Nord Stream 2: Pleite, Kosten, Sanktionen – die Hintergründe zur Gasleitung zwischen Deutschland und Russland

Wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine hat die deutsche Bundesregierung die Genehmigung des Projekts gestoppt. Am 1. März 2022 hat nun die Betreiberfirma Nordstream 2 AG ihre Zahlungsunfähigkeit verkündet.
Stefan Sauer/dpa- Wegen des Krieges in der Ukraine hat die Bundesregierung das Genehmigungsverfahren für das Projekt Nord Stream 2 gestoppt
- Damit wird vorerst kein Erdgasaus Russland in Gasleitungen durch die Ostsee direkt nach Deutschland fließen
- Die Betreiberfirma Nordstream 2 AG hat am 1. März ihre Zahlungsunfähigkeit vermeldet
- Was ist über das Projekt alles bekannt? Und wie geht es jetzt weiter?

Die Gaspipeline Nord Stream 2 verläuft durch die Ostsee direkt von Deutschland nach Russland.
dpa-infografik GmbHNord Stream 2 AG ist pleite – Belegschaft wird entlassen
Die Betreibergesellschaft der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben aus der Schweiz pleite. Die Nord Stream 2 AG mit Sitz in Zug sei „wegen der Sanktionen aus den USA“ in der vergangenen Woche „zahlungsunfähig“ geworden, sagte die Regierungsrätin des Kantons Zug, Silvia Thalmann-Gut, am Dienstag dem Sender SRF. Vor einer Woche hatten die USA wegen des Konfliktes mit Russland das Unternehmen mit Sanktionen belegt.
„Wir wurden heute informiert, dass dieses Unternehmen nicht weitergeführt werden kann“, sagte die Politikerin dem Sender weiter. Alle Beschäftigten hätten die Kündigung erhalten und würden nun über ihre Rechte und Pflichten informiert. Sie könne zudem nicht ausschließen, dass weitere Unternehmen mit Sitz in der Schweiz „betroffen sein werden“.
Das Projekt Nord Stream 2
Im Jahr 2005 wurde Gerhard Schröder als deutscher Bundeskanzler abgewählt. Doch an diesem Tag verschwand er nicht aus dem Politikbetrieb – nur wenige Tage nach der Wahl, am 7. Oktober 2005, besuchte er seinen Freund, den russischen Präsidenten Wladimir Putin, anlässlich dessen 53. Geburtstag. Sie haben aber noch mehr zu feiern: Kurz vor der Bundestagswahl besiegelten Schröder und Putin das Projekt Nord Stream: zwei unterirdische Gasleitungen durch die Ostsee direkt von Russland nach Deutschland. Damit fällt der Transport des Erdgases durch andere Länder wie die Ukraine weg. Gerhard Schröder besetzt in der Folge verschiedene Posten bei Gesellschaften, die in das Pipeline-Projekt eingebunden sind.
Doch mit dem Krieg in der Ukraine wurde das Projekt jäh unterbrochen: Nord Stream 1 ist schon seit 2011 in Betrieb, doch die deutsche Bundesregierung hat das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 (die zweite Leitung) gestoppt. Wie es weitergeht, ist unklar.
Nord Stream 1 und 2 – die beiden Gasleitungen zwischen Deutschland und Russland im Überblick
- Funktion: Erdgasleitung
- Länder: Deutschland, Russland
- Orte: Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern, Nord Stream 1 und 2), Wyborg (Russland, Nord Stream 1), Ust-Luga (Russland, Nord Stream 2)
- Länge: Nord Stream 1: 1224 Kilometer; Nord Stream 2: 1230 Kilometer
- Inbetriebnahme: Nord Stream 1: 2011; Nord Stream 2: noch offen
- Kosten: Nord Stream 1: etwa 7,4 Milliarden Euro; Nord Stream 2: laut bisheriger Schätzung mindestens 9,5 Milliarden Euro
Sanktionen gegen Russland und Stopp von Nord Stream 2: Fließt weiter Gas durch die Ukraine?
Ungeachtet des Angriffs auf die Ukraine setzt Russland eigenen Angaben zufolge den Gastransit durch das Nachbarland nach Europa fort. Ein Sprecher des russischen Staatskonzerns Gazprom sagte am Freitag der Agentur Interfax zufolge: „Gazprom liefert russisches Gas für den Transit durch das Gebiet der Ukraine im regulären Modus und gemäß den Anforderungen europäischer Verbraucher.“ Am Freitag seien das insgesamt 103,8 Millionen Kubikmeter Gas.
Angesichts des russischen Einmarsches in die Ukraine hatten zuletzt im Westen Sorgen um die Sicherheit der eigenen Energieversorgung zugenommen. Die Ukraine - einst größtes Transitland für Gas nach Europa - betreibt noch immer ein rund 38 000 Kilometer langes Gasnetz. Die Ex-Sowjetrepublik befürchtete zuletzt vor allem, dass ihr durch die Inbetriebnahme der derzeit auf Eis gelegten Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 wichtige Transitgebühren verloren gehen könnten.

