Neue Bundespolizei-Spezialeinheit: So funktioniert die neue Drohnenabwehr

Geräte zum Abwehren von Drohnen werden bei der Vorstellung neuer Abwehrtechniken zur Drohnenabwehr bei der Bundespolizei-Fliegerstaffel Blumberg vorgeführt. So funktioniert die neue Spezialeinheit zur Drohnenabwehr.
Carsten Koall/dpaDer Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stellte am 2. Dezember 2025 die neue Spezialeinheit der Bundespolizei für die Drohnenabwehr vor. Die neu gegründete nationale Spezialeinheit ist für die Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge, also Drohnen, gedacht. Ihre Aufgabe wird es sein, unerlaubte oder verdächtige Drohnen frühzeitig zu erkennen und, falls nötig, abzufangen oder abzuschießen. Das Ziel dieser neuen Maßnahme ist der Schutz kritischer Infrastruktur, wie Flughäfen sowie der Schutz der Luftsicherheit. Es ist die Reaktion des Innenministers auf die zunehmenden Drohnenvorfälle.
So sieht die neue Spezialeinheit zur Drohnenabwehr aus
Seit dem 2. Dezember 2025 ist die Einheit offiziell im Dienst. Der Innenminister stellte die Einheit, die der Bundespolizeidirektion 11 unterstellt ist, im brandenburgischen Ahrensfelde vor. Vorläufig sind etwa 60 Beamte in der Einheit, doch das Ziel sind 130 Spezialkräfte, die in der Einheit tätig sind. Die Drohnenabwehreinheit wird bundesweit einsatzfähig sein - besonders in der Hauptstadt Berlin, an Flughäfen und in der Nähe sicherheitsrelevanter Objekte. Der Bund plant darüber hinaus ein zentrales Drohnenabwehrzentrum und stationäre Detektions- und Abwehrsysteme. Eine BMI-Sprecherin gab bekannt, dass das Drohnenabwehrzentrum noch im Dezember 2025 in Betrieb genommen wird. Die Kosten schätzte Dobrindt Anfang Oktober 2025 auf einen dreistelligen Millionenbetrag.
So funktioniert die neue Drohnenabwehr
Die Spezialeinheit soll mit KI-gestützten Störsystemen, Detektionstechnik, automatischen Abfangdrohnen, dem Abschießen von Drohnen und schneller Verlegung arbeiten. Dabei soll sich die Einheit moderner Technik und mehrerer Abwehrmethoden bedienen. Zu der geplanten Detektionstechnik, also den Systemen zur frühzeitigen Erkennung von Drohnen, werden beispielsweise Radar, akustische Sensoren und andere Überwachungssysteme gehören. Mit KI-gestützten Störsystemen (Signal- und Steuerungssignal-Störungen), soll die Kontrolle über Drohnen unterbrochen werden. Neben Störsystemen werden auch automatische Abfangdrohnen oder vergleichbare physische Gegenmaßnahmen zur Anwendung kommen. Verdächtige Drohnen sollen also auch aktive abgefangen werden.
Besteht jedoch Gefahr für Infrastruktur oder Luftverkehr, sollen die Drohnen auch von der Spezialeinheit abgeschossen werden. Unter klar definierten Umständen wird das durch das Bundespolizeigesetz und Luftsicherheitsgesetz erlaubt. Im Ernstfall kann diese Einheit flexibel und schnell verlegt werden, etwa per Hubschrauber, um schnell vor Ort sein zu können. Bei besonders schweren oder militärischen Drohnenangriffen, also große UAVs oder militärische Drohnen, könnte in Einzelfällen auch die Bundeswehr eingebunden werden. Der Gesetzesentwurf sieht eine erweiterte Rolle der Bundeswehr in Ausnahmefällen vor.
Einsatzorte der neuen Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei
Die neue Spezialeinheit wird an Flughäfen, besonders an größeren Verkehrsflughäfen oder an solchen, die als kritische Infrastruktur gelten, in und um Berlin herum, an zentralen Behörden sowie sicherheitsrelevanten Infrastrukturen und an anderen kritischen Einrichtungen stationiert sein. Die Einheit bleibt jedoch flexibel in ganz Deutschland nach Bedarf einsetzbar.
An Flughäfen wird die neue Einheit eingesetzt, um Drohnen-Bedrohungen über dem Luftraum und dem Flughafengelände abzuwehren. In den vergangenen Monaten gab es Berichte über unbemerkte Drohnenflüge über deutschen Flughäfen, auch am BER, das berichtete EuroNews. Flug- und Sicherheitsrisiken sowie Spionage oder Sabotage durch unbemerkte Drohnen stellen für Flughäfen und andere kritische Infrastrukturen eine realistische Gefahr dar, wie die Bundesregierung betont. Eine vollständige Liste mit konkreten Standorten der Stationierung ist allerdings noch nicht bekannt.
Kritik an der neuen Spezialeinheit der Bundespolizei
Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Bundestag, begrüßt grundsätzlich die Pläne der Bundesregierung, die Fähigkeiten zur Drohnenabwehr auszubauen. Im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio mahnt er jedoch, dass es nicht zu einer unklaren Verteilung der Zuständigkeiten zwischen Landespolizeien, Bundespolizei und Bundeswehr kommen dürfe.
Von Notz betont, dass eindeutig festgelegt sein müsse, wer im Ernstfall die Verantwortung übernimmt und, dass diese Aufgabe bei der Bundespolizei liegen müsse, nicht bei den Ländern und auch nicht bei der Bundeswehr. Er fordert die Bundesregierung auf, diese Zuständigkeitsfrage zügig und gesetzlich klar zu regeln.


