, dass du zu den Spielen am Wochenende fit und spritzig bist.
Fit am Wochenende ist ein gutes Stichwort. Wie schwer ist das speziell für einen Ersatztorhüter?
Ich bereite mich immer so vor, dass ich spiele. Es ist genau der gleiche Ablauf wie bei den anderen Torhütern auch.
In der Hinrunde gab es mehrere Verletzungen bei den Torhütern. Merkt man in solchen Situationen, dass man auch schnell hereinrutschen kann?
Der Fußball ist stets für Überraschungen gut. Deshalb sind immer alle Torhüter dabei. Es gibt nie einen Moment, wo man nachlassen kann. Du gibst immer Vollgas. Deshalb ist jeder immer bei 100 Prozent.
Hat sich Ihre Sicht auf diese Rolle des Ersatztorhüters mit all der gesammelten Erfahrung in den vergangenen Jahren verändert?
Sicher, im Kopf hat sich schon ein wenig was verändert. Aber der Drang und der Wille zu spielen, sind nach wie vor da. Das lässt nicht nach. Alles andere wäre auch komisch. Nachdem ich 2023 ein halbes Jahr vereinslos war, habe ich mehr denn je gelernt, für die aktuellen Gegebenheiten dankbar zu sein.
Dankbarkeit das eine, der Drang spielen zu wollen, das andere. Wie schwierig ist dieser Spagat?
Das muss immer ein Gleichgewicht sein, obwohl es zugegebenermaßen weit auseinanderliegt. Einerseits sollte man die Dankbarkeit bewahren, dass man Profifußballer ist und damit sein Geld verdienen darf. Andererseits hat man natürlich den Anspruch, sich zu zeigen und besser zu werden.
Daniel Mesenhöler über die Torwart-Diskussion
Wie gehen Sie damit um, dass Dynamo noch einen weiteren Torhüter verpflichten will und das auch offen kommuniziert?
Fußball ist ein Leistungssport, gerade im Profibereich. Und ich denke, Leistung wird belohnt. Ich konzentriere mich auf meine Leistung. Was dann entschieden wird, liegt nicht in meiner Hand. In meiner Hand liegt, dass ich jeden Tag einhundert Prozent gebe.
Ärgert es Sie, dass bei der öffentlichen Torwart-Diskussionen - auch in den Medien - Sie nie als mögliche neue Nummer 1 gehandelt werden?
Für mich ist wichtig, was der Trainer denkt. Und wenn der Trainer der Meinung ist, dass ich im Training meine Leistung bringe, dann bin ich mit meiner Leistung zufrieden.

Daniel Mesenhöler (r.) und die Torhüter von Dynamo Dresden absolvieren im Trainingslager in der Türkei auch ein spezielles Athletiktraining. Das Training sehe zwar weniger aus als bei den Feldspielern. „Ist es aber nicht, weil wir von diesen schnellen Aktionen mehrere Wiederholungen machen“, erklärt Mesenhöler.
Lutz HentschelRegistriert man, dass der Trainer bei diesen Diskussionen ganz bewusst immer alle Torhüter erwähnt?
Das ist genau das, was für mich wichtig ist. Für mich zählt, dass der Trainer das so sieht. Weil er derjenige ist, der gemeinsam mit unserem Torwarttrainer entscheidet. Ja, was die Wertschätzung angeht, fühle ich mich hier sehr wohl.
Wie wichtig ist der Ersatztorhüter für die Chemie im Team? Sie haben ja vermeintlich die schlechtesten Chancen hereinzukommen. Mancher sorgt dann für schlechte Stimmung.
Da sind wir wieder beim Thema Dankbarkeit. Ich habe überhaupt keinen Grund, schlechte Stimmung zu machen, weil ich dankbar bin, dass ich hier bin und jeden Tag Gas geben kann. Ich kann mit dem Sport mein Geld verdienen. Das versuche ich auch, auf die Mannschaft zu übertragen.
Wie machen Sie das konkret?
Wie gesagt: Wir Profifußballer sollten dankbar sein für dieses Privileg. Vielleicht ist es so, dass man als zweiter Torhüter manche Situation sogar besser lesen kann. Dass man den Mitspielern vermittelt: Hey, es ist toll, wo wir hier sind. Auch, wenn es mal einen Rückschritt gibt. Nächste Woche geht es schon weiter. Dieser Wechsel der Perspektive geht vielleicht als Nummer zwei leichter.
Ist dieser Optimismus in der aktuellen sportlichen Situation wichtiger denn je? Haben sie das Gefühl, dass alle weiterhin an den Klassenerhalt glauben?
Ja, zu einhundert Prozent. Wir alle sind überzeugt, dass wir tabellarisch nicht da stehen, wo wir hingehören und in der Rückrunde mehr Punkte holen werden. Man merkt, dass nach wie vor eine positive Energie da ist. Diese Energie baut sich hier im Trainingslager weiter auf. Es herrscht keine Angst, sondern eher Euphorie. Wir geben Vollgas und wollen es besser machen.
Sie haben die Gier angesprochen, unbedingt spielen zu wollen. Wie muss die sportliche Konstellation für Daniel Mesenhöler aussehen, dass Sie sagen: Ich mache jetzt persönlich einen Schritt zurück bei einem anderen Verein, um dort aber wieder Nummer 1 zu sein?
Schwierige Frage, dafür müsste ich in die Zukunft blicken können. Das kann ich nicht. Ich konzentriere mich auf die aktuelle Situation und möchte mich von meiner besten Seite zeigen. Wenn sich die Chance ergibt, werde ich sie ergreifen. Und wenn nicht, dann mache ich so weiter wie bisher.


