Staatstheater Cottbus: „Komm! Ins Offene!“ – das bietet die neue Spielzeit

Gegen die Langeweile bietet das Staatstheater Cottbus in seiner Spielzeit 2024/25 rund 400 Veranstaltungen.
Bernd SchönbergerUnter dem Motto „Komm! Ins Offene!“ geht das Staatstheater Cottbus in die neue Spielzeit 2024/25. Am Mittwoch (22. Mai) wurde der Plan vorgestellt. Insgesamt stehen darin 16 Premieren in Schauspiel, Oper, Ballett sowie acht Philharmonische Konzerte und zahlreiche Sonderformate.
Wenn auch gerade erst Hasko Weber als designierter Intendant vorgestellt wurde: Der erfahrene Regisseur übernimmt erst in einem Jahr die Interims-Regie am Viersparten-Haus. Indes hat Stephan Märki in seiner letzten Spielzeit am Staatstheater noch einmal Gelegenheit, seine Vision von einem „lebensrelevanten“ Theater Wirklichkeit werden zu lassen.
Auslastung des Staatstheaters noch nicht auf Vor-Corona-Stand
„Das Publikum ist aus Pandemie und Verunsicherung zurück“, erklärt er mit Blick auf die laufende Saison. Und muss doch einräumen: In der Auslastung sind die Vor-Corona-Zahlen noch nicht erreicht. Genaue Zahlen nennt er nicht. Märki verweist stattdessen auf künstlerische Höhepunkte über alle Sparten hinweg und Nominierungen für Theaterpreise. Und: Trotz schwieriger Zeiten und teils experimentellen Programms stehe das Haus finanziell sehr gut da.
Stephan Märki selbst inszeniert zum Abschied eine Rarität der Opernliteratur: Alexander Zemlinskys „Kleider machen Leute“. In der Fassung von 1913 erlebt das Stück, das in den Wirren des Ersten Weltkrieges nicht auf die Bühne kam, in Cottbus seine Uraufführung. Und noch ein Abschiedsgeschenk hat der scheidende Intendant für sein Publikum – die Wiederaufnahme seiner Wagner-Inszenierung „Tristan und Isolde“.
Erster Spielplan für neue Ballett-Doppelspitze am Staatstheater
Ist es für Märki der letzte Spielplan, so ist es für die neue Doppelspitze des Balletts Inma López und Stefan Kulhawec zwar nicht der Erste, an dem sie tänzerisch mitwirken, wohl aber der Erste in künstlerischer Verantwortung.

Stellte das Programm für die neue Spielzeit 2024/25 vor: das künstlerische Team des Staatstheaters Cottbus
Bernd SchönbergerVor dem Führungswechsel hatte der langjährige Ballettdirektor Dirk Neumann erstklassige Leistungen und Choreografien von internationalem Format herausgefordert. Hochkarätige Tanzabende, die sich bei den Zuschauern großer Beliebtheit erfreuten und fast immer ausverkauft waren.
Rund 300 Cottbuser gestalten Spielplan mit
Standing Ovations lassen vermuten, dass die erste Produktion unter neuer Leitung im wahrsten Wortsinn „Unter die Haut“ geht. „Mit Herz und Verstand“ heißt die erste Ballettpremiere der neuen Spielzeit, die die beiden neuen Ballettdirektoren auch als Credo ihrer Führungsarbeit verstanden wissen wollen. Für den dreiteiligen Abend am 8. März 2025 im Großen Haus konnten sie die international renommierten Choreografen gewinnen. Das Beste soll nach Cottbus, sind sie sich einig und stellen dabei mit einem Verletzungspräventionsprogramm auch noch ganz andere wichtige Weichen für die Zukunft.
„Das Eigene und das Fremde“ steht über dem Konzertprogramm, mit dem Generalmusikdirektor Alexander Merzyn zu Perspektivwechsel einlädt und zur Entdeckung von Unbekanntem. Leonie Arnhold vom Jungen Staatstheater macht deutlich, dass rund 300 Cottbuser, vom Extrachor bis zum Theaterjugendklub, den Spielplan mitgestalten: „Wir sagen ihnen: Wir machen Theater mit euch und für euch.“
Viele regionale Bezüge als Teil des Programms am Staatstheater
Und so will auch das Leitungsteam im Schauspiel noch stärker auf die Erfahrungen und Diskurse in der Region achten, verspricht Franziska Benack. Ermutigend klingt, dass am 28. September 2024 in Kooperation mit der BTU eine Premiere ansteht, die nicht nur lebensrelevante Fragen in der Lausitz berührt. Es ist die Bühnenfassung von Brigitte Reimanns Roman „Franziska Linkerhand“, der unvollendete Traum von einem menschenwürdigen Leben. Überhaupt wird es viele regionale Bezüge geben, kündigen Franziska Benack, Armin Petras und Philipp Rosendahl an, die sich als Dreierspitze nach der kommenden Spielzeit verabschieden.
Nicht ohne einen klassischen Abgang. Auf eine außergewöhnliche Hamlet-Premiere macht die Geschäftsführende Dramaturgin Corinna Jarosch aufmerksam. In der Regie von Armin Petras ist am 29. März 2025 ein Rock-Varieté, erneut nach der Musik der britischen Anarcho-Opern-Straßen-Band „The Tiger Lillies“, zu erleben.
„Ist es diesmal ein vernünftiges Stück?“ So fragt darin ein Schauspieler, was er wohl schon von manch entnervtem Zuschauer zu hören bekam. Eines kann die Dramaturgin versichern: „Vernünftig ist es nicht. Aber ein großes Theatervergnügen.“

