Von Michael Gabel

Ein Sprachsystem, wie es Amazon bei der „Alexa“ verwendet, macht das Leben leichter. Gerade Familien nutzen sie gern. Doch was passiert, wenn tatsächlich Kinder mit dem Sprachassistenten kommunizieren? Und was ist mit Gästen, deren Gespräche von der Box mitgehört werden? Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat sich mit diesen Fragen beschäftigt. Hier die wichtigsten Antworten:

Was wird an „Alexa“ kritisiert?

Die Risiken betreffen laut einem Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zum einen Minderjährige. Kinder und Jugendliche können persönliche Informationen preisgeben, auch wenn sie selbst oder ihre Eltern das nicht möchten.

Außerdem werden Kinder durch die technischen Möglichkeiten in die Lage versetzt, zum Beispiel nicht jugendfreie Inhalte aufzurufen – was viele Eltern vermeiden wollen. Bei Gästen besteht das Problem, dass diese oft gar nicht wissen können, ob ein Zimmer mit einer „Alexa“-Box ausgestattet ist. Deshalb kann es passieren, dass ihre Gespräche gegen ihren Willen vom Sprachassistenten aufgezeichnet werden.

Ist es gefährlich, wenn „Alexa“ zu viel weiß?

Bis zu einem gewissen Punkt ist es sogar erwünscht, dass „Alexa“ gut informiert ist. Denn nur wenn das Spracherkennungssystem viel über den „Alexa“-Besitzer weiß, kann es auf seine besonderen Wünsche und Vorlieben reagieren. Beispielsweise kann es so Verkehrsnachrichten personalisieren, Musikwünsche besser zuordnen und Rezepte empfehlen.

Aber es gibt auch Schattenseiten der neuen Technologie. So häuft das „Alexa“-Unternehmen Amazon eine ungeheure Informationsmenge über seine Kunden an, und nach wie vor ist es schwer einzuschätzen, was genau mit dieser Datensammlung geschieht. So ist laut des Gutachtens unklar, „zu welchen weiteren Zwecken Amazon seine Daten zukünftig nutzen könne.

Auch könnten Hacker an das Material gelangen und die Informationen für kriminelle Zwecke nutzen.

Kann man das System für Kinder sperren?

Nein, das ist nicht möglich. Ein Amazon-Sprecher begründet das damit, dass für das Sperren einzelner Profile „eine zweifelsfreie biometrische Identifizierung über Stimmprofile“ nötig wäre. „Das findet aber nicht statt.“ Dasselbe gelte für die Deaktivierung von Sprachaufzeichnungen einzelner Nutzer.

Grundsätzlich legt man bei Amazon Wert darauf, dass „Alexa“ auch mit Kindern gut klarkommt. Das Sprachsystem soll immer höflich bleiben und die Witze für Kinderohren immer gut geeignet sein.

Das Problem ist jedoch, dass „Alexa“ in der Regel auch Kinderwünsche erfüllt, ohne zu zögern – und beispielsweise auch die Lösungen in der Mathe-Hausaufgabe prompt liefert. Die größte Gefahr besteht allerdings darin, dass Kinder, wenn man nicht aufpasst, aus Versehen irgendwelche Dinge bei Amazon bestellen.

Sind die Probleme bei anderen Sprachsystemen ähnlich?

Ja. „Siri“ von Apple, der „Google Assistant“ und „Cortana“ von Microsoft weisen ähnliche Mängel auf.

Wer hat das Problem aufgedeckt?

Uwe Kamann (60, ein IT-Unternehmer aus Aachen. Er zog 2017 zunächst für die AfD in den Bundestag ein, wo er Mitglied der Ausschüsse „Digitale Agenda“ und „Verkehr und digitale Infrastruktur“ ist.

Im Dezember 2018 trat er wegen „unterschiedlicher Auffassungen über politische und fachpolitische Ausrichtungen“ aus Partei und Fraktion aus und sitzt seither als Fraktionsloser im Parlament.

Kamann fordert, dass die Einwilligungserklärung für Alexa-Nutzer künftig detailliert erfolgen muss, „und nicht, indem man nur einmal ein Häkchen für alles setzt.“

Kommentar zu Bedenken bei Amazons Alexa Spielerei mit Schattenseite