DDR Geschichte
: Das Grubenunglück von Zwickau jährt sich zum 65. Mal

Im Februar jährt sich das Grubenunglück von Zwickau zum 65. Mal. Ein Blick zurück in das Jahr 1960, auf eines der schwersten Unglücke der ehemaligen DDR.
Von
Nicole Züge
Cottbus
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Eine Gedenktafel mit Namen der Opfer des Grubenunglückes im Zwickauer Steinkohlebergwerk „Karl Marx“ während einer Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof. Anlass ist der 60. Jahrestag der Katastrophe vom 22.02.1960, bei der 123 Menschen starben. +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Gedenktafel mit Namen der Opfer des Grubenunglückes im Zwickauer Steinkohlebergwerk „Karl Marx“ während einer Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof. Anlass war der 60. Jahrestag der Katastrophe vom 22.02.1960.

Sebastian Willnow/dpa
  • Das Zwickauer Grubenunglück jährt sich im Februar 2025 zum 65. Mal.
  • Am 22. Februar 1960 starben 123 Bergleute bei einer Explosion im "VEB Steinkohlenwerk Karl Marx".
  • Die DDR-Regierung lehnte westdeutsche Hilfe ab und forderte stattdessen tschechische Grubenwehren an.
  • Offizielle Ursache war ein Erdbeben in Marokko, sieben Tage nach der Explosion.
  • Ein Buch von Veteranen deutet unsachgemäße Sprengstoffverwendung als Ursache an.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Grubenunglücke, Flugzeugabstürze und sogar ein Chemieunfall – in der Geschichte der DDR gab es einige schwere Unglücke. Das Grubenunglück von Zwickau gehört dazu. Am 22. Februar 2025 jährt sich das schlimmste Bergbau-Unglück in der DDR zum 65. Mal.

Was vor 65 Jahren passierte und wie die damalige Regierung mit dem Unglück umgegangen ist.

Das Grubenunglück von Zwickau: Feuer in 1000 Metern Tiefe

Im Zwickauer „VEB Steinkohlenwerk Karl Marx“ begann die Frühschicht wie jede andere auch. In der 1. Abteilung des Karl-Marx-Werkes hatten sich an diesem Februarmorgen um kurz nach 8 Uhr insgesamt 174 Bergleute in den Schacht begeben, um die Schicht anzutreten.

Kurz darauf, um 20 Minuten nach 8, kommt es in ungefähr einem Kilometer Tiefe zu einer schweren Explosion, die einen verheerenden Brand auslöste. Das Feuer verbrauchte den Sauerstoff in den Schachtflügeln nahezu schlagartig. Die Bergleute in diesem Bereich hatten keine Überlebenschance.

Auch für acht Lehrlinge kam jede Hilfe zu spät. 40 Kumpel, die in einem anderen Flügel des Schachts eingesetzt waren, überlebten dank sogenannter „Selbstretter“, spezielle Atemschutzgeräte, die im Steinkohleabbau eingesetzt werden. Dennoch starben bei dem Zwickauer Grubenunglück 123 Bergleute.

Ein Bild aus dem Archiv: Ein Rettungstrupp aus dem VEB Bleierzgruben «Albert Funk» in Freiberg kurz vor dem Einsatz in der Unglücksgrube in Zwickau (Sachsen) am 24.02.1960. Gruppenführer Oskar Mohr (l) vergleicht die Uhrzeit mit dem Oberführer Rudolf Naefeld (r), da die Atemgeräte nur für zwei Stunden Atemluft liefern.

Ein Bild aus dem Archiv: Ein Rettungstrupp aus dem VEB Bleierzgruben «Albert Funk» in Freiberg kurz vor dem Einsatz in der Unglücksgrube in Zwickau (Sachsen) am 24.02.1960. Gruppenführer Oskar Mohr (l) vergleicht die Uhrzeit mit dem Oberführer Rudolf Naefeld (r), da die Atemgeräte nur für zwei Stunden Atemluft liefern.

Archiv/picture alliance/dpa

Hilfsangebote auch aus Westdeutschland

Kurz nach dem Unglück rückten Grubenwehren an, um bei dem Rettungseinsatz zu unterstützen. Auch aus Westdeutschland kamen Hilfsangebote, die die DDR-Regierung allerdings ablehnte. Stattdessen forderte man Grubenwehren aus Tschechien an. Doch die Löschversuche schlugen fehl. Ein Grubenabschnitt wurde schließlich zugemauert, um ein weiteres Ausbreiten des Feuers zu verhindern.

Offizielle Ursache: ein Erdbeben in Marokko

Als offizielle Ursache wird drei Wochen nach dem Grubenunglück in einer Regierungserklärung ein Erdbeben in Marokko angeführt. Über diese Begründung wundert sich die Fachwelt damals sehr, nicht nur aufgrund der geografischen Entfernung, sondern auch, weil sich das Erdbeben erst am 29. Februar und somit 7 Tage später ereignete.

Die Akten zum Unglück wurden erst nach dem Fall der Mauer veröffentlicht, sodass damals weder die Angehörigen der toten Bergleute, noch die Öffentlichkeit die wahren Gründe erfuhren.

Die ARD hat in der Mediathek den damaligen Ausschnitt aus der „Aktuellen Kamera“ vom 25. Februar 1960 veröffentlicht. (Das Video ist teilweise ohne Ton.)

Zwei Bergbau-Veteranen aus Zwickau haben Jahrzehnte später, mit finanzieller Unterstützung der Stadt und nach eigenen Aussagen fast acht Jahre lang ehrenamtlich alle Informationsschnipsel zu dem Grubenunglück zusammengetragen und in einem Buch veröffentlicht. Beide sind der Meinung, dass unsachgemäße Sprengstoffverwendung der Auslöser der Katastrophe war.

Das deckt sich mit einem Stasi-Bericht, der ebenfalls erst nach der Wende der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Im Bericht werden einem einzigen Sprengmeister, der an diesem Morgen Dienst hatte, mehrere schwere Vergehen angelastet, die letztendlich zum Unglück geführt haben sollen.

So löste vermutlich eine unsachgemäße Sprengung zwei Phänomene aus, die im Bergbau besonders gefürchtet sind: eine Schlagwetter- und eine Kohlenstaubexplosion. Allerdings wurde die ursächliche Sprengung durch einen anderen Sprengmeister durchgeführt, als dem im Stasi-Bericht erwähnten.

Laut der Stasi-Berichte zum Unglück wurde zunächst geprüft, ob eine Sabotage aus dem Westen als Ursache infrage kommt. Auch über einen möglichen Suizid des beschuldigten Sprenghauers wurde in den Berichten spekuliert.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung des Zwickauer Grubenunglücks wurden in dem Buch „Die Grubenkatastrophe im VEB Steinkohlenwerk Karl Marx Zwickau vom 22. Februar 1960“ zusammengefasst, welches 2010 erschien.

Quellen

MDR.de – Tod im Schacht: Das Zwickauer Grubenunglück

https://www.zwickau.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/2010/02/057.php

ZDFinfo Dokumentation: Die schwersten Unglücke der DDR