• Die Delegierten der Weltklimakonferenz in Glasgow haben sich auf eine Schlusserklärung geeinigt.
  • Das Abschlussdokument fordert die UN-Staaten auf, bereits 2022 neue nationale Klimaziele für das Jahr 2030 zu verabschieden.
  • Entgegen der Forderung von Umweltschützern wird der weltweite Kohleausstieg nicht verbindlich festgehalten. Hier setzen sich Indien und China durch.
Nach zweiwöchigen Verhandlungen haben sich die Delegierten beim Weltklimagipfel in Glasgow auf eine Schlusserklärung zum Kampf gegen die Erderwärmung geeinigt. Das Dokument formuliert deutlicher als das Pariser Klimaabkommen von 2015 das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.
Dazu soll der Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 gedrosselt werden. Die Staaten sollen demnach bereits 2022 neue nationale Klimaziele für 2030 auf den Tisch legen. Das ist drei Jahre früher als geplant. Dies bleibt freiwillig, es gibt keine Pflicht.
Erstmals enthält der Hauptbeschluss einer Klimakonferenz eine Aufforderung zur Abkehr von der Kohle. Auch die Streichung von Subventionen für fossile Energien wird gefordert. Auf Druck der Schwellenländer Indien und China ist aus dem „Ausstieg“ aus der Kohleverstromung ein im Schlussdokument ein „Abbau“ der Kohlenutzung geworden.

Weltklimagipfel stellt Subventionen für Öl, Gas und Kohle infrage

Die Passage betrifft außerdem nur noch Kohle, bei der nicht mithilfe von CCS-Technologie Kohlendioxid (CO2) gebunden werden kann, und „ineffiziente“ Subventionen für Öl, Gas und Kohle. Der Begriff „ineffzient“ ist dabei nicht näher definiert.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) würdigte die Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Schottland als historisch. „Es ist jetzt weltweit klar, dass es einen Ausstieg aus der Kohle geben wird und dass es ein Ende von fossilen Subventionen geben wird“, sagte Schulze. Jetzt gehe es darum, regenerative Energien auszubauen, Moore wieder zu vernässen und Wälder wieder zu regenerieren.
Auch EU-Kommissar Frans Timmermans nennte die Forderung zum Abbau der Kohleverstromung ebenfalls historisch. Er äußerte seine Enttäuschung über die abgeschwächten Passagen in der Schlusserklärung.

Greenpeace fordert Sofortmaßnahmen für Kohleausstieg 2030

Umweltorganisationen geht diese Erklärung nicht weit genug. Der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser sagte: Zwar sei das Ende der weltweiten Kohleverbrennung eingeleitet worden. Doch auf Druck der Öl-, Gas- und Kohleindustrien ließen die Beschlüsse Klarheit und Geschwindigkeit vermissen. Von einer künftigen Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen forderte Kaiser, Sofortmaßnahmen für einen Kohleausstieg 2030 zu ergreifen.

Schwarze Pumpe

Zugesagt werden in der Glasgower Abschlusserklärung auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die Folgen des Klimawandels anpassen könen. Millionen Menschen sind mit häufigeren und längeren Dürren sowie Hitzewellen konfrontiert oder kämpfen mit Stürmen und Überschwemmungen. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell etwa 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro).
Erstmals wird die Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen internationalen Fonds für Hilfen bei Schäden und Verlusten infolge von Klimaschäden einzurichten. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Konkrete Summen dafür werden aber nicht genannt.
Mehr Informationen und Hintergründe zum Kohleausstieg in Deutschland und in der Lausitz finden Sie auf der Themenseite zum Kohleausstieg auf LR Online.