USA, EU, Deutschland
: Was Trumps Wahlpleite für die Wirtschaft bedeutet

Bei den US-Kongresswahlen erobern die Demokraten beide Kammern und können Donald Trump nun das Regieren erschweren. Das dürfte Folgen bis nach Deutschland haben.
Von
Markus Brauer
Washington/Brüssel/Berlin
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Der Zollstreit zwischen den USA und der EU hat zu schweren politischen und wirtschaftlichen Zerwürfnissen geführt (Fotomontage).

Der Zollstreit zwischen den USA und der EU hat zu schweren politischen und wirtschaftlichen Zerwürfnissen geführt (Fotomontage).

Imago/Christian Ohde
  • Demokraten erobern Repräsentantenhaus und Senat – Trumps Agenda gerät innenpolitisch unter Druck.
  • Ökonomen erwarten keine Kehrtwende bei Zöllen; Dekrete könnten Handelskonflikte verstärken.
  • Wachstum der US-Wirtschaft soll sich laut Experten abschwächen, was Deutschlands Export trifft.
  • Ölpreise könnten bei Einigung im Iran-Konflikt sinken, was Spritkosten beidseits des Atlantiks dämpft.
  • Tech und Krypto: mehr Regulierung möglich, KI-Rechenzentren stoßen auf Widerstand, Krypto stabil.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erobert. Was bedeutet der deutliche Sieg für die Wirtschaft in den USA und Deutschland, für Autofahrer und Anleger? Und ändert sich nun die Zollpolitik von Donald Trump, die Firmen hierzulande belastet? Wird der US-Präsident zur „lame duck“, zur lahmen Ente? Die ersten Reaktionen von Experten sind geteilt:

Zollpolitik

In den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit hat Trump Handelspartner mit immer neuen Zöllen überzogen, die EU und Deutschland in erster Reihe. Besserung erwarten Ökonomen nach der krachenden Wahlniederlage nicht.

Mit unbequemen Mehrheitsverhältnissen zu Hause könnte sich Trump mehr auf die Außenpolitik konzentrieren, glaubt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Der Präsident werde sich künftig noch mehr auf Verordnungen stützen. „Zölle und Handelskonflikte könnten wieder stärker in den Vordergrund rücken.“

Ähnlich sieht es das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Deutsche Unternehmen sollten damit rechnen, dass die Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029 bestehen bleibt“, schrieb das IW jüngst mit Blick auf das reguläre Ende der Amtszeit Trumps.

Die Zollpolitik werde die deutsche Wirtschaft weiter bremsen, meint IW-Direktor Michael Hüther. „Die Zölle verhängt Trump nicht per Gesetz, sondern per Dekret am Kongress vorbei.“ Innenpolitisch stünden den USA unruhige Zeiten bevor. „Politische Unsicherheit beim wichtigsten Handelspartner Deutschlands wird den transatlantischen Handel belasten.“

Auch nach der Wahlniederlage ist Trumps Macht groß. So kann er sein Veto gegen Gesetze einlegen. Selbst mit der Mehrheit der Demokraten in Senat und Repräsentantenhaus müsste ein Veto Trumps von zwei Dritteln der stimmberechtigten Volksvertreter in beiden Kammern überstimmt werden. Das ist äußerst schwer zu erreichen.

Konjunktur

Zwar sind die Demokraten tendenziell stärker an internationaler Zusammenarbeit interessiert als Trump. Es wäre aber ein Irrtum, von einer demokratischen Mehrheit eine grundlegende Rückkehr der USA zum Freihandel zu erwarten, meint ZEW-Präsident Achim Wambach. Abschottung sei keine Besonderheit der Trump-Regierung. „In der Handelspolitik gegenüber China sowie bei politischen Maßnahmen zum Schutz der heimischen Industrie besteht in Washington parteiübergreifend ein weitgehender Konsens.“

Mit der Wahlniederlage sinken zudem die Möglichkeiten der Trump-Regierung, die US-Wirtschaft mit Konjunkturprogrammen anzukurbeln, stellt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, fest.

Die Wähler in den USA haben entschieden und die Republikaner - und vor allem US-Präsident Donald Trump - deutlich abgestraft.

Die Wähler in den USA haben entschieden und die Republikaner - und vor allem US-Präsident Donald Trump - deutlich abgestraft.

Imago/ZUMA Press Wire

Mit einem verlangsamten Investitionswachstum bei Künstlicher Intelligenz und dämpfenden Effekten des harten Vorgehens gegen Einwanderung werde sich das Wachstum der US-Wirtschaft 2028 deutlich auf rund 1,5 Prozent abschwächen. Schmieding: „Die USA werden somit weniger als bisher zum globalen Wirtschaftswachstum beitragen.“ An der exportabhängigen deutschen Wirtschaft ginge das nicht spurlos vorbei.

