Sind Arbeitsplätze Corona-Hotspots? Für Ärztefunktionär Montgomery eindeutig ja. Arbeitgeber seien mit dafür verantwortlich, dass die Infektionszahlen in die Höhe geschnellt sind. Nach dem Willen von Bund und Ländern müssen Arbeitgeber dies überall dort möglich machen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Dadurch sollen Kontakte am Arbeitsort, aber auch auf dem Weg zur Arbeit reduziert werden.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat am Mittwoch dem Bundeskabinett eine Verordnung vorgelegt, mit der die von Bund und Ländern besprochenen Homeoffice-Vorgaben für Unternehmen umgesetzt werden sollen.

Für wen gelten die neuen Homeoffice-Vorgaben?

Arbeitgeber sollen nach den Plänen des Bundesarbeitsministerium Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anbieten, auch zu Hause arbeiten zu können, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe dagegensprechen. Das Ministerium spricht in den Erläuterungen zu der Verordnung von einer „Pflicht“, Homeoffice anzubieten, „soweit dies nach den betrieblichen Gegebenheiten möglich ist“. Arbeitgeber seien rechtlich verbindlich gehalten zu schauen, wo Homeoffice möglich sei und müssten ihren Beschäftigten dies dann anbieten, sagte Heil.

Müssen Arbeitsnehmer ins Homepffice gehen?

Für die Beschäftigten besteht laut Ministerium keine Verpflichtung zur Annahme und Umsetzung eines Homeoffice-Angebots.

Wie werden die Vorgaben kontrolliert?

Arbeitnehmer sollten nach Angaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zunächst mit ihrem Arbeitgeber sprechen oder sich im Zweifelsfall an den Betriebsrat und im „äußeren Konfliktfall“ an die Arbeitsschutzbehörden der Länder wenden. Nur im Zweifelsfall würden die Behörden kontrollieren und im „allergrößten Notfall“ seien auch Bußgelder möglich. Das stehe aber nicht im Vordergrund, sagte der Minister.

Wie lange wird die Homeoffice-Vorgabe gelten?

Die Homeoffice-Verordnung, mit der auch Schutzvorgaben am Arbeitsplatz im Betrieb verschärft werden, wird nur einige Wochen in Kraft sein. Heil rechnet nach der Unterzeichnung damit, dass sie Mitte der kommenden Woche wirksam wird. Sie ist befristet bis zum 15. März.

Kann ich mein Arbeitszimmer zuhause von der Steuer absetzen?

Ja, das gilt aber nur, wenn in diesem Arbeitszimmer nahezu ausschließlich gearbeitet wird. Den Schreibtisch im Flur, die Arbeitsecke im Wohnzimmer oder den Laptop auf dem Küchentisch akzeptiert das Finanzamt nicht als häusliches Arbeitszimmer. Genau so mussten aber viele zuletzt arbeiten - nur wenige Arbeitnehmer haben zuhause so viel Platz, dass sie ein eigenes Arbeitszimmer einrichten können, das nicht auch privat genutzt wird.

Was ist für Homeoffice steuerlich konkret geplant?

Für jeden Tag Homeoffice gibt es eine Steuerpauschale von 5 Euro - allerdings nur für maximal 120 Tage, also insgesamt höchstens 600 Euro. Wer mehr als 120 Tage zuhause gearbeitet hat, hat Pech gehabt. Dieser Betrag wird bei der Steuerberechnung vom Einkommen abgezogen. Das zu versteuernde Einkommen wird dadurch kleiner und die fälligen Steuern sinken.
Wer einen Laptop anschafft, den er auch beruflich nutzt, soll diesen künftig besser steuerlich geltend machen können. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat das Finanzministerium vor den Bund-Länder-Gesprächen einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt.
Demnach könnten die Kosten für Computer und Software künftig vollständig im Jahr der Anschaffung berücksichtigt werden. Bisher können Arbeitsmittel für mehr als rund 950 Euro nur über mehrere Jahre verteilt abgesetzt werden - Laptops etwa über drei Jahre. Durch die Neuregelung könnte es vielen Steuerzahlern leichter fallen, die Werbungskostenpauschale von 1000 Euro zu übertreffen.

Muss ich meine Zeit im Homeoffice nachweisen?

Das ist noch nicht ganz klar. Experten raten aber dazu, sich eine Bestätigung vom Arbeitgeber zu besorgen. Das gilt besonders, wenn jemand mal im Büro und mal von zuhause aus gearbeitet hat. In der Regel aber müssen Arbeitnehmer für simple Steuererklärungen keine Nachweise mehr beim Finanzamt einreichen.

Lohnt sich die Pauschale für alle?

Das kommt auf den Einzelfall an. Denn die Homeoffice-Pauschale zählt ähnlich wie die Pendlerpauschale zu den Werbungskosten. Das sind Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem Beruf entstehen, etwa auch Arbeitskleidung oder Weiterbildungen. 1000 Euro werden dafür pauschal bei allen angerechnet - egal, ob sie diese Ausgaben nachweisen können oder nicht. Nur wer mit seinen Werbungskosten inklusive Homeoffice-Pauschale über 1000 Euro kommt, wird also extra entlastet. Bei allen anderen verpufft sie. Doch ohne die Einschränkung wäre die Pauschale wohl zu teuer geworden, heißt es in Koalitionskreisen.

Wer profitiert denn eher und wer nicht?

Das hängt zum Beispiel davon ab, wie weit man früher zur Arbeit fahren musste. Denn je mehr Tage jemand von daheim gearbeitet hat, desto weniger Pendlerpauschale kann er anrechnen. Die beträgt 0,30 Euro pro Kilometer Arbeitsweg (eine Strecke) - ab rund 17 Kilometern Arbeitsweg lohnt sich die Pendlerpauschale also rechnerisch mehr als die Homeoffice-Pauschale. Zwar fallen beim Pendeln noch Kosten für Sprit oder Fahrkarten an, dafür können beim Homeoffice etwa Strom-, Heiz- und Internetkosten steigen.

