Igel in Not in Hoyerswerda
: Herbstzeit ist Igelzeit – warum sie jetzt oft Hilfe brauchen

Damit Igel gut überwintern können, brauchen sie ein Mindestgewicht und einen geeigneten Unterschlupf. Damit das klappt, kann der Mensch ihnen helfen.
Von
Veikko Rößler
Hoyerswerda
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Igel stehen auf Katzenfutter: Dieser stachelige Geselle ist ein Waisenkind und wird von Hand aufgezogen. So soll er genug Fettreserven anlegen, um überwintern zu können.

Wolfgang Kumm/dpa

Der Herbst wird wegen seiner Farbenspiele auch goldene Jahreszeit genannt, in der viele Früchte wie Kastanien, Eicheln und Bucheckern sowie massenhaft Laub zu Boden fallen. Der Herbst ist aber auch immer wieder die Periode, in der sich Naturschützer und Tierliebhaber einem Ansturm von Igeln in Not gegenübersehen. Es werden etliche kranke oder untergewichtige Tiere entdeckt. Bestenfalls kommen sie in Pflegestationen unter. Eine solche hat übrigens auch der Zoo in Hoyerswerda. Von den sechs vorhandenen Plätzen sind aktuell vier belegt.

Auch die Naturzentrale des Landkreises Bautzen in Neschwitz hat derzeit ein besonderes Auge für die Stacheltiere. Gerade jetzt können Igel auch tagsüber unterwegs sein. Da die Tiere eigentlich dämmerungs- und nachtaktiv sind, können diese Beobachtungen zu Verwunderung oder gar Besorgnis führen. Es bestehe jedoch nicht in jedem Fall Grund zur Sorge, stellen die Naturschützer klar.

Oftmals handele es sich bei den kleinen Umherstreifenden um im September geborene Jungigel, die sich noch ausreichend Reserven anfressen müssen, damit sie den Winterschlaf überleben. Sie benötigten für die Überwinterung ein Gewicht von bis zu 600 Gramm, wie Sophia Hauswald von der Naturzentrale betont. Hätten sie dieses Gewicht noch nicht erreicht, gehen die Jungtiere auch tagsüber auf Futtersuche. Es muss Winterspeck her.

Die Zeit wird knapp bis zum Igel-Winterschlaf

Sobald die Temperaturen dauerhaft unter fünf Grad sinken, beginnen sie ihren Winterschlaf. Eigentlich brauchen die Stacheltiere dafür nur natürliche Verstecke, in denen sie ungestört, trocken und geschützt schlafen können: dichte Hecken, Laub- und Reisighaufen oder alte Baumstümpfe. Igel halten etwa bis März Winterschlaf. Es sollte schon einige Tage am Stück tagsüber etwa zehn Grad Celsius haben, damit die putzigen Kerlchen aufwachen. Sollte ein Igel aus Versehen in seinem Schlafversteck geweckt worden sein, gilt: Sofort wieder zum Schlafen zurücklegen.

Oft kein gutes Zeichen: Ein junger Igel ist am hellichten Tag zwischen Gehweg und Gebüsch unterwegs. Er braucht dringend noch Reserven für den Winterschlaf.

Jonas Walzberg/dpa

Um den Tieren übrigens einen Platz für den Winterschlaf zu schaffen, kann man im Garten in einer ruhigen Ecke Laub liegen lassen oder Äste mit Laub aufschichten. So kann sich der Nützling sich seinen Winterschlafplatz selbst einrichten. Bei Simone und Holger Stüwe in der Kleingartenanlage „Am Stadtrand“ in Hoyerswerda sind auf diese Weise in einem kuscheligen Holzhäuschen im Winter Igel regelmäßig Untermieter.

Igel zählen zu den geschützten Arten

So läuft das Spiel in der Natur – normalerweise. Dazu gehört aber auch, dass es oft anders kommt. Findet man also tagsüber einen kleinen Igel und ist sich unsicher, ob er genug wiegt, sollten Experten zur Beratung hinzugezogen werden. Denn um die possierlichen Kerlchen in Not richtig über den Winter zu bringen, ist schon einiges an Wissen und Erfahrung nötig. Die Tiere gehören laut Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten. Sie dürfen dementsprechend nur vorübergehend zur fachkundigen Pflege der Natur entnommen werden.

