Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat nach Hochrechnungen die historische Wahl in den USA gewonnen. Mit einem Sieg im Schlüsselstaat Pennsylvania kam der 77-Jährige am Samstag, 7. November, laut Medien über die Marke von 270 Wahlleuten, die für einen Erfolg erforderlich sind. Noch ist der Einzug ins Weiße Haus aber nicht perfekt. Hier lesen Sie, wie es bis Januar 2021 weitergeht.

US-Wahl: Seit wann steht der Sieg von Joe Biden fest?

Der Nachrichtensender CNN meldete am Samstag, 7. November, kurz vor 17.30 Uhr MEZ, den Sieg Joe Bidens auf Sendung. Der Sender schlug Biden auch den Bundesstaat Pennsylvania zu, der über 20 Wahlleute verfügt. Damit übersprang Biden die Marke von 270 Stimmen. 270 Stimmen oder Wahlleute sind für den Wahlsieger notwendig.
Kurz darauf folgten nach CNN dann auch andere Sender, darunter auch Trumps bevorzugter Sender Fox News. Auch der umkämpfte Staat Nevada wurde dann als Erfolg für Biden gewertet. In den USA ist es üblich, dass die Präsidentenwahl auf der Basis von Prognosen großer Medienhäuser entschieden wird - normalerweise noch in der Wahlnacht.

US-Wahl: Wie wird der US-Präsident endgültig bestimmt?

Der US-Präsident wird nur indirekt vom Volk gewählt. Die Stimmen der Wähler entscheiden über die Zusammensetzung des Wahlkollegiums, das den Präsidenten dann im Dezember wählt. Für einen Sieg braucht ein Kandidat die Mehrheit der 538 Wahlleute, also mindestens 270 Stimmen.
Neuer US-Präsident Zehn Wünsche an Joe Biden

Berlin

Die Bundesstaaten müssen die Endergebnisse der Wahl bis zum 8. Dezember 2020 beglaubigen und nach Washington melden. Am 14. Dezember stimmen dann die Wahlleute ab. Der neue US-Kongress wird erstmals am 3. Januar zusammentreten. Am 6. Januar wird im Kongress - dem US-Parlament - das Ergebnis verlesen werden.

US-Wahl: Wann gibt es ein amtliches Ergebnis?

Erst nach der Verlesung des Ergebnisses der Abstimmung der Wahlleute, also am 6. Januar 2021, wird amtlich, wer die Wahl gewonnen hat. Normalerweise nimmt der scheidende Präsident an der Vereidigung seines Nachfolgers teil, die immer am 20. Januar vor dem Kapitol in Washington stattfindet.

US-Wahl: Wie nimmt Joe Biden seinen Wahlsieg auf?

Joe Biden appellierte aus seinem Heimatort Wilmington an seine Landsleute: „Nach Abschluss des Wahlkampfes ist es an der Zeit, die Wut und die harte Rhetorik hinter uns zu lassen und als Nation zusammenzukommen.“ Im Laufe des Abends wollte er sich als „President Elect“ mit einer Rede an die Nation wenden. Biden bekommt nun schon erhöhten Schutz durch den Secret Service.

US-Wahl: Was sagt Donald Trump zur Niederlage?

Der amtierende US-Präsident Donald Trump will seine Niederlage nicht akzeptieren. Trump hat bereits eine Heerschar von Anwälten auf den Weg gebracht, um seinen Abschied aus dem Weißen Haus zu verhindern. Der 74-Jährige will bis vors Oberste Gericht ziehen, den Supreme Court.
Seit der Wahlnacht vom 3. auf den 4. November 2020 spricht Trump immer wieder von Betrug, ohne dafür irgendwelche Beweise vorzulegen. Anders als in den USA üblich verzichtete Trump auch darauf, den Gewinner anzurufen und seine Niederlage einzugestehen.
Trump verbreitete auf Twitter: „Wir alle wissen, warum Joe Biden sich voreilig fälschlicherweise als Sieger ausgibt und warum seine Medienverbündeten so sehr versuchen, ihm zu helfen: Sie wollen nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommt.“ Biden sei „nicht als Sieger irgendeines Staates bestätigt“.
Trump hatte sich noch in der Wahlnacht im Weißen Haus zum Sieger erklärt. Den Demokraten warf er sofort vor, die Wahl „stehlen“ zu wollen.

US-Wahl: Was darf Donald Trump nach seiner Niederlage noch?

