Nicht mehr GlückAufFest, auch nicht mehr Spektakel heißt die Spielzeiteröffnung mit Beginn der neuen Intendanz in Senftenberg. „FestSpiel“ hat sich Daniel Ris als Titel gewählt, und will in der historischen Gartenstadt Marga unter dem Titel „Neue Heimat“ ein Theaterfest feiern. Drei Spielorte, die Kirche, das Zechenhaus und die Turnhalle, bieten den Raum für drei zeitgenössische Stücke, nämlich „Utopia“ des kritischen russischen Gegenwartsdramatikers Mikhail Durnenkov, „Gott ist drei Frauen“ von Miroslava Svolikova aus Wien und ein Rechercheprojekt zum Thema „Neue Heimat Senftenberg“ des Leipziger Kollektivs WegWohin. Die Veranstaltung, bei der man zwischen den drei Orten wählen muss, findet dann ihren gemeinsamen Abschluss im Großen Saal, mit der Bühnenfassung von Juli Zehs Roman „Über Menschen“.

Zum ersten Koch-Abend kommt Sewan Latchinian

Zwei Säulen, Gegenwartsdramatik und gute Unterhaltung, verspricht der neue Intendant in seiner Auftakt-Pressekonferenz nach dem Motto: „Theater darf alles außer langweilen.“ Wobei unter „guter Unterhaltung“ alles zu verstehen ist, von „Cabaret“ über „Pension Schöller“ bis zu einem Hildegard-Knef-Abend in der neu gestalteten Bar im Rangfoyer und einer Kochshow, die Ris von Sewan Latchinian übernimmt – der Intendant von 2004 bis 2014 wird auch der erste Gast am 20. Oktober sein. Ebenfalls wieder im Programm sind Wunschkonzert und Dämmerschoppen, und es wird eine Filmreihe zum DEFA-Kino geben. Das 50. Jubiläum des Senftenberger Sees wird mit einer musikalischen Zeitreise auf der Open-Air-Bühne des Amphitheaters gefeiert, und für Kinder gibt es dort „Ronja Räubertochter“ und als Wintermärchen „Die Schöne und das Biest“. Und bei einer Schnitzeljagd durchs Theater kann die Jugend auf die Suche nach DDR-Kinderbuchklassikern gehen.

Jede Menge Frauenpower

Kontinuität und Wandel könnte man als Leitsatz der neuen Intendanz ausgeben (auch wenn Daniel Ris lieber „Schule der Empathie“ wählt). Zwölf Ensemblemitglieder bleiben aus der Truppe von Manuel Soubeyrand, vier kommen neu hinzu. Mit der in Ost-Berlin aufgewachsenen Chefdramaturgin Karoline Felsmann und der in Odessa geborenen und in Bremen sozialisierten Hausregisseurin Elina Finkel hat Ris jede Menge Frauenpower an der Seite – weshalb das Spielzeitheft auch das generische Femininum verwendet. Elina Finkel, die auch „Utopia“ übersetzt und gute Kontakte in die ukrainische, belarussische und russische Theaterszene hat, sucht aktuell noch einen ukrainischen Artist in Residence. Der geplante „Woyzeck“ ist dafür in die nächste Spielzeit verschoben.