Staatstheater Cottbus
: Doppelspitze leitet künftig Ballett

Neustart beim Ballett des Staatstheaters Cottbus. Inma López und Stefan Kulhawec bilden die neue Direktion des Ensembles.
Von
Volkmar Draeger
Cottbus
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Bilden gemeinsam die neue Ballettdirektion am Staatstheater Cottbus: Inma López und Stefan Kulhawec

Bilden gemeinsam die neue Ballettdirektion am Staatstheater Cottbus: Inma López und Stefan Kulhawec

Bernd Schönberger

Das offene Viertel einer Erdkugel wölbt sich in die Szene hinein. Längen- und Breitengrade gliedern den Globus-Dom, Griffe wie beim Mountain Climbing laden zum Erklettern des konkaven Gebildes ein. Neun Tänzerinnen und Tänzer in inkarnatfarbenen Trikots liegen verschweißt zu einem Über-Körper unter der gewaltigen Kuppel auf der Kammerbühne.

Daraus entwickeln sich liebevolle, harmonische Begegnungen, die in engem Kontakt Emotionen ausleben, wie sie direkt den Körpern entspringen, sich von Körper zu Körper mitteilen. Einsamkeit, Umwerben, umarmende Erfüllung, auch den gemeinschaftlich aufgefangenen Tod als Zielpunkt des Lebens begreift das Geschehen ein. Wenn am Ende des 70-minütigen, musikalisch sanftmütig begleiteten Parcours voll origineller Annäherungen und Liebesklammerungen ein Baby wonnig brabbelt, hat sich der Lebenskreis geschlossen.

Eine Uraufführung als Zäsur am Staatstheater Cottbus

„Alma de la piel – Unter die Haut“ nennt Inma López ihr berührendes Tanzstück für das Ballett am Staatstheater Cottbus. Eine Uraufführung und zugleich ein Abend der Zäsuren. Die aus Valencia gebürtige Spaniern gibt damit in ihrer 14. Spielzeit am Haus ihr Debüt als Choreografin; Stefan Kulhawec, Star des Ensembles, verabschiedet sich mit der unter die Haut gehenden Produktion nach 13 Jahren als aktiver Tänzer.

Grund zu Wehmut besteht indes nicht: López und Kulhawec haben bereits im Februar das Erbe des verdienstvollen Ballettdirektors Dirk Neumann angetreten. Seither leiten sie als Doppelspitze die elfköpfige Compagnie, planen, organisieren, geben umsichtig das Training und stellen die Weichen in die Zukunft der Gruppe.

Inma López ist für ihre Aufgabe gut gerüstet

Dass Inma López choreografiert, kommt nicht von ungefähr. Nach ihrer Tanzausbildung und als Mitglied eines spanischen Jugendballetts absolvierte sie in Madrid ein Bachelor- und ein Masterstudium in Sachen Choreografie, ist so auch theoretisch für diese schöpferische Arbeit gerüstet.

Die Tänzer Alessandro Giachetti (l-r), Alessandra Armorina, Davide Degano, Stefan Kulhawec, Clara Dufay, Kate Farley, Alyosa Forlini und Nyla Tollasepp tanzen bei einer Fotoprobe zu «Freddie» in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus. Die Uraufführung des Ballettabends von James Sutherland über Freddie Mercury hat am 6.5.2023 Premiere.

04.05.2023, Brandenburg, Cottbus: Die Tänzer Alessandro Giachetti (l-r), Alessandra Armorina, Davide Degano, Stefan Kulhawec, Clara Dufay, Kate Farley, Alyosa Forlini und Nyla Tollasepp tanzen bei einer Fotoprobe zu «Freddie» in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus. Die Uraufführung des Ballettabends von James Sutherland über Freddie Mercury hat am 6.5.2023 Premiere. Foto: Frank Hammerschmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Stefan Kulhawec (Mitte) als Tänzer bei einer Fotoprobe zu „Freddie “ in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus im Jahr 2023.

Frank Hammerschmidt/dpa

Auch der ukrainischstämmig im australischen Melbourne geborene Kulhawec mit einem Hintergrund als Leistungsturner, ehe der Tanz seine Leidenschaft wurde, brennt für die neue Funktion als Co-Direktor. War für López die Rolle der Frida Kahlo einer der Höhepunkte ihrer Karriere, wurde Kulhawec gleich in der ersten Cottbuser Saison als Romeo besetzt.

Vielseitigkeit und Virtuosität sind Kulhawecs Markenzeichen

Es folgten verschiedenste Charaktere, etwa der Verführer Lord Henry in einer Choreografie um Oscar Wildes Dorian Gray. Vielseitigkeit und Virtuosität wurden Kulhawecs Markenzeichen, obwohl er sich bescheiden als Tänzer empfindet, der eher seine Partnerinnen gut präsentiert. Die Max Grünebaum-Stiftung sah das anders und zeichnete ihn 2014 für besondere tänzerische Leistungen nicht zuletzt als Solist mit dem Max-Grünebaum-Preis aus.

Nun folgt auch für ihn der Wechsel ins andere Metier, das des Co-Leiters. Frischen Wind und neues „Blut“ will das Duo in die Compagnie bringen, nicht nur eine Übergangs-Leitung sein, bis der nächste Intendant kommt. Stefan Märki, der gegenwärtige Theaterleiter, hat sie berufen und unterstützt sie nach Kräften. Die Gruppe soll bewusster Teil der aktuellen Tanzszene sein und renommierte Gastchoreografen kennenlernen – als Fortführung der in 18 Spielzeiten bewährten Strategie von „Übervater“ Dirk Neumann.

Neue Talente im Ballett des Staatstheaters Cottbus

Für die Saison 2024/25 ist ein Coup gelungen: für einen Dreiteiler konnten mit Mauro Bigonzetti Italiens seit Jahren führender Tanzschöpfer, mit dem Spanier Cayetano Soto ein preisgekrönter Schrittmacher der jüngeren Generation verpflichtet werden. Auch der Franzose Brice Asnar wird als aufstrebendes Talent in Cottbus arbeiten.

Mit Elan gehen López und Kulhawec an ihre Leiteraufgaben. Persönlichkeiten wollen sie entwickeln helfen, damit nicht nur Körper auf der Bühne stehen. Kommunikation mit der Truppe gehört dazu. Das Cottbuser Ballett soll auch dem choreografischen Nachwuchs eine Plattform bieten. Zudem planen sie ein Präventionsprogramm zur Tänzergesundheit. Für ihre zwei frei werdenden Positionen konnten sie aus 800 Bewerbungen wählen. Wenn das kein Zeichen für Wertschätzung schon am Anfang eines Weges ist!

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