Wal in der Ostsee live
: So läuft der Rettungsversuch aktuell

Für den bereits seit zwei Wochen in der Ostsee liegenden Buckelwal wurde eine neue Rettungsaktion gestartet. Hier kann man die Entwicklungen am 17. April 2026 live mitverfolgen.
Von
David Hahn
Wismar
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Rettungsaktion für den Buckelwal: 17.04.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Kirchdorf (poel): Der Buckelwal vor der Insel Poel schlägt am Morgen mit seiner Schwanzflosse. Für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal soll der neue Rettungsversuch heute beginnen. Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Buckelwal vor der Insel Poel schlägt am Morgen mit seiner Schwanzflosse. Für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal wird der neue Rettungsversuch heute fortgesetzt. Umgesetzt wird das Konzept von einer privaten Initiative.

Jens Büttner/dpa

Ein neuer Rettungsversuch für den bereits seit dem 31. März in flachem Wasser vor Wismar liegenden Buckelwal wurde gestartet. Hier kann man ihn im Livestream mitverfolgen.

Wal live: Livestream zeigt Rettungsversuch in der Ostsee

Der Livestream soll geplant von 9:30 Uhr bis 19:00 Uhr andauern.

Vor der Insel Poel läuft ein neuer Rettungsversuch für einen gestrandeten Buckelwal, der seit 18 Tagen in der Kirchsee liegt. Die Aktion befindet sich heute in der entscheidenden Phase und wird von einer privaten Initiative um die Unternehmer Karin Walter-Mommert und Walter Gunz durchgeführt, begleitet vom Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern sowie Veterinären. Die Verantwortung für die Aktion liegt laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) vollständig bei der privaten Initiative, auch finanziell wurde das Ministerium von allen Verpflichtungen freigestellt.

Das Rettungskonzept setzt laut Backhaus auf möglichst schonende, minimalinvasive Maßnahmen. Dazu wurde im Hafen Kirchdorf eine Arbeitsplattform mit Pontons, Bagger, Sauggeräten und Schläuchen vorbereitet. Ziel ist es, den etwa zwölf Tonnen schweren Wal freizuspülen, unter anderem mit batteriebetriebenen Sandsauggeräten. Geplant ist, den Wal mithilfe von Luftkissen anzuheben. Anschließend soll er auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und von einem Schlepper in tiefere Gewässer bis in den Atlantik gebracht werden.

Der Zustand des Tieres wird inzwischen als besser eingeschätzt als zunächst angenommen. Die Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert betonte laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Wal habe eine reale Chance, aus seiner Lage befreit zu werden. Er zeige mit kräftigen Bewegungen der Schwanzflosse sowie Drehversuchen, dass er sich bewegen wolle und offenbar keine schweren Verletzungen habe. Zudem wurde das Tier inzwischen aus einem verfangenen Schlauchstück befreit, kleinere Hautverletzungen gelten als heilbar. Die Helfer konnten direkten Kontakt aufnehmen und versorgen den Wal unter anderem mit feuchten Tüchern und salzhaltiger Lösung, um seine Haut zu schützen.

Dennoch bleibt der Ausgang ungewiss. Der Wal galt zuletzt noch als stark geschwächt und krank. Ein zentrales Problem bleibt laut dem Meeresbiologen Boris Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel arbeitete, ein Netz im Maul, das seine Nahrungsaufnahme behindern könnte.

Warum wurde zwischenzeitlich keine weitere Rettung unternommen?

Die letzten aktiven Rettungsversuche wurden zuletzt am 1. April eingestellt. Ein erneuter Versuch am vergangenen Wochenende, den Wal mithilfe abgespielter Walgesänge zur Selbstbefreiung zu bewegen, blieb erfolglos. Nach zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen erklärten Experten letzte Woche, dass weder eine Lebendbergung möglich sei noch das Tier sich aus eigener Kraft befreien könne.

Nach Einschätzung von Experten war bisher jeder weitere Rettungsversuch mit mehr Qual für das Tier verbunden, bei sehr geringen Aussichten auf Erfolg. Im vor einigen Tagen veröffentlichten Gutachten zum Zustand des rund zwölf Meter langen Wals hieß es, dass nach den vier Strandungen bei Niendorf, Wismar und vor Poel mit einer erneuten gerechnet werden müsse. Die wiederholten Strandungen würden auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hinweisen. Fachleute sprachen letzte Woche von einer deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands. Sie gingen davon aus, dass sich Wasser in der Lunge des Wals sammle, was auf schwere Organschäden hindeute.

Aktuell liegt der Buckelwal in etwa 1,50 Meter Wassertiefe vor Poel. Bis zum südlichen Ende des Kattegats sind es rund 200 Kilometer und bis zum Skagerrak weitere etwa 250. Erst dann wäre das Tier wieder in den Tiefen der Nordsee und könnte weiter ins offene Meer schwimmen. „Transportmöglichkeiten für einen Wal dieser Größe existieren nicht“, hieß es im Gutachten. Zudem wäre schon ein Anheben mit Schlaufen mit extremem Stress und wahrscheinlich großflächigem Abreißen der schwer geschädigten Haut verbunden. Das Tierschutzgesetz verbiete zusätzliches Leid ohne vernünftige Erfolgsaussichten. Bislang hatten Experten deshalb erklärt, dem Buckelwal könne nicht sinnvoll geholfen werden, und es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen.

Mit Material der dpa und AFP