Landtagswahl MV: Die Spitzenkandidaten zur Wahl am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern

Wer zieht ein in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern?
Jens Büttner/dpaAm kommenden Sonntag, dem 20. September 2026, wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Die aktuellsten Umfragen sehen ein enges Rennen zwischen AfD und SPD voraus. Welche Spitzenkandidaten schicken die großen Parteien ins Rennen? Hier gibt es die Übersicht für MV:

Manuela Schwesig
Markus Scholz/dpaManuela Schwesig (SPD) - Kann sie Ministerpräsidemtin bleiben?
Manuela Schwesig ist seit 2017 Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns und Landesvorsitzende der SPD. Die Diplomfinanzwirtin wurde im brandenburgischen Frankfurt an der Oder geboren und kam 2000 nach Schwerin. 2008 erfolgte für Schwesig der Aufstieg von der Kommunalpolitik zur Landessozialministerin und 2013 zur Bundesfamilienministerin. Die 52-jährige einstige stellvertretende Bundesvorsitzende ist in der SPD gut vernetzt.
Schwesig setzt in dem auf sie fokussierten SPD-Wahlkampf unter anderem auf ihren Amtsbonus sowie ihre Kritik an der Bundespolitik und präsentiert sich als einzige Alternative zu einer AfD-Regierung. In entsprechenden Rankings liegt Schwesig weit vorn.
Ihre bis 2022 recht freundliche Russland-Politik, von der Opposition heftig kritisiert, schadete ihr bei den Wählerinnen und Wählern offenbar nicht. Im September 2021 schaffte Schwesigs SPD mit 39,6 Prozent einen fulminanten Wahlsieg, obwohl sie im Mai abgeschlagen im Umfragetief gesteckt hatte. Auch die 33 bis 35 Prozent für die SPD in jüngsten Umfragen waren vor einigen Monaten nicht zu erwarten.

Leif-Erik Holm (l) und Enrico Schult
Jens Büttner/dpaEnrico Schult und Leif-Erik Holm (AfD) - per Doppespitze zum Wahlsieg
Spitzenkandidat Schult ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag und neben Leif-Erik Holm Landesvorsitzender seiner Partei. Der 47-jährige Vermessungstechniker wurde im vorpommerschen Demmin geboren und arbeitete lange für ein regionales Katasteramt. Seit 2015 ist Schult Mitglied der AfD und in der Kommunalpolitik aktiv. 2021 gewann er auf Anhieb das einzige Direktmandat für die AfD und zog in den Landtag ein, wo er sich seitdem vor allem um Bildungs- und Finanzpolitik kümmerte.
Politisch schlägt Schult eher moderate Töne an und widerspricht der Angabe, die AfD in Mecklenburg-Vorpommern sei rechtsextrem. Allerdings distanziert er sich auch nicht von Mitgliedern, die eine solche Vergangenheit haben. Sollte die AfD eine Machtoption bekommen, soll - wie parteiintern vereinbart - allerdings der ehemalige Radiomoderator Holm Ministerpräsident werden.
Der 56-jährige wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bewirbt sich im selben Wahlkreis wie Ministerpräsidentin Schwesig um ein Direktmandat, steht aber nicht auf der AfD-Landesliste. Laut den jüngsten Umfragen könnte die AfD mit 37 bis 38 Prozent stärkste Kraft im Landtag werden. 2021 holte sie 16,7 Prozent.

Daniel Peters
Jens Büttner/dpaDaniel Peters (CDU) - Generationswechsel in der Kanzler-Partei
Daniel Peters ist seit 2024 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion und Landesvorsitzender der CDU. Er sollte dem Generationswechsel im Landesverband vorantreiben. Peters stammt aus Rostock, wo er auch Geschichte und Politikwissenschaften studierte und seit langer Zeit kommunalpolitisch aktiv ist. Elf Jahre lang arbeitete er im Bundestag für Eckhardt Rehberg (CDU), den langjährigen Sprecher des Haushaltsausschusses. 2020 rückte Peters in den Schweriner Landtag nach, 2022 wurde er CDU-Generalsekretär.
Peters wird eher auf der konservativen Seite der CDU verortet. Im Wahlkampf präsentiert er sich als „Mann der Mitte“, der sowohl zur AfD als auch zur Linken auf Abstand geht. Es dürfe nicht wieder „eine Partei des politischen Rands“ an der Regierung beteiligt werden, sagt Peters. Für eine Minderheitsregierung zeigt er sich offen. Mit sieben Prozent in den jüngsten Umfragen - einem historischen Tief für die Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern - ist allerdings nicht damit zu rechen, dass die CDU daran beteiligt sein würde. 2021 kam die CDU noch auf 13,3 Prozent.