Donald Trump gilt als Wahl-Verlierer im Weißen Haus jetzt als lahme Ente (Englisch: "lame duck"). Er wird bis zum 20. Januar weiterregieren, wird weiter im Weißen Haus leben und mit seinem Regierungsflugzeug Air Force One fliegen dürfen, politisch wäre er aber ein Relikt der Vergangenheit mit begrenztem Einfluss.
Analyse zur US-Wahl 2020 Donald Trumps Attacke auf das Amt

Washington

Die Regierung kann allerdings weiter Ausführungsbestimmungen für bestehende Gesetze ändern, dazu gehört etwas die Begrenzung der Vergabe bestimmter Visa oder die Lockerung von Vorschriften für den Umweltschutz. Zudem kann Trump weiterhin Führungspositionen der Regierung besetzen - manche der Ernannten würden dann noch lange unter seinem Nachfolger amtieren. Trump könnte weiter Begnadigungen aussprechen. Von diesen Rechten haben auch frühere Präsidenten wie Barack Obama bis zu ihrem letzten Tag im Amt Gebrauch gemacht.
Bis zum Ende seiner Amtszeit bleibt Trump Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Auch auf der internationalen Bühne vertritt Trump die Vereinigten Staaten weiterhin. Seinen letzten großen Auftritt auf der Weltbühne könnte er Ende November 2020 beim G20-Gipfel haben, den Saudi-Arabien ausrichtet - der wegen der Corona-Krise allerdings nur online stattfindet.

US-Wahl: Wann wird Joe Biden als neuer Präsident vereidigt?

Die Vereidigung des 46. US-Präsidenten ist für den 20. Januar 2021 geplant. Biden wird in den USA jetzt schon „President Elect“ (gewählter Präsident) genannt. Für den Ex-Senator bedeutet der Wahlsieg die Krönung einer mehr als vier Jahrzehnte umfassenden Karriere. Von 2008 bis 2016 war er Obamas Vize. Mit dann 78 Jahren wäre er der älteste Präsident, der in der Geschichte der Vereinigten Staaten das Amt übernimmt.

US-Wahl: Wie werden die Amtsgeschäfte an den neuen US-Präsidenten übergeben?

Ziel ist es, dass der neue Präsident am Tag seiner Vereidigung, also ab 20. Januar 2021 im Fall von Joe Biden, in der Lage sein muss zu regieren. Dafür gibt es die sogenannte Transition: Die neue Regierungsmannschaft soll nicht unvorbereitet ins kalte Wasser springen müssen.

Cottbus/Senftenberg

Bereits Monate vor der Wahl leitet die US-Regierung normalerweise Schritte ein, um den Übergang zum nächsten Präsidenten vorzubereiten. Nach der Wahl kommt es dann gewöhnlich auch zu vielen Treffen der Mitarbeiter beider Seiten, um alles konkret zu planen.
Der neue Präsident bekommt unter anderem eine 1000-seitige Handreichung, das Handbuch der Regierung. Hinzu kommt noch das gut 200 Seiten dicke Pflaumenbuch (plum book), in dem alle rund 9000 Top-Positionen aufgelistet sind, die der Präsident in der Regierung und nachgeordneten Behörden neu besetzen kann. Dazu gehören zum Beispiel die Stellen im Weißen Haus sowie die Jobs leitender Beamte in Ministerien.
Ob die Transition auch im chaotisch regierten Weißen Haus von Trump so ordentlich laufen wird, ist ungewiss - zumal der Amtsinhaber seine Wahlniederlage wohl bis zuletzt abstreiten dürfte.

US-Wahl: Wer wird neue Vize-Präsidentin in den USA?

Als Vizepräsidentin wäre die Senatorin Kamala Harris (56) die erste Frau und die erste Schwarze in diesem Amt. Auf den Straßen New Yorks und anderer Großstädte löste die Nachricht großen Jubel aus.
Künftige US-Vizepräsidentin Wer ist Kamala Harris?

Washington

US-Wahl: Wieso dauerte es so lange bis zur Verkündigung eines Wahlsiegers?

Wegen der Corona-Pandemie hatten Millionen Amerikaner dieses Jahr aber per Brief abgestimmt, weshalb sich die Auszählung der Stimmen hinzog.

Wie reagiert die Bundesregierung auf den Wahlsieg Joe Bidens?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte mit den Worten: „Ich wünsche ihm von Herzen Glück und Erfolg. (...) Ich freue mich auf die künftige Zusammenarbeit mit Präsident Biden. Unsere transatlantische Freundschaft ist unersetzlich, wenn wir die großen Herausforderungen dieser Zeit bewältigen wollen.“

Wen hätte US-Präsident Joe Biden politisch hinter sich?

Bei der Abstimmung am 3. November 2002 standen auch die 435 Sitze des Repräsentantenhauses und rund ein Drittel der Sitze im Senat zur Wahl. Beim Regieren könnte Biden auf die Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus setzen. Seine Partei konnte sich zunächst aber nicht die Kontrolle in der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, sichern. Über die Mehrheit im US-Senat für die kommenden zwei Jahre entscheiden voraussichtlich erst zwei Stichwahlen im Bundesstaat Georgia Anfang Januar 2021.

US-Wahl: Was hätte Joe Biden als US-Präsident vor?

Joe Biden hatte vor der Wahl versprochen, das tief gespaltene Land als Präsident aller Amerikaner zu einen und aus der „Zeit der Dunkelheit“ zu führen. Er will die Corona-Pandemie mit einer nationalen Strategie eindämmen, die Beziehungen zu Verbündeten in aller Welt kitten und die USA in internationale Abkommen zurückführen. Zum Beispiel hat er eine Rückkehr der USA ins Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt. Die Mitgliedschaft der USA dort endete am 4. November 2020, nachdem Trump sie 2019 aufgekündigt hatte.