Höhere Steuereinnahmen: Zuckersteuer auf Cola Zero? So teuer werden Süßgetränke

Limonade, Cola und Fruchtsäfte sollen bald einer Zuckersteuer unterliegen – auch wenn sie gar keinen Zucker enthalten.
dpa- Finanzministerium plant Zuckersteuer auf Süßgetränke, auch auf Säfte und Zero-Produkte.
- Ziel ist weniger Zuckerkonsum und Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung.
- Steuersätze: ab 4,5 g/100 ml 26 Cent/Liter – mehr als 10 g 38 Cent/Liter; Zero 26 Cent/Liter.
- Beispielpreise steigen: 1,25 L Fuze Tea auf 2,39 Euro, 1 L Coca-Cola Vanilla auf 1,74 Euro.
- Kritik kommt vom Ernährungsminister und der Branche, Experten warnen auch vor Süßstoffen.
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Werden die meisten Getränke bald deutlich teurer? Das Bundesfinanzministerium will eine Zuckersteuer auf Süßgetränke erheben. Zum einen sollen die steigenden Preise die Menschen dazu motivieren, weniger Zucker zu konsumieren, heißt es in dem Eckpunktepapier, das dieser Zeitung vorliegt. Zum anderen wolle man damit die gesetzliche Krankenversicherung stabilisieren. Ernährungsminister Alois Rainer (CSU) legt jedoch sein Veto ein: Die Besteuerung gehe zu weit.
Welche Produkte sollen teurer werden?
Neben Limonaden, Säften, Milchgetränken, Eistees, Biermischgetränken und Fertigkaffees sollen auch Zero-Produkte der Zuckersteuer unterliegen. Die enthalten zwar keinen Zucker, dafür aber Süßstoffe.
Wie viel mehr die Getränke kosten sollen, hängt vom Zuckergehalt ab: Ab 4,5 Gramm Zucker auf 100 Milliliter soll die Steuer 26 Cent pro Liter betragen, für Getränke mit mehr als 7 Gramm Zucker gelten 32 Cent pro Liter, bei mehr als 10 Gramm dann 38 Cent pro Liter. Bei Zero-Produkten werden 26 Cent pro Liter aufgeschlagen. Demnach kosten 1,25 Liter Pfirsich-Eistee von Fuze Tea bald 2,39 Euro statt 2 Euro. Ein Liter Coca-Cola Vanilla würde 1,74 Euro statt 1,29 Euro kosten.
Dass auch Fruchtnektare, pflanzliche Milchalternativen sowie alkoholfreie Biere und Weine unter die Steuer fallen, gehe weit über die Empfehlung der Finanzkommission Gesundheit hinaus, kritisiert Rainer in seinem Schreiben an Klingbeil. An Einnahmen kämen mit der Zuckersteuer zwei Milliarden Euro jährlich zusammen. Dabei hat Klingbeil eigentlich mit 650 Millionen Euro im Jahr 2027 gerechnet, danach mit jeweils 450 Millionen Euro.
Mehr hochverarbeitetes Fleisch als Obst
Die Bevölkerung habe mehr davon, wenn wichtigere Nahrungsfaktoren bei ernährungspolitischen Maßnahmen mitbedacht würden, findet Dr. Thomas Ellrott, Arzt und Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Universität Göttingen. Auf vielen Tellern landet mehr verarbeitetes Fleisch als etwa Obst oder Vollkorngetreide – das erhöhe das Risiko für Diabetes-Typ-2- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher als Süßgetränke. Dass das BMF bei der Planung einer Zuckersteuer auch Zero-Produkte berücksichtigt, hält Ellrott aber für sinnvoll: „Süßstoffe können mit einem vermehrten Auftreten von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten verbunden sein.“
Die Branche ist alarmiert: In Zeiten von Fachkräftemangel und hohen Kosten für Energie und Logistik sei die Zuckersteuer eine gefährliche Mehrbelastung, warnt Dirk Reinsberg vom Bundesverband des Getränkefachgroßhandels. Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), fordert: „Diese steuerpolitische Geisterfahrt muss gestoppt werden! Hier muss der Kanzler ein Machtwort sprechen.“

