Abgeordnetenhauswahl Berlin: Die Spitzenkandidaten von AfD, Linke & Co. bei der Wahl in der Hauptstadt

Abgeordnetenhauswahl in Berlin 2026: Wer sind die Spitzenkandidaten der einzelnen Parteien?
Sebastian Gollnow/dpaAm Sonntag, 20. September, wird in Berlin ein neues Parlament gewählt. Bei den aktuellen Umfragen zur Abgeordnetenhauswahl zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen von mehreren Parteien ab. Wer sind die Spitzenkandidaten von AfD, Linke & Co.? Hier gibt es die Übersicht:
Stefan Evers (CDU) - der Spätstarter
Der 46-jährige CDU-Kandidat Evers wurde erst zehn Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl ins Rennen geschickt, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Er muss ohne Amtsbonus und größere Bekanntheit den Wahlkampf bestreiten. Vor allem durch eine Polarisierung zwischen der CDU und einer „radikalisierten“ Linken versucht sich der derzeitige Finanz- und Kultursenator zu profilieren. Das tut er nicht ohne Erfolg - laut Umfragen haben er und seine Linken-Konkurrentin Elif Eralp die besten Chancen auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters.
Der mit einem Mann verheiratete gebürtige Nordrhein-Westfale lebt seit 1999 in Berlin und wurde 2011 erstmals ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Schwerpunktthemen des Juristen und früheren Unternehmensberaters sind Sicherheit, ein strikter Sparkurs und eine sauberere Stadt. Für Aufmerksamkeit sorgte er etwa mit den Vorschlägen, Bürgergeldempfänger zum Müllsammeln zu verpflichten oder einen Verfassungstreuecheck für künftige Beamte einzuführen.
Steffen Krach (SPD) - im Ermittler-Visier
Dem 47-jährigen Krach macht eine bundesweit schwächelnde SPD zu schaffen - und seit einigen Tagen auch ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren. Dabei geht es um ein Vergabeverfahren bei der Weiternutzung eines ehemaligen Krankenhausgeländes im niedersächsischen Lehrte während Krachs Zeit als Präsident der Region Hannover. Im Raum steht Vorteilsannahme, was Krach entschieden zurückweist.
Doch auch schon vor Bekanntwerden der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konnte der gebürtige Hannoveraner und Diplompolitologe von einem Ergebnis wie bei der Wahl 2021, als es mit Franziska Giffey zuletzt für ein SPD-geführtes Rotes Rathaus gereicht hatte, nur träumen. Regierender Bürgermeister kann er demnach nicht werden - obwohl die SPD eine lange Regierungstradition in der Hauptstadt hat. Keine Partei kann in Berlin beziehungsweise im Westteil der Stadt auf mehr Regierungsjahre zurückblicken.
Werner Graf (Grüne) - in der Verfolgerrolle
Der 46-jährige Grünen-Kandidat Graf hat den Umfragen zufolge ebenfalls keine realistische Chance auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters - obwohl die Ökopartei noch vor wenigen Jahren nahe dran war. 2021 holten die Grünen in der Hauptstadt mit 18,9 Prozent das beste Berlin-Ergebnis ihrer Parteigeschichte und kamen in die Regierung. Doch nach der Wiederholungswahl 2023 landeten sie wieder in der Opposition.
Bei der Wahl könnte nun ausgerechnet die Linke, mit der die Grünen derzeit im Abgeordnetenhaus eng zusammenarbeiten, für den Politologen Graf zum Problem werden, weil viele linke bisherige Grünen-Wähler zu ihr abwandern. Der gebürtige Oberpfälzer Graf, früher Bundessprecher der Grünen Jugend und einstiger Chefredakteur des „Hanf-Journals“, versucht mit dem Motto „klimaneutral, bezahlbar und frei“ dagegenzuhalten. Graf ist wie Evers mit einem Mann verheiratet.
Elif Eralp (Linke) - gelingt die Sensation?
