Ein Land in Flammen
: Schülerproteste in Frankreich arten immer mehr zu Gewaltorgien aus

Seit Tagen demonstrieren Schüler an Frankreichs Gymnasien gegen kaputte Gebäude und zu wenig Lehrer. An vielen Stellen kommt es zu Gewalt. Wie will die Regierung den Protest in den Griff bekommen? Bilder aus französischen Städten zeigen ein Land in einem apokalyptischen Zustand.
Von
Markus Brauer
Paris
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Bereits seit Ende vergangener Woche demonstrieren Schülerinnen und Schüler für mehr Geld. Sie beklagen marode Schulgebäude, überfüllte Schulklassen und zu wenig Lehrkräfte. Teils bezog sich der Ärger an Gymnasien auch auf die Plattform, über die Zulassungen für Universitäten erfolgen.

Bereits seit Ende vergangener Woche demonstrieren Schülerinnen und Schüler für mehr Geld. Sie beklagen marode Schulgebäude, überfüllte Schulklassen und zu wenig Lehrkräfte. Teils bezog sich der Ärger an Gymnasien auch auf die Plattform, über die Zulassungen für Universitäten erfolgen.

Jean-Francois Badias/AP/dpa
  • Schülerproteste in Frankreich eskalieren, viele Schulen betroffen und teils blockiert.
  • Forderungen: mehr Geld, gegen marode Gebäude, überfüllte Klassen und Lehrermangel.
  • Innenministerium meldet 1949 Festnahmen, viele Verletzte bei Polizei und Bildungspersonal.
  • In mehreren Städten brennen Mülltonnen und Fahrzeuge – teils Ausfall von Straßenbahnen.
  • Regierung beruft Krisensitzung ein: Haushaltsentwurf und Gebührenpläne heizen Konflikt an.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bei den außer Kontrolle geratenen Schülerprotesten in Frankreich sind bisher 1949 Menschen festgenommen worden. Den meisten werde Gewalt - etwa gegen Einsatzkräfte - vorgeworfen, heißt es aus dem Innenministerium in Paris. 305 Polizisten und Gendarmen sind demnach verletzt worden.

An diesem Freitag (2. Oktober) sollen wegen des Protests gut 400 Schulen geschlossen bleiben und nur Fernunterricht anbieten, berichtet Bildungsminister Édouard Geffray. Ihm zufolge wurden seit Beginn der Proteste 170 Schüler und 65 Menschen aus dem Bildungswesen verletzt.

Die Gewalt nimmt weiter zu. Ein Überblick:

  • Im westfranzösischen Nantes brannte die Eingangshalle einer Schule ab.
  • Im südfranzösischen Marseille wurden mehrere Busse und ein Feuerwehrauto in Brand gesetzt.
  • Aus dem Pariser Vorort Saint-Denis wurden erneut gewaltsame Auseinandersetzungen gemeldet, bei denen Schüler Feuerwerkskörper zündeten und die Polizei Tränengas einsetzte.
  • In Paris erlitt ein städtischer Polizist nach Angaben des Bürgermeisters bei einem Angriff von jungen Menschen Schnittwunden im Gesicht.
  • In Marseille wurden zudem der Vizedirektor und zwei weitere Beschäftigte eines Gymnasiums mit Benzin bespritzt. Nach Angaben der Schulleitung geschah dies, als Personen Benzin in Mülltonnen kippten, um diese in Brand zu setzen.
  • Vor Schulen in Lille, Brest und Straßburg wurden Mülleimer in Brand gesetzt.
  • In Straßburg und Marseille setzten die Behörden den Straßenbahnverkehr aus, um zu verhindern, dass Randalierer sich durch die Stadt bewegen. Zudem wurden Feuerwerkskörper und der Transport von Benzinkanistern verboten.
  • Insgesamt waren am Donnerstag (1. Oktober) nach offiziellen Angaben 340 Schulen betroffen, 200 davon im Großraum Paris. Knapp 170 Schulen waren blockiert.

Krisensitzung in Paris

„Wir protestieren gegen überfüllte Klassen und gegen die Regierung, die Millionen für das Wegsperren von Mobiltelefonen ausgibt, aber nicht für Heizungen, Klimaanlagen und Lehrergehälter“, sagt die 16 Jahre alte Maëlle aus Caen. Auch Studenten schlossen sich dem Protest an. Landesweit wurden nach Angaben einer Studierendengewerkschaft rund 30 Universitäten blockiert, darunter in Paris und Marseille.

