Von Patrick Guyton

Der Delegierte Robert Simm aus Dachau steht beim CSU-Parteitag am Mikrofon und sagt, was er von der angestrebten Frauenquote für seine Partei hält: nichts. „Zutiefst undemokratisch“ sei das, „wir kriegen die Frauen gar nicht“. Und: „Jede Frau, die ein bisschen was auf dem Kasten hat, wird bei uns was.“

Es folgt Holm Putzke vom Kreisverband Passau-Stadt. Die Quote sei eine „Diskriminierung von Geschlechtern“, „Bevormundung“. Damit sei nicht mehr erkennbar, ob die Partei „die fähigsten Leute hat oder nur die Quoten-Konformsten“.

Spätestens jetzt an diesem Vormittag in der Münchner Olympiahalle dämmert der Parteitagsregie, dass da gerade etwas schief läuft. Die Basis sollte den Aufbruch in die „neue Zeit“ beschließen, wie auf dem gebeamten Banner über dem Rednerpult steht.

Jünger, weiblicher, digitaler will sich die CSU aufstellen. Das betont der Generalsekretär Markus Blume ein ums andere Mal, ebenso wie der Parteivorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Dazu soll auch eine parteiinterne Frauenquote von 40 Prozent auf Kreisebene eingeführt werden, das ist Bestandteil des großen neuen 75-Punkte-Programms. Auf Bezirks- und Landesebene gibt es die Frauenquote schon.

Plötzlich rebelliert die Basis. Höchst ungewöhnlich für die CSU, wo über viele Jahre hinweg wichtige, strittige Dinge ohne Diskussion abgenickt wurden, als seien es Kassenprüfungsberichte gewesen. „Die Quote macht keinen Sinn“, meint einer. Ein anderer prangert an, dass die CSU „nicht dem vermeintlich grünen Zeitgeist hinterherlaufen“ dürfe. Von „Schmarrn“ ist die Rede.

Gegen den Willen der Parteitagsleitung wird beschlossen, dass man geheim und nicht offen über die Quote abstimmt. In der Halle breitet sich der Rauch der Revolte aus. Einer klagt an, dass plötzlich der halbe Parteivorstand ans Mikrofon drängt, um die Basis doch noch auf Pro-Quoten-Kurs zu bringen.

Schließlich bricht Ulrike Scharf, neue Vorsitzende der Frauen-Union, ein und schlägt schweren Herzens einen „Kompromiss“ vor: Die verpflichtende Forderung von 40 Prozent könnte in eine Soll-Empfehlung deutlich abgeschwächt werden.

Recht verärgert zieht es auch den Parteivorsitzenden Söder noch einmal ans Mikrofon. Am Vortag war er mit 91,3 Prozent wiedergewählt worden. Ein sehr gutes Ergebnis, bei seiner ersten Wahl im Januar dieses Jahres hatte er 87,4 bekommen. Am Vortag hatte er in seiner Rede angekündigt, die Partei inhaltlich umzukrempeln.

Jetzt wirbt er für den Mini-Kompromissvorschlag, um eine krachende Niederlage zu vermeiden oder zumindest das Bild einer gespaltenen Partei.

Eine Ablehnung, meint Söder, „würde uns um Jahre zurückwerfen“. Er kritisiert: „Bei den ganz jungen Frauen schneiden wir verheerend ab, verheerend.“

Offenbar würden viele Parteitagsdelegierte nicht erkennen, was sich bei Frauen alles geändert hat: „Heute halten brillante, junge Frauen die Reden bei den Schulabschluss-Veranstaltungen.“

Wie bisher könne man noch drei oder vier Jahre weitermachen. Aber keiner solle dann kommen und klagen, dass die CSU Wahlen verliere. Schließlich wird der Kompromiss mit der 40-Prozent-Empfehlung angenommen.

Im Anschluss kommt die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer mit dem traditionellen Gastauftritt gerade recht, um den Quoten-Streit ein wenig vergessen zu machen. Freundlicher Empfang, es heißt, dass Söder und sie miteinander können.

„AKK“ beschwört die Einheit der Union in ihrer ansonsten blutleeren Rede. Der CSU schmeichelt sie mit der Aussage, dass sich bei der Infrastruktur in Deutschland der „bayerische Standard“ durchsetzen sollte.