Der wissenschaftliche Leiter der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Christian Karagiannidis, hat für eine sofortige Rückkehr in den Lockdown plädiert.
„Wir haben schon vor zwei, drei Wochen gesagt, dass wir die Füße eigentlich noch hätten stillhalten müssen bis Anfang April“, so Karagiannidis. Die Impfungen seien bis dahin weiter fortgeschritten, schwere Verläufe auf Intensivstationen könnten so verhindern werden.

Intensivmediziner: Zahl der Intensivpatienten steigt bald wieder

Angesichts aktueller Daten und der Verbreitung der britischen Mutante des Coronavirus sei absehbar, dass die Zahl der Intensivpatienten schon bald wieder steigen werde. Sollte dem Virus die Chance zur weiteren Verbreitung geboten werden, würde es „auf dem hohen Niveau doppelt so schwierig sein, von den Zahlen wieder runterzukommen“, warnte Karagiannidis im RBB.
Um eine starke dritte Welle zu verhindern, sei es nötig, „jetzt sofort wieder in einen Lockdown zu gehen“. Die bundesweite Teststrategie könne zwar helfen, einen großen Teil der positiven Fälle zu identifizieren und Ansteckungen zu verhindern, sagte Karagiannidis.

Intensivmediziner: Über 50- und 60-Jährige schnell impfen

Noch wichtiger sei aber ein schneller Fortschritt bei den Impfungen, insbesondere bei den über 50- und 60-Jährigen.
Sobald die Altersgruppe über 60 geimpft sei, würde dies zu einer deutlichen Entlastung der Intensivstationen führen. Aktuell habe sich die Situation aber kaum gebessert, frei werdende Betten würden umgehend mit anderen Patienten belegt. „Die Belastung für das Personal ist weiterhin extrem hoch“, sagte Karagiannidis.

7-Tage-Inzidenz steigt in Deutschland auf 82,9

Zu Wochenbeginn stieg die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zum fünften Mal in Folge deutlich - und lag bundesweit bei 82,9 (Vortag: 79,1). Einen solchen Wert hatte es zuletzt am 3. Februar gegeben. Danach war die Inzidenz noch einige Zeit gesunken, ein Tiefstand wurde mit 56,8 am 19. Februar erreicht. Auch die Zahl der Neuinfektionen lag am Montag mit 6604 registrierten Fällen deutlich höher als vor einer Woche, als 1600 Fälle weniger gemeldet wurden.
Auch die Entwicklung der sogenannten Reproduktionszahl bereitet Sorgen. Der R-Wert lag laut Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntagabend bei 1,19. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 119 weitere Menschen anstecken. „Entscheidend ist, dass die Ansteckungsrate nicht über den sogenannten R-Wert von etwa 1,2 steigt“, hatte Karagiannidis zuletzt gesagt. Sonst werde es kritisch.
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