Unwetter in Brandenburg: Woidke warnt vor Hochwasser – kritische Lage möglich

Der Neiße-Radweg in Görlitz ist aufgrund des Hochwassers überflutet und daher gesperrt. Auch an der Neiße in Görlitz ist Alarmstufe 2 erreicht, dort liegt der Wasserstand bei 4,42 Metern. Brandenburg schaut mit Sorge auf das Geschehen.
Paul Glaser/dpaMit Blick auf eine mögliche kritische Hochwasserlage auch in Brandenburg hat sich die Landesregierung mit Landräten und Oberbürgermeistern beraten. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte im Anschluss an eine kurzfristig einberufene Telefonkonferenz laut einer Mitteilung: „Wir müssen vor der Lage bleiben und uns rechtzeitig auf mögliche Gefahren vorbereiten. Wir hoffen das Beste und bereiten uns auf das Schlimmste vor.“
Laut der Staatskanzlei verständigten sich Landesregierung, Landkreise und kreisfreie Städte am Nachmittag auf ein „abgestimmtes Vorgehen“. Bei dem Gespräch waren auch Vertreter des Technischen Hilfswerks, des Landeskommandos der Bundeswehr und der Feuerwehr dabei. Zuletzt stiegen die Pegelstände an Elbe, Oder und Neiße weiter an.
Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) betonte laut der Mitteilung: „Angesichts der prognostizierten Hochwassersituationen und der Lage in Polen, Tschechien und Sachsen müssen wir sehr wachsam sein.“
Das Landesamt für Umwelt habe frühzeitig Rufbereitschaften angeordnet. Es habe die Meldewege sowie Abstimmungsprozesse mit den zuständigen Institutionen beim Bund, den Ländern und den Wasser- und Bodenverbänden nochmals geprüft und beobachte die Entwicklung aufmerksam.
„Wir bereiten uns landesweit auf eine kritische Lage vor. Dazu gehört, dass Einsatzkräfte informiert und vorbereitet sowie Schwachstellen an den betroffenen Flussabschnitten gesichert werden“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Sonnabend (14. September) in Guben.
Das Landesamt für Umwelt (LfU) hatte am Donnerstag (12. September) eine erste Hochwasserwarnung für die Lausitzer Neiße, Oder und Elbe herausgegeben.
2,6 Millionen Sandsäcke in Brandenburg
Laut Innenminister Michael Stübgen (CDU) sind 2,6 Millionen Sandsäcke vorrätig. Am Montag erfolgen demnach gemeinsam mit dem Umweltministerium „detaillierte Absprachen mit den Kommunen für eventuell notwendige Vorsorgemaßnahmen“.
Nach heftigen Regenfällen im östlichen Europa herrschen aktuell in Polen, Tschechien und Österreich teilweise dramatische Zustände. Nun droht das Hochwasser etwa in der Elbe auch Deutschland zu erreichen.
Hochwasser an der Oder wie 2010?
Die aktuell prognostizierten Niederschlagshöhen in Tschechien und Polen seien mit denen vor dem Hochwasser im Sommer 2010 an der Oder vergleichbar und könnten zu entsprechend hohen Wasserständen führen, hieß es in einer Mitteilung des Umweltministeriums.
Damals waren nach tagelangen Regenfällen und heftigen Gewittern im Mai und Anfang Juni 2010 weite Teile des östlichen Mitteleuropas von Hochwasser betroffen.
Grund für das sich anbahnende Hochwasser sind laut dem Landesamt schwere Niederschläge in den östlichen Alpen, Tschechien und Polen. Im Einzugsgebiet der Elbe in Tschechien habe es bereits ergiebig geregnet. Für die kommenden zwei Tage sind weitere massive Niederschläge vorhergesagt.
Hochwasserwelle kommende Woche erwartet
Für das Land Brandenburg ergebe sich aus dieser Gemengelage eine potenzielle Hochwassergefahr. „Bleibt es bei den vorhergesagten hohen Niederschlägen, dürfte sich eine Hochwasserwelle am Sonntag zu Montag an der Lausitzer Neiße sowie ab Mitte der nächsten Woche an Oder und Elbe ausbilden“, führte eine Sprecherin des Umweltministeriums aus.
Nach aktuellem Kenntnisstand könnten an den Pegeln entlang der Oder in Brandenburg Mitte der kommenden Woche die Richtwerte der Alarmstufe 1 erreicht werden. Auch die Alarmstufe 3 sei zu erwarten und „ein Erreichen der Richtwerte der Alarmstufe 4 ist nicht auszuschließen“, hieß es vom LfU. 4 ist die höchste Stufe. Die Aussagen zu den Höchstständen sind nach Angaben der Behörde mit erheblicher Unsicherheit behaftet.
Millionen in den Hochwasserschutz gesteckt
Etwas Hoffnung machte Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen): „Im Unterschied zu 2010 ist die Ausgangslage heute auf Grund einer ausgeprägte Niedrigwasserphase und trockener Böden günstiger.“ Die Flüsse könnten einen Teil der Niederschläge aufnehmen, sagte er.
Zudem wurden seit 2010 wirksame Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt. „Seit 1997 sind 360 Millionen Euro in den Hochwasserschutz an der Oder investiert worden.»

