Städteranking 2024
: Wien vs. Berlin – fünf Gründe, warum Österreich vorne liegt

Wien ist erneut die lebenswerteste Stadt der Welt. Berlin spielt in der Rangliste keine Rolle. Ein gebürtiger Wiener kennt fünf Dinge, die in Wien einfach besser laufen.
Von
Jakob Kerry
Berlin
Jetzt in der App anhören
Die Lichter vorbeifahrender Autos sind vor der Wiener Staatsoper am Abend zu sehen. (zu dpa: "Wiener Staatsoper spielt nach Corona-Pause wieder auf") +++ dpa-Bildfunk +++

Die Lichter vorbeifahrender Autos sind vor der Wiener Staatsoper zu sehen. Auch Berlin hat zweifelsohne einmalig schöne Ecken. Die lebenswerteste Stadt ist aber zum dritten Mal in Folge Wien. Woran liegt das?

Robert Michael/dpa

Sei es im Fußball, in der Wirtschaft oder auch nur die Ländergröße. Die Rivalität zwischen Deutschland und Österreich gehört zur DNA der beiden Länder. Sieger ist jedoch fast immer Deutschland. Doch es gibt einen Wettbewerb, da können die Piefken den Ösis nicht das Wasser reichen. Und zwar, wenn es um die lebenswertesten Stadt der Welt geht. Diese wird jährlich vom britischen Magazin „The Economist“ gekürt und sie heißt 2024 zum dritten Mal in Folge Wien.

Der Autor dieses Textes ist selbst gebürtiger Wiener und lebt nun in Berlin, also ist hier eine Expertise aufgrund persönlicher Erfahrungen vorhanden. Die deutsche Hauptstadt Berlin dümpelt im Städteranking nur auf Platz 19 herum. Hier sind fünf mögliche Erklärungen, was Wien besser macht als Berlin.

1. Wien ist frei von Dreck

Wer schon einmal in Wien war, mag sich einmal über die vielen orangen uniformierten Personen gewundert haben. Die Farbe ist mittlerweile ikonisch. Denn die orange angezogenen Arbeiterinnen und Arbeiter gehören zur Magistratsabteilung 48­ – der Müllentsorgung der Stadt Wien. In Berlin scheint das weniger gut zu funktionieren - für die Wienerinnen und Wiener gehört eine saubere Stadt jedoch zum Alltag.

Die Berliner haben immerhin ihren Weg gefunden, damit umzugehen. Denn oftmals ist es gar nicht nötig, überflüssige Inneneinrichtung zur Mülldeponie zu fahren. Es reicht der Gang auf die Straße und etwas Geduld. Somit hat dies immerhin einen positiven Aspekt, was jedoch überbleibt, ist Sperrmüll, der die Straßen und die Lebensqualität der Stadtbewohner belastet.

2. Öffentlicher Nahverkehr von Wien und Berlin im Vergleich

Freitagnachmittag in Berlin: Feierabend nach einer langen Woche. Jetzt noch die U-Bahn nehmen und in 30 Minuten zu Hause ins wohlverdiente Wochenende starten. In der Station angekommen, kann man der U-Bahn jedoch manchmal nur mehr hinterherschauen. Egal, die Nächste kommt bestimmt. In maximal zehn Minuten und das auch nur, wenn wegen Störung oder Krankenfall keine Bahn ausfällt. Solche Ausfälle kommen allerdings häufig vor. Dann werden aus 30 Minuten Heimweg schnell einmal 45 Minuten oder sogar 60 Minuten.

In Wien ist das anders. Da sind die Intervalle für alle Verkehrsmittel weitaus engmaschiger. Im Jahr 2023 beschwerten sich die Wienerinnen und Wiener wegen Personalengpässen bei der Wiener Verkehrsgesellschaft (Wiener Linien) heftig wegen kurzzeitiger Intervallverlängerungen auf sieben Minuten. Davon kann das Verkehrsnetz in Berlin nur träumen.

3. Obdachlosigkeit in der Stadt

Wo viele Menschen wohnen, gibt es auch welche, die das nicht tun. Obdachlosigkeit ist ein gutes Beispiel dafür, was die Stadt Wien anders macht als Berlin. Denn Obdachlosigkeit ist in vielen Großstädten Teil des Stadtbildes. In Berlin gibt es Orte, an denen Obdachlose auch Zuflucht finden, aber weitaus weniger als in Wien.

