Knapp 1 Euro weniger als in Deutschland: In diesem EU-Land kostet Benzin nur 1,34 Euro

Die Spritpreise in Deutschland klettern weiter nach oben.
Jan Woitas/dpaAuf Malta kostet ein Liter Euro 95 lediglich 1,34 Euro. Auch Diesel ist auf dem Inselstaat außergewöhnlich günstig: Der Liter kostet nur 1,21 Euro. Damit hat Malta derzeit die niedrigsten Kraftstoffpreise innerhalb der Europäischen Union.
Nach den Daten des EU-Ölbulletins für die Referenzwoche vom 7. September 2026 lag der EU-Durchschnitt bei rund 1,91 Euro für einen Liter Benzin und 2,03 Euro für Diesel. Malta lag damit beim Benzin knapp 30 Prozent und beim Diesel sogar rund 40 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.
Besonders groß fällt der Unterschied zu Deutschland aus. Hier kostete Euro 95 im gleichen Zeitraum durchschnittlich 2,331 Euro je Liter. Das sind fast 99 Cent mehr als auf Malta. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern macht das einen erheblichen Unterschied: Während 50 Liter Benzin auf Malta 67 Euro kosten, wären es beim deutschen Durchschnittspreis rund 116,55 Euro. Die Differenz beträgt damit fast 50 Euro pro Tankfüllung.
Malta ist das günstigste EU-Land beim Tanken
Im europäischen Vergleich steht Malta damit am anderen Ende der Preistabelle als Deutschland. Deutschland gehörte Anfang September zu den drei teuersten EU-Staaten beim Benzin. Nur in den Niederlanden und in Dänemark mussten Autofahrer noch mehr bezahlen.
Malta belegte dagegen den ersten Platz unter den günstigsten Ländern. Dort kostete Benzin 1,34 Euro je Liter. Auch beim Diesel war kein anderes EU-Land günstiger: Mit 1,21 Euro je Liter lag Malta erheblich unter dem europäischen Durchschnitt von 2,03 Euro.
Der Abstand zwischen den Extremen innerhalb der EU ist enorm. Während Benzin auf Malta 1,34 Euro kostete, wurden in Dänemark durchschnittlich 2,632 Euro verlangt. Das entspricht einer Differenz von fast 1,30 Euro je Liter beziehungsweise rund 65 Euro bei einer 50-Liter-Tankfüllung.
Warum ist Benzin auf Malta so billig?
Der niedrige Preis ist nicht einfach darauf zurückzuführen, dass Malta Öl besonders günstig einkaufen kann. Ein wesentlicher Grund ist vielmehr die staatliche Energiepolitik.
Die maltesische Regierung hält die Kraftstoffpreise durch staatliche Unterstützung vergleichsweise stabil. Im April 2026 erklärte die Regierung ausdrücklich, dass Benzin weiterhin für 1,34 Euro und Diesel für 1,21 Euro je Liter angeboten werde. Nach Angaben der Regierung werden steigende internationale Energiekosten teilweise durch Subventionen aufgefangen.
Das ist ein erheblicher Unterschied zu Ländern wie Deutschland, wo Veränderungen bei den internationalen Preisen für Rohöl und Mineralölprodukte wesentlich stärker auf die Tankstellenpreise durchschlagen können.
Die Wirkung der maltesischen Politik zeigt sich auch daran, wie ungewöhnlich stabil die Preise sind. Nach den Daten von fuel-prices.eu kostete Benzin auf Malta mindestens von Ende Juni bis Anfang September 2026 durchgehend 1,34 Euro je Liter. Diesel verharrte im gleichen Zeitraum konstant bei 1,21 Euro.
Während sich die Preise in vielen anderen EU-Staaten innerhalb weniger Wochen deutlich bewegen können, blieb der maltesische Tankstellenpreis damit praktisch unverändert.