Soll die Pauschale dauerhaft gelten?

Nein, sie wird auf zwei Jahre befristet, gilt also für die Steuererklärungen der Jahre 2020 und 2021. Danach hofft man, dass die Pandemie überwunden ist und wieder alle an ihrem normalen Arbeitsplatz arbeiten können. Die Befristung könnte auch mit dem Geld zu tun haben: Die Bundesregierung rechnet mit Mehrkosten knapp unter einer Milliarde Euro.

Was kann man im Homeoffice noch steuerlich geltend machen?

Auch Anschaffungen wie einen Schreibtisch, Drucker, Bürostuhl oder Laptop kann man absetzen, wenn der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt. Wer seinen eigenen Telefon- und Internetanschluss dienstlich nutzt, kann das ebenfalls angeben - allerdings in der Regel nur mit etwa 20 Prozent der Monatsrechnung. Auch das zählt alles zu den Werbungskosten.

Muss ich das ÖPNV-Abo auch im Homeoffice weiter bezahlen?

Ja, Jahreskarten für den ÖPNV enden erst durch eine fristgerechte Kündigung und können nicht zum Beispiel für die Zeit des Homeoffice außerplanmäßig beendet werden oder pausieren. Es gibt aber bereits erste Überlegungen zum Beispiel vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), angesichts der Zunahme von Homeoffice neue Tarifangebote für Bus und U-Bahn zu schaffen. Wenn Menschen nur noch drei Tage in der Woche ins Büro gingen, brauche man darauf zugeschnittene Tarifmodelle, sagte die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Elke Kreienkamp, der „Berliner Morgenpost“. Vorstellbar seien sogenannte „Best-Buy“-Möglichkeiten, bei denen der günstigste Preis je nach Nutzung abgerechnet wird. Auch aufladbare Karten seien denkbar. „Das ist noch in den Kinderschuhen, aber da müssen wir hin“, sagte Kreienkamp.

Was ist überhaupt mobiles Arbeiten und wer arbeitet mobil?

Die häufigste Form des mobilen Arbeitens findet laut Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nicht im Homeoffice statt, sondern „vor Ort“, etwa bei Kunden oder Patienten. Drei Viertel der mobilen Beschäftigten sind „multimobil“, das heißt sie arbeiten in mehr als einer ortsflexiblen Form. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland arbeitet laut DGB an wechselnden Orten. Durch das coronabedingte Homeoffice ist mobiles Arbeiten verbreiteter und bekannter geworden. Laut DGB arbeiten Männer fast doppelt so häufig mobil wie Frauen. Eine ungleiche Verteilung zeigt sich auch entlang der Qualifikationen und des Einkommens. Generell gilt: Je höher der berufliche Status, desto häufiger wird mobil gearbeitet.

Steigert Homeoffice die Produktivität und Zufriedenheit im Job?

Wie aus einer Homeoffice-Studie des Digitalverbands Bitkom hervorgeht, schätzt rund jeder Vierte seine Produktivität im Homeoffice deutlich höher ein, jeder Dritte etwas höher. Ein weiteres Drittel meint, dass die Produktivität im Vergleich zur Büroarbeit konstant ist. Die Arbeitszufriedenheit im Homeoffice ist für jeden Fünften deutlich höher und für jeden Vierten etwas höher. Rund 20 Prozent sind weniger zufrieden, ein Drittel sieht keine Unterschiede zur Büroarbeit.

Was sehen Beschäftigte als Vorteile von Homeoffice und mobiler Arbeit?

Mobile Beschäftigte berichten laut DGB über größere Gestaltungsspielräume bei ihrer Arbeit. Sie können ihre Tätigkeit selbstständiger planen und freier einteilen. Laut dem Digitalverband Bitkom empfinden acht von zehn Beschäftigten weniger Stress, da der Arbeitsweg entfällt. Sechs von zehn bemerken eine generell bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Weitere genannte Vorteile sind die Möglichkeit eines gesundheitsbewussteren Lebensstils und weniger Störungen durch Kollegen.

Berlin

Was sehen Beschäftigte als Nachteile von Homeoffice und mobiler Arbeit?

Mobile Beschäftigte berichten laut DGB, dass im mobilen Arbeiten von ihnen deutlich häufiger erwartet wird, auch außerhalb der normalen Arbeitszeit erreichbar zu sein. Laut Bitkom beklagt mehr als die Hälfte beklagt den reduzierten Kontakt mit Kollegen. Für jeden Fünften ist es auch ein Problem, weniger Kontakt mit Vorgesetzten zu haben. Wer nicht im Homeoffice arbeitet, obwohl er dies dürfte, nennt dafür als Hauptgrund eine mangelhafte technische Infrastruktur.

Wann wird mobiles Arbeiten zur Gefahr?

Mobiles Arbeiten ist laut DGB überdurchschnittlich häufig mit sehr langen Arbeitszeiten und unbezahlter Arbeit verbunden. Mehr als zehn Prozent aller Beschäftigten kommen der DGB-Befragung zufolge häufig nicht auf die im Arbeitszeitgesetz vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn - in den mobilen Arbeitsformen ist die Einschränkung dieser Erholungsphase noch weiter verbreitet. Ein Drittel der Beschäftigten wird auch in der Freizeit gedanklich von der Arbeit eingeholt. Ein Viertel aller Beschäftigten berichtet von häufigen Schwierigkeiten, Arbeit und Privatleben zeitlich miteinander in Einklang zu bringen.
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