Es ist nicht allzu lange her, da waren Joe Biden und seine Kandidatin für den Vizepräsidentenposten Kamala Harris noch Konkurrenten. Und sie war es, die Biden in einer TV-Debatte im Rennen um die Kandidatur der Demokraten fürs Weiße Haus den wohl unangenehmsten Moment bescherte.
Harris kritisierte Biden dafür, dass er in den 1970er-Jahren dagegen gewesen sei, dass Kinder mit Bussen zu Schulen in anderen Bezirken gefahren wurden, um die Trennung von Schwarzen und Weißen aufzuheben. Und sie sprach von einem kleinen Mädchen, das jeden Tag in einem solchen Bus saß: „Das kleine Mädchen war ich.“
Der Wahlsieg Joe Biden und von Harris ist historisch - noch nie war eine Frau US-Vizepräsidentin. Es ist das erste Mal, dass eine Schwarze für eine der beiden großen Parteien als Vize-Kandidatin ins Rennen gezogen ist.

Kamala Harris: Ihre Mutter war Krebsforscherin und Bürgerrechtlerin

Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien, geboren. Ihre Mutter hatte Wurzeln in Indien, ihr Vater in Jamaika. Sie wuchs in einer afroamerikanischen Community in Oakland auf und sang unter anderem in einem Kirchenchor.
Ihre Mutter war nicht nur Krebsforscherin, sondern auch Bürgerrechtlerin - Harris sagt immer wieder von ihr, dass sie den größten Einfluss auf ihr Leben gehabt habe. Die Haltung Ihrer Mutter sei der Auslöser dafür gewesen, dass sie Anwältin geworden sei, sagte Harris.
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Washington

Harris studierte in der Hauptstadt Washington Politikwissenschaft und Wirtschaft, in Kalifornien Rechtswissenschaft. 2003 wurde sie zur Bezirksstaatsanwältin von San Francisco gewählt. Dort traf sie umstrittene Entscheidungen: Im Wahlkampf versprach sie, als Staatsanwältin niemals die Todesstrafe anzustreben. Sie hielt sich daran, zog nach der Tötung eines Polizisten aber Protest auf sich.

Kamala Harris arbeitete als US-Generalstaatsanwältin

Als sie sich als Attorney General - was in den USA die Positionen der Justizministerin und der Generalstaatsanwältin verbindet - in Kalifornien bewarb, versprach sie, trotz ihrer persönlichen Opposition die Todesstrafe im neuen Amt vollstrecken zu lassen - und wieder hielt sie sich daran.
International wurde Harris' Name einer breiteren Öffentlichkeit wohl zum ersten Mal bekannt, als sich Barack Obama entschuldigte. Er hatte Harris 2013 als brillante und zähe Juristin gelobt - und als die mit Abstand bestaussehende Generalstaatsanwältin bezeichnet. Obama handelte sich den Vorwurf des Sexismus ein.
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Berlin

2016 wurde Harris in den US-Senat gewählt. Ihr Auftrag sei wie früher: Für die Rechte aller Menschen in Kalifornien zu kämpfen, sagte sie. Anfang 2019 gab sie bekannt, dass sie sich für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewerbe. Zu Beginn galt sie als aussichtsreiche Bewerberin.

Kamala Harris: Warum sie bei den Demokraten umstritten war

Ihre Gegner versuchten, die Law-and-Order-Vergangenheit gegen sie zu verwenden. Einige ihrer Entscheidungen wurden von Kritikern nicht im Einklang mit ihrem Versprechen nach Reformen eines „kaputten“ Strafjustizsystems gesehen. Im Dezember 2019 beendete sie ihre Kampagne.
Harris wurde zugetraut, besonders gut afroamerikanische Wähler mobilisieren zu können. Sie ist moderat, gesetzt, ihre Auftritte durchchoreographiert. Im Senat hat sie bewiesen, hartnäckig Fragen stellen zu können und eine Problemlöserin zu sein. Kritisiert wird häufiger, dass sie sich ideologisch nicht verorten lasse.
Harris spielte schon früher mit dem Gedanken, im Duo mit Biden gegen Trump anzutreten. Biden wäre ein großartiger „Running Mate“, sagte sie im Mai 2019 - damals hatte sie ihn allerdings noch als ihren Vize-Kandidaten im Sinn. Biden bezeichnete Harris, die eng mit dessen verstorbenem Sohn Beau befreundet war, bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung als eine „furchtlose Kämpferin“.