„Hat der Igel ein Körpergewicht von weniger als 300 Gramm, sollte er nicht im Freien gelassen werden“, sagt Sophia Hauswald. Bei einem Körpergewicht zwischen 300 und 500 Gramm sei eine Zufütterung möglich. Wiegt das Tier über 500 Gramm, seien hingegen keine weiteren Maßnahmen notwendig und es könne bedenkenlos wieder in die Natur entlassen werden. Sichte man hingegen einen erwachsenen Igel am Tag, kann das mehrere Gründe haben. Entweder er wurde in seinem Versteck gestört und sucht einen neuen Schlafplatz oder aber, der Igel ist krank oder verletzt.

Sichere Anzeichen für Igel in Not

Nach Angaben der Naturschützer in Neschwitz gibt es sichere Anzeichen dafür, dass das Tier Hilfe benötigt: Es ist abgemagert, hat einen länglichen Körper, einen deutlich abgesetzten Kopf und eingefallene Seiten. Es hustet oder röchelt. Es hat einen übermäßigen Zecken- oder Flohbefall beziehungsweise ist von Fliegeneiern oder -maden befallen. Oder aber das Tier hat sichtbare Verletzungen. Findet man einen solchen Igel, dann sollte ebenfalls eine Igelauffangstation oder ein Tierarzt kontaktiert werden.

Da fehlt es noch an Gewicht, um über den Winter zu kommen: Ein untergewichtiger Igel liegt in einer Igelstation auf der Hand einer Betreuerin.

Stefan Sauer/dpa

Ihm hat’s geschmeckt: Ein etwa ein Kilo schwerer Igel hockt auf einem Tisch und leckt sich die Schnauze.

Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Auf dem Igel-Speiseplan stehen vor allem Käfer, Raupen, Schnecken und Regenwürmer. Nachhelfen können Tierliebhaber mit Katzenfutter oder Rührei, das sie mit einem separaten Wasserschälchen draußen platzieren. Gar nicht gut sind übrigens Milch und rohe Eier. Die Igel fressen all das zwar, können aber davon Durchfall bekommen und werden somit geschwächt.

Igel nicht im Keller überwintern

Von der Idee, Igel im kühlen Keller schlafen zu lassen, raten die Experten hingegen ab. Igel sind Wildtiere und sollten nicht im Haus überwintern. Es sei wichtig, dass die Tiere ungestört und bei Kälte – aber frostfrei – ihren Winterschlaf halten. Das klappt immer noch am besten in einem passenden Unterschlupf im Garten.

Igel in Europa, Asien und Afrika zu Hause

● Die Igel bilden eine Familie von Säugetieren, deren in Europa bekannteste Vertreter die Arten Braunbrustigel und Nördlicher Weißbrustigel sind.

● Der Braunbrustigel ist die in West- und Mitteleuropa typischerweise anzutreffende Art.

● Insgesamt umfasst die Familie 26 Arten, die in Europa, Asien und Afrika verbreitet sind.

● Sie teilen sich in zwei äußerlich deutlich verschiedene Unterfamilien, die Stacheligel und die stachellosen Ratten- oder Haarigel.

● Das Fell der Igel ist meist in unauffälligen Braun- oder Grautönen gehalten.

● Die Stacheligel haben als wirksame Verteidigungswaffe Stacheln am Rücken und an den Flanken (beim Braunbrustigel sind es etwa sechs- bis achttausend).

● Diese Stacheln sind modifizierte, hohle Haare.

● Jeder Stachel ist mit einem Aufrichtemuskel ausgestattet.

● Stacheligel können sich im Bedrohungsfall zu einer Kugel zusammenrollen.

● Der Bauch, das Gesicht und die Gliedmaßen sind bei den Stacheligeln mit Fell bedeckt.

● Im Gegensatz dazu haben Rattenigel keine Stacheln und sehen darum einer Spitzmaus ähnlich.

● Ihr graubraunes bis schwarzes Fell kann je nach Art seidig-weich oder rau sein.

● Die Verteidigungsstrategie dieser Tiere ist Flucht.