Eine Studentin agiert am Place de la Republique in Paris.

Eine Studentin agiert am Place de la Republique in Paris.

Imago/Le Pictorium

Premierminister Sébastien Lecornu rief seine Minister nach Informationen aus seinem Umfeld dazu auf, in den kommenden Tagen auf Dienstreisen zu verzichten. Er berief für den Nachmittag eine Krisensitzung ein.

Brennende Mülltonnen in Paris nahe der Diderot vocational High School.

Brennende Mülltonnen in Paris nahe der Diderot vocational High School.

Imago/ABACAPRESS
Die Ansage eines Schülers auf dem Place de la Republique in Paris auf diesem Foto ist eindeutig.

Die Ansage eines Schülers auf dem Place de la Republique in Paris auf diesem Foto ist eindeutig.

Imago/Le Pictorium

Proteste sind bereits Wahlkampfthema

Schüler und Studenten protestieren in Marseille gegen geplante Kürzungen im Bildungsbudget.

Schüler und Studenten protestieren in Marseille gegen geplante Kürzungen im Bildungsbudget.

Imago/teamwork

Protest gegen Missstände an Schulen und Universitäten

Auslöser der in der vergangenen Woche begonnenen Proteste waren Forderungen, zahlreiche Missstände an den weiterführenden Schulen Frankreichs zu beenden. Dazu zählen baufällige Schulgebäude, Lehrermangel, fehlende Materialien und zu lange Schultage. Zudem brechen sich ein allgemeiner Unmut und eine Politikverdrossenheit Bahn.

Ein Polizist in Nouvelle Aquitaine.

Ein Polizist in Nouvelle Aquitaine.

Imago/ZUMA Press
In Marseille ist die Lage besonders angespannt.

In Marseille ist die Lage besonders angespannt.

Imago/teamwork
Die Proteste hinterlassen buchstäblich verbrannte Mülltonnen - wie hier in Paris.

Die Proteste hinterlassen buchstäblich verbrannte Mülltonnen - wie hier in Paris.

Imago/ABACAPRESS

Die Proteste sind auch bereits ein Wahlkampfthema: Mehrere Politiker der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI, Unbeugsames Frankreich) zeigten sich vor blockierten Schulen und machten sich die Forderungen von Schülern zu eigen.

Der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, verteidigte seine Anwesenheit am Ort der Ausschreitungen. Dies zähle zu seinen Pflichten als Bürgermeister. Er forderte von den Behörden, „zur Ruhe aufzurufen“. Dazu zähle es auch, der Polizei „klare Anweisungen“ zu geben, erklärte Bagayoko. LFI-Parteichef Jean-Luc Mélenchon hatte der Regierung mit Blick auf das Vorgehen der Sicherheitskräfte „Repression“ vorgeworfen.

Hunderte Schüler und Studenten stellen sich in Marseille der Polizei entgegen.

Hunderte Schüler und Studenten stellen sich in Marseille der Polizei entgegen.

Imago/Le Pictorium
Die "Staatsmacht" demonstriert in Marseille Stärke.

Die "Staatsmacht" demonstriert in Marseille Stärke.

Imago/teamwork
Protestierende haben in der Stadt Albi ein Feuer gelegt.

Protestierende haben in der Stadt Albi ein Feuer gelegt.

Imago/ABACAPRESS

Haushaltentwurf heizt Proteste weiter an

Allein am Mittwoch (30. September) waren 625 Menschen festgenommen worden, 83 Polizisten und Gendarmen wurden verletzt. Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Bildungsministeriums bislang auch 119 Schülerinnen, Schüler, Lehr- und Aufsichtskräfte verletzt.

Die Polizei nahm interne Ermittlungen in drei Fällen auf, in denen Schüler verletzt wurden. Ein junger Mann war in der Stadt Tour mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht worden, die auf ein Hartgummigeschoss hindeutete. Innenminister Laurent Nuñez warnte vor einem „unverhältnismäßigen Gebrauch von Einsatzmitteln“ wie Tränengas.

Die Unruhen könnten weiter angeheizt werden durch den Haushaltsentwurf, der am Donnerstag im Kabinett vorgestellt worden war. Er sieht unter anderem Gebühren für bestimmte Abschlüsse und Ausbildungswege vor. CGT-Gewerkschaftschefin Sophie Binet spricht von einer „Provokation“ und wirft der Regierung vor, die Proteste auf diese Weise weiter anzuheizen. (mit dpa-/AFP-Agenturmaterial)