Neben CDU-Kandidat Evers werden der Linken-Kandidatin Eralp die größten Chancen auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin prognostiziert. Sollte die 45-jährige Juristin tatsächlich das Rennen machen, wäre das eine kleine Sensation. Berlin würde dann nicht nur zum ersten Mal von der Linken regiert, es stünde auch erstmals eine Migrantin an der Regierungsspitze der Hauptstadt. Eralp profitiert dabei zum einen vom bundesweiten Hoch der Linken. Zum anderen spricht sie verschiedene Wählergruppen in Berlin an - als Frau, als Mietenaktivistin, als Migrantin.
Vor allem ihre türkischen Wurzeln und die Fluchterfahrung ihrer Familie thematisiert Eralp im Wahlkampf immer wieder. Ihre sozialistischen Eltern flohen im Jahr ihrer Geburt aus der Türkei nach Deutschland, sie wurde in München geboren. Thematisch setzt Eralp vor allem auf das Thema Wohnen, was angesichts immer höherer Mieten in der Stadt bei vielen verfängt. Zum Verhängnis könnte der Mutter von zwei Kindern das Thema Antisemitismus werden. Vor allem der Linken-Bezirksverband Neukölln fällt immer wieder durch israelfeindliche Äußerungen auf - was bei den potenziellen Koalitionspartnern SPD und Grüne für Verstimmung sorgt.
Kristin Brinker (AfD) - auf Wachstumskurs
Keine Berliner Partei verzeichnete in den vergangenen Jahren einen derart großen Stimmenzuwachs wie die AfD. Mit Umfragewerten von 17 bis 18 Prozent könnte sie ihr Ergebnis von 2023 verdoppeln. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass Spitzenkandidatin Brinker Regierende Bürgermeisterin oder auch nur Teil einer Regierungskoalition wird, ist dennoch gleich null, weil keine Partei mit der AfD zusammenarbeiten will.
Die 54-jährige Architektin aus Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt, die einst zum Studium nach Berlin kam, fordert im Wahlkampf unter anderem radikale Ausgabenkürzungen in der Hauptstadt. „Flüchtlinge, Klimaschutz und andere linke Lieblingsprojekte“ müssten auf den Prüfstand, sagt Brinker. Auch sorgte sie mit der Forderung, geförderten Wohnraum bevorzugt an Berliner zu vergeben, für Aufsehen.
Christoph Meyer (FDP) - im Überlebenskampf
Als Spitzenkandidat der FDP kandidiert Meyer vor allem für das Überleben seiner Partei. Seit der Wiederholungswahl 2023 sitzen die Liberalen nicht mehr im Berliner Abgeordnetenhaus, was der 51-Jährige wieder ändern will. Doch die Umfragen verheißen nichts Gutes - sie sehen die FDP bei unter drei Prozent.
Schon von 2002 bis 2011 war der gebürtige Berliner und Jurist Mitglied des Abgeordnetenhauses, davon zwei Jahre als Fraktionschef. 2017 bis 2025 war Meyer Mitglied des Bundestags - bis die Partei auch hier den Wiedereinzug verpasste. Im Berliner Wahlkampf setzt Meyer unter anderem auf die Themen Wirtschaft und Eigentum - so will er unter anderem den Erwerb von Wohnungen für Privatleute erleichtern.
Alexander King (BSW) - muss zittern
Auch BSW-Kandidat King hat vor allem ein Ziel - den erstmaligen Einzug seiner Partei ins Berliner Parlament. Dort saß der 57-jährige Geograf aus Tübingen zwar schon, allerdings für die Linke. 2023 wechselte er zum Bündnis Sahra Wagenknecht und trieb den Aufbau des Berliner Landesverbands voran. Umfragen sahen das BSW zuletzt bei drei bis fünf Prozent. Der Wahltag wird für das BSW also zur Zitterpartie.
Auf den Wahlkampfplakaten in Berlin wirbt die Partei vor allem für eine Antikriegs- und eine Anti-Merz-Politik, während sich King selbst einen Namen als Kritiker der aus seiner Sicht absurden Coronapolitik der vergangenen Jahre machte. So schreibt er in seinem „Corona-Schwarzbuch“ im Internet über „Impfschäden, wirtschaftliche Verluste oder soziale Ausgrenzung“.
(mit Material von AFP)