„Weitere Deregulierung oder Steuersenkungen, wie sie die Republikaner fordern, sind nicht zu erwarten, aber auch kein Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik in Richtung höherer Steuern oder Sozialleistungen“, konstatiert auch Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Europa kann leider nicht mit Erleichterung im Amerikahandel rechnen.“

Öl- und Spritpreise

Bei der Niederlage der Republikaner spielten die gestiegenen Lebenshaltungskosten vieler Amerikaner eine entscheidende Rolle. Denn mit dem von Trump angezettelten Iran-Krieg sind die Spritpreise stark gestiegen – zum Ärger vieler Wähler im Autofahrerland USA. Berenberg-Ökonom Schmieding erwartet zunehmenden Druck auf Trump seitens der eigenen Republikaner-Partei, „die Benzinpreise durch eine Lösung der Iran-Frage wieder auf ein normales Niveau zu bringen“.

Wahrscheinlich sei, so Schmieding, dass die US-Regierung nach einer womöglich letzten Bombardierungsrunde ein Abkommen mit Iran schließe, das die Wiederöffnung der Straße von Hormus vorsehe. Damit dürften die Ölpreise, die mit dem Nahost-Krieg über die Marke von 100 Dollar je Barrel Brent-Öl gestiegen sind, sinken - und damit die Benzinpreise für Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks. Schmieding erwartet, dass der Preis für Brent-Rohöl bis Ende 2027 auf 75 US-Dollar pro Barrel und 2028 auf im Schnitt 65 US-Dollar fällt.

Folgen für Anleger und Börsen

An den Finanzmärkten kam es zunächst zu leichten Verlusten, Einbußen bei Tech-Aktien werden erwartet. Mit sinkenden Spielräumen für die Republikaner beim Haushalt erwartet die Landesbank LBBW einen schwächeren Dollar und sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen. DIW-Präsident Marcel Fratzscher rechnet zudem damit, dass es für Trump schwerer wird, Institutionen umzubauen, wie er es mit der Notenbank Fed versuchte.

Anleger sollten die erste Börsenreaktion aber nicht überinterpretieren, meint Ökonom Gitzel. „Für die Aktienmärkte war es historisch betrachtet nämlich nicht so entscheidend, wer wie viele Sitze gewinnt oder verliert.“

In den vergangenen 75 Jahren habe es in den 100 Tagen nach den Midterms immer ein Plus gegeben – „und zwar ein kräftiges“. Im Schnitt habe der breite US-Börsenindex S&P 500 um 10 Prozent zugelegt. Ein klares Muster zur Börsenentwicklung in Jahren mit einem geteilten Kongress oder einem Kongress gegen die Partei des US-Präsidenten gebe es aber nicht.

Regulierung, Krypto und KI-Rechenzentren

Nach dem rasanten Erfolg der Demokraten könnte der KI-Sektor stärker reguliert werden. Tech-Konzerne müssen sich auf noch mehr Gegenwind bei ihren riesigen Rechenzentren für KI einstellen. Gegen die Anlagen formierte sich im Wahlkampf immer mehr Widerstand – vor allem, da Anwohner steigende Energie- und Wasserpreise befürchten.

Selbst Politiker der Republikaner verhängten Moratorien für den Bau neuer Rechenzentren. Mit Gouverneuren der Demokraten wie etwa Gina Hinojosa in Texas können sich die Konzerne auf einen härteren Kurs einstellen. „Rechenzentren im All wirken gerade ziemlich ansprechend“, schrieb Tech-Milliardär Elon Musk nach der Wahl. Er will bei seiner Weltraumfirma SpaceX Rechenkapazitäten in der Umlaufbahn aufbauen – während noch offen ist, ob das funktionieren kann.

Auch für die Krypto-Branche bedeutet der Wahlsieg der Demokraten eine veränderte Gemengelage. In den maßgeblichen Ausschüssen des US-Kongresses – etwa im Bankenausschuss des Senats – dürften nun wieder Politiker den Ton angeben, die dem digitalen Geld traditionell deutlich skeptischer gegenüberstehen als viele Republikaner.

Branchenbeobachter rechnen daher damit, dass parlamentarische Vorstöße für industriefreundliche Regeln und Initiativen wie der „CLARITY Act“ künftig auf deutlich größere Hürden stoßen.

Ein Kursrutsch bei Kryptoanlagen blieb entgegen mancher Befürchtungen aber aus: Zwar fiel der Kurs des Bitcoin nach den ersten Hochrechnungen unter 76.000 Dollar (67.561 Euro), kletterte dann aber wieder in Richtung der Marke von 78.000 Dollar (69.339 Euro).

Auch andere Digitalwährungen wie Ether, Solana und der Binance-eigene Token BNB verzeichneten moderate Kursgewinne. Der Ausgang der Wahl war an den Finanzmärkten keine Überraschung mehr.

Mit dpa-Agenturmaterial/Alexander Sturm