Auf Obdachlosigkeit kann man in Wien zwar ebenso stoßen. Aber zum einen gibt es dort signifikant weniger Wohnungslosigkeit und zum anderen sind die Menschen, die man auf der Straße trifft, nicht so verwahrlost wie in Berlin. Grund hierfür ist, dass die Stadt Wien vielerlei Institutionen geschaffen hat, die auf der Straße aktiv sind. Diese bieten Obdachlosen aktiv Hilfeleistungen an und informieren über weitere Anlaufstellen.

4. Günstige Wohnungen trotz Großstadt-Flair in Wien

Dies geht Hand in Hand mit dem Thema Wohnen. Denn wer besitzt in Europa die meisten Immobilien? Richtig, die Stadt Wien. Während in Berlin die Mieten steigen und steigen, bleiben sie in Wien auf einem konstant finanzierbaren Niveau. Da die Stadt Wien so viele Wohnungen hat, kann sie aktiv auf den Wohnungsmarkt einwirken und stets bezahlbares Wohnen für seine Bewohnerinnen und Bewohner garantieren.

Natürlich nicht für alle, sondern nur für jene, die dieses auch tatsächlich benötigen. Dies spiegelt auch in der Architektur wider. Denn die Wohnungen der Stadt Wien befinden sich überwiegend in sogenannten Gemeindebauten, die in der ganzen Stadt zu finden sind. Die Wiener Gemeindebauten zeichnen sich durch sachliche Architektur und hofseitigen Grünflächen aus. Sie kombinieren funktionale Wohnräume mit sozialen Gemeinschaftseinrichtungen.

5. Termin beim Amt in Berlin? Keine Chance!

Was für den Stadtraum gilt, gilt auch für die Verwaltung. Wien hat, im Gegensatz zu Berlin, nur ein Zentrum. Im Falle der Verwaltung ist das das Wiener Rathaus. Hier sind Wiener Stadtregierung und Bürgermeister ansässig.

Die Organisation ist in Wien eine andere. Die Strukturen dort sind schlanker, einzelne Entscheidungsträger haben größere Zuständigkeitsbereiche. Ein weiterer Unterschied liegt in der Stellung der Bezirke. In Wien haben diese weniger Kompetenzen und Budget als deren Berliner Pendants. Obwohl beide Städte gleichzeitig Bundeshauptstadt und Bundesland sind, gibt es auch in der Kompetenzverteilung in Bezug auf die höhere Ebene, den Bund, Unterschiede.

Und woran merkt man nun, eine bessere Verwaltung? Stichwort: Wohnsitz. Um diesen in Berlin anzumelden, benötigt man einen Termin beim Amt. Und diese sind in Berlin rar gesät. Da kann es schon einmal zwei Monate dauern, bis man einen Termin bekommt. In Wien geht das deutlich schneller. Dort kann es sogar schon innerhalb weniger Tage klappen. Ein Zustand, der in Berlin undenkbar ist.

Fakt am Rande: Der Wiener Bürgermeister heißt seit 30 Jahren Michael. 24 Jahre davon war sein Nachname Häupl und seit sechs Jahren ist sein Nachname Ludwig.

Wien thront über Berlin

Abschließend lässt sich resümieren, dass Wien nicht grundlos die lebenswerteste Stadt der Welt ist. Und wer zwischen Käsekrainer essen und Fiaker fahren auch noch Zeit für Kultur hat, wird mit Sicherheit nicht von der Stadt enttäuscht werden.

Zweifellos gehört Berlin ebenfalls zu den schönsten Flecken auf der Erde. Und es wäre nur fair, wenn sich Berlin gegen die hier erhobenen Vorwürfe verteidigen könnte. Deshalb wird ein gebürtiger Berliner auf diesen Text auf diesem Portal demnächst antworten.

Wien kann Berlin meinem Erachten nach allerdings nur schwer das Wasser reichen – das Wiener Leitungswasser gehört im Übrigen ebenfalls zu den besten der Welt. Vielleicht führt der nächste Urlaub dann ja von Berlin aus in die lebenswerteste Stadt der Welt. Denn eines ist sicher, so wie es schon der Sänger Billy Joel sang: „Vienna waits for you.“