Simone Oldenburg
Jan Woitas/dpaSimone Oldenburg (Linke) - Wieder an die Macht?
Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin führt zum zweiten Mal die Landesliste ihrer Partei an. Die 57-jährige Lehrerin für Deutsch und Geschichte stammt aus Wismar und war unter anderem Schulleiterin in der Region, wo sie auch in der Kommunalpolitik mitmischte. 2011 wurde sie in den Landtag gewählt und machte fünf Jahre später dem langjährigen Linken-Fraktionschef und früheren Minister Helmut Holter erfolgreich den Posten streitig. In der 2021 neu aufgelegten rot-roten Koalition wurde sie auch stellvertretende Ministerpräsidentin.
Oldenburg hat in ihrem Ministeramt genug mit der Modernisierung der Schulen, dem Lehrermangel und der steigerungsfähigen Kitaqualität zu tun. Aus dem politischen Richtungsstreit inner- und außerhalb der Linken hält sie sich öffentlich weitgehend heraus. Mit neun bis zehn Prozent in den jüngsten Umfragen - bei der Wahl 2021 waren es 9,9 Prozent - haben Oldenburg und ihre Partei gute Chancen, an der nächsten Landesregierung beteiligt zu sein, sofern sie von der SPD geführt wird.

Claudia Müller
Ulrich Perrey/dpaClaudia Müller (Grüne) - Zittern vor der 5-Prozent-Hürde
Die parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion sprang ein, als der Grünen-Landesverband nach Ärger um die bereits gekürte Spitzenkandidatin Constanze Oehlrich die Landesliste neu aufstellte. Die 45-Jährige stammt aus Rostock, studierte Betriebswirtschaftslehre und arbeitete freiberuflich im Tourismus. Seit 2009 war sie in der Kommunalpolitik verankert, 2017 zog sie in den Bundestag ein. Während der Ampelkoalition stieg sie erst zur Koordinatorin für maritime Wirtschaft und danach zur parlamentarischen Staatssekretärin auf.
Müllers politische Schwerpunkte sind Wirtschafts- und Klimapolitik. Schon früh kritisierte sie Mecklenburg-Vorpommerns enge Zusammenarbeit mit Russland und den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2. Falls die Grünen es wieder in den Landtag schaffen, könnten sie bei der Suche nach einer Regierung jenseits der AfD Zünglein an der Waage sein. Laut den jüngsten Umfragen liegen sie bei fünf Prozent. 2021 erreichten sie noch 6,8 Prozent.

Peter Schabbel
Stefan Sauer/dpaPeter Schabbel (BSW) - Gegen die Brandmauer
Schabbel landete nach einem kurzen Intermezzo bei der Kleinpartei Die Basis beim BSW. Der 59-Jährige wurde in Berlin geboren und engagierte sich in der DDR in der Friedensbewegung und im Neuen Forum. Er lernte Werkzeugmacher, wechselte in die Krankenpflege und betreibt seit seiner Ausbildung zum Heilpraktiker vor gut 30 Jahren eine Praxis für Osteopathie. Seit der Kommunalwahl 2024 führt Schabbel die BSW/Freier-Horizont-Fraktion im Kreistag des Landkreises Ludwigslust-Parchim.
Im November 2025 wurde er zum Landesvorsitzenden des BSW gewählt. Als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl lehnt er die sogenannte Brandmauer zur AfD, aber auch eine Koalition mit der AfD ab. Ebenso will das BSW Schwesig nicht erneut zur Ministerpräsidentin wählen. Schabbel strebt eine überparteiliche Expertenregierung vor. Den jüngsten Umfrageergebnissen zufolge muss das BSW bei Werten von bis zu vier Prozent um den Einzug in den Landtag bangen.

Jakob Schirmer
Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpaJakob Schirmer (FDP) - Weiter im Sinkflug?
Schirmer lehrt öffentliches Recht an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung in Nordrhein-Westfalen und ist Reserveoffizier der Bundeswehr. Der 44-Jährige wurde in Stralsund geboren, studierte in Greifswald, St. Petersburg und Kopenhagen und promovierte in Göttingen. Danach arbeitete er als Rechtsanwalt und für verschiedene Wirtschaftsverbände. Im Januar wurde Schirmer zum Spitzenkandidaten gewählt, nachdem sich im FDP-Landesverband ein lang anhaltender Streit wieder beruhigt hatte.
Schirmer wirbt im Wahlkampf mit klassischen liberalen Themen wie Freiheit, Leistungsbereitschaft und Bürokratieabbau. Vor fünf Jahren erreichte die FDP 5,8 Prozent der Stimmen. Sollte es die FDP erneut in den Landtag schaffen, wäre allerdings keiner der derzeitigen Abgeordneten mehr dabei. In den Umfragen lag die FDP zuletzt unter drei Prozent und verschwand damit in der Rubrik „übrige Parteien“.
(mit Material von dpa)
