In diesem Sommer soll Europa den deutschen Touristen trotz Corona-Pandemie offen stehen. Das sieht ein Plan der Bundesregierung vor, der am Mittwoch im Kabinett behandelt werden soll. Demnach will das Auswärtige Amt seine internationale Reisewarnung am 15. Juni aufheben. Sie soll durch spezifische Reisehinweise ersetzt werden, wie es sie schon bisher für Krisenländer und -regionen gibt. Fragen und Antworten, was das konkret bedeutet:

Warum gibt es die Reisewarnung überhaupt?

Die internationale Reisewarnung hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) am 17. März erlassen, weil infolge der Corona-Krise der internationale Flugverkehr zusammenbrach und mit ihm der Tourismus. Viele Länder erließen Ausgangsbeschränkungen, schlossen Hotels und Gaststätten, Fluggesellschaften stellten einen Großteil ihrer Verbindungen ein. Damit deutsche Touristen überhaupt aus dem Ausland zurückkommen konnten, startete die Bundesregierung die größte Rückholak­tion der deutschen Geschichte. 240 000 Menschen wurden aus aller Welt heimgeflogen.

Wohin können Deutsche ab Mitte Juni reisen?

Falls es eine europäische Einigung gibt, dann beziehen sich die Erleichterungen auf die gesamte EU sowie Großbritannien, Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Allerdings müssen die Länder Voraussetzungen erfüllen, etwa Hygiene- und andere Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus umsetzen und die Rate der Infizierten unter 50 pro 100 000 Einwohner pro Woche halten. Zudem sollen die 31 Länder Kapazitäten zur Behandlung oder Quarantäne von Betroffenen sicherstellen. Über eine Vereinheitlichung der Kriterien hatte Minister Maas vergangene Woche mit seinen europäischen Kollegen gesprochen. Die Verhandlungen laufen noch.

Darf man sonst nirgendwo hin?

Bereits jetzt dürfen deutsche Touristen eigentlich überall hin reisen. „Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot“, hatte Maas mehrfach erklärt. Sie bedeutet lediglich, dass Touristen gewarnt sind, wenn Sie im Ausland stranden oder mit anderen Problemen konfrontiert sind. Eine Rückholaktion werde man nicht noch einmal durchführen, warnte Maas.

Helfen die Lockerungen der Branche?

Die Bundesregierung hat erklärt, dass nicht das Geschäftsinteresse an erster Stelle stehe, sondern die Gesundheit. Trotzdem habe man auch die deutsche Reisewirtschaft und „die wirtschaftliche Stabilität in den jeweiligen Zielländern“ im Blick. Der Präsident des Deutschen Reisebüroverbandes, Norbert Fiebig, nannte die geplanten spezifischen Reisehinweise einen „sehr guten Ansatz“.