Seit den Tagen der Schröder´schen Agendapolitik kämpft die SPD nicht nur gegen den politischen Gegner, sondern ebenso sehr mit sich selbst. Schröder ist zwar Vergangenheit, der Hartz-IV-Stachel aber wirkt nach. Die Partei schafft es nicht, ungebrochen zur eigenen Leistung zu stehen. Es kommen ja einige Regierungsjahre zusammen.

Wer aber mit sich selbst im Unreinen ist, entwickelt wenig Anziehungskraft. So erlebte die SPD einen kontinuierlichen Niedergang – von 38,5 Prozent bei Schröders Wahlsieg 2002 auf 20,5 Prozent 2017. Ein Schock war dann die Europawahl 2019 mit nur noch 15,8 Prozent. Der tiefste Wert für die Partei bei einem bundesweiten Wahlgang.

Heilmittel soll nun für viele Sozialdemokraten der Ausbruch aus der Großen Koalition sein. Der sozialdemokratische Bauch sagt: Raus! Schon nach der letzten Bundestagswahl hat die Partei sich nur widerwillig in die Verantwortung nehmen lassen, nachdem die FDP „Jamaika“ überraschend abgesagt hatte. Doch wo landet die SPD, wenn sie jetzt dem Drängen nachgibt und die Koalition verlässt?

In einer Stärkeposition ist die SPD nicht. Ihr fehlen charismatische Köpfe und eine große Idee. Und auch die neue – noch zu bestimmende – Führung wird sich mit den Problemen der alten herumschlagen müssen. Mehrheiten jenseits der Union sind schwierig, und wenn, dann könnte sich die Partei in einer Sandwichposition zwischen Grünen und Linken wiederfinden. In dieser Lage droht sogar die Auflösung.

Das Fatale: Ein Verbleiben in der GroKo ist allein kein Überlebensmittel, aber allemal besser als ein Sprung in den Abgrund aus Angst vor dem Tod. politik@lr-online.de