Malta setzt zusätzlich auf Hedging
Neben den Subventionen nennt die maltesische Regierung einen zweiten wichtigen Faktor: Hedging.
Dabei werden Energielieferungen beziehungsweise deren Preise teilweise im Voraus finanziell abgesichert. Dadurch kann sich ein Käufer gegen starke kurzfristige Preissteigerungen auf den internationalen Märkten schützen. Fallen die Weltmarktpreise plötzlich stark, kann ein solches Geschäft zwar auch Nachteile bringen. Bei steigenden Preisen sorgt es jedoch für mehr Planungssicherheit.
Die maltesische Energieministerin Miriam Dalli erklärte im April 2026, dass Malta bei Kraftstoffen neben den staatlichen Zuschüssen auf eine solche Absicherungsstrategie setzt. Die Kombination aus Subventionen und Hedging ermögliche es, die Preise für Verbraucher stabil zu halten.
Dass der Staat auf dem Kraftstoffmarkt eine wichtige Rolle spielt, zeigt auch die Struktur des Marktes. Das Unternehmen Enemed, das unter anderem Erdölprodukte importiert, lagert und im Großhandel vertreibt, gehört über seine Muttergesellschaft vollständig dem maltesischen Staat.
Günstiger Sprit wird vom Staat mitfinanziert
Die niedrigen Preise haben allerdings ihren Preis. Die Differenz zum Marktpreis verschwindet nicht einfach. Wenn der Staat Preissteigerungen durch Subventionen auffängt, werden die Kosten letztlich über den Staatshaushalt finanziert.
Malta verfolgt diese Strategie bereits seit mehreren Jahren. Schon während der europäischen Energiekrise setzte die Regierung erhebliche öffentliche Mittel ein, um die Preise für Strom und Kraftstoffe stabil zu halten.
Deshalb lässt sich der Preis von 1,34 Euro nicht ohne Weiteres auf andere EU-Länder übertragen. Ein Staat kann Kraftstoffpreise zwar durch niedrigere Steuern, Zuschüsse oder andere Eingriffe reduzieren. Dafür entstehen jedoch entweder geringere Steuereinnahmen oder zusätzliche Ausgaben im Staatshaushalt.
Fast ein Euro Unterschied zu Deutschland
Für deutsche Autofahrer wirkt der Vergleich dennoch bemerkenswert. Beim Benzin betrug der Unterschied Anfang September 99,1 Cent pro Liter:
Malta: 1,340 Euro
Deutschland: 2,331 Euro
Differenz: 0,991 Euro pro Liter
Bei 50 Litern entspricht das einer Differenz von 49,55 Euro.
Beim Diesel ist der Abstand sogar noch größer. Auf Malta wurden 1,21 Euro je Liter fällig, in Deutschland 2,328 Euro. Das sind rund 1,12 Euro Unterschied pro Liter. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern ergibt sich rechnerisch eine Differenz von knapp 56 Euro.
Allerdings haben die beiden Länder vollkommen unterschiedliche Voraussetzungen. Deutschland ist ein großer Flächenstaat mit einem erheblich größeren Kraftstoffmarkt. Malta hat nur rund eine halbe Million Einwohner und kann seine Energie- und Subventionspolitik entsprechend anders gestalten.
Deutschland belastet Kraftstoffe deutlich mit Steuern und Abgaben
Zum hohen deutschen Preisniveau tragen zudem die staatlichen Belastungen bei. Allein die Energiesteuer beträgt regulär 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel. Hinzu kommen die Kosten aus der CO₂-Bepreisung und anschließend die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.
Damit besteht ein erheblicher Teil des deutschen Tankstellenpreises aus Steuern und staatlich verursachten Preisbestandteilen. Auf Malta greift der Staat dagegen gleichzeitig mit Subventionen ein, um steigende Energiepreise für Verbraucher abzufedern.
Das erklärt einen Teil des enormen Preisunterschieds zwischen beiden Ländern.
