Staatstheater Cottbus
: „Die Liebe zu drei Orangen“ – heitere und hintersinnige Oper

In seiner Inszenierung der Oper „Die Liebe zu drei Orangen“ am Staatstheater Cottbus hat Tomo Sugao Spaß, Satire, Komik und Kommentare wunderbar zusammen und auf den Punkt gebracht.
Von
Ute Grundmann
Cottbus
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In der Oper „Die Liebe zu drei Orangen“ am Staatstheater Cottbus zu sehen: Anne Martha Schuitemaker (Ninetta) und Konstantin Lee (Prinz).

Frank Hammerschmidt

Die Hofschranzen fechten mit Riesenbleistiften und das Orchester spitzt sie ordentlich an. Denn es ist etwas faul im Königreichlein: Papa Königs Thron ist ein Riesenkindersitz, Sohn Prinz lässt nicht nur die Zacken seiner Krone, sondern auch seine Laune hängen.

Also muss er lachen (und lieben) lernen, um mal ein anständiger Thronfolger zu werden. Doch in Sergej Prokojews bittersüßer Parabel „Die Liebe zu drei Orangen“ haben nicht wenige etwas gegen solche Harmonie.

Heerscharen von Menschen auf der Bühne in Cottbus

Und so funkelt zu Beginn ein güldener Lamellenvorhang vor sich hin. Doch schnell brechen weiß gekleidete Heerscharen von Menschen durch, zarte Clownsakzente in den Gesichtern, flache Zylinder, Kochmützen, spitze Clownshüte auf dem Kopf. Und der Prinz in goldenen Pumphöschen trägt ein Totenköpfchen in den Händen.

So hat Tomo Sugao schnell und unangestrengt Oben und Unten auf der großen Bühne versammelt, die alle ihre Rollen spielen wollen. Der in einen Teppich gehüllte König (Philipp Mayer) barmt um seinen Sohn, der nicht lachen mag, lieber seine Plüschteddys festhält. All die schnell gestellten Diagnosen für die Unlust werden bis zur „hypochondriotischen Verschleimung“, unheilbar natürlich, im Staccato-Gesang kundgetan.

Für Bühne und Kostüme wurde tief in die Trickkiste gegriffen

Nach diesem furiosen Auftakt schleichen sich die Intriganten an, die dem Prinzen keinerlei Lachen, sondern Schlimmeres wünschen. Da ist die thronsüchtige Prinzessin Clarice (Rahel Brede), dessen kurzes Wallekleid so rot wie ihre Haare ist. Auch Leander (Nils Stäfe), in gold und rot glänzende, aber irgendwie schiefe Robe gekleidet, wäre ein Trauerkloß am Hof wohl lieber. Carola Volles, für Bühne und Kostüme verantwortliche, hat nicht nur hier tief in die Trickkiste gegriffen. Der herbeigerufene Truffaldino (Dirk Kleinke) trägt Gaukler-Frack und Pumphosen, die aber schon lange in Gebrauch scheinen.

Inszeniert hat die Oper Tomo Sugao, für die die farbenfrohen Kulissen und Kostüme zeichnet Carola Volles verantwortlich.

Frank Hammerschmidt

Er schlägt dem Prinzen (Konstantin Lee) singend nicht nur Spiele und Allotria vor, er vertanzt sie auch genau im Takt. Das lenkt den Prinzen nicht im mindestens von seinem Pandabären ab. Das Groteske an solchen Situationen trägt zunächst die Musik bei, die anschrägt, aufmüpft; Komik wie Klage sind in Spiel, Gesang und Musik nie gemütlich, wunderbar dirigiert von Johannes Zurl.

Prokofjew ließ sich von Carlo Gozzi inspirieren

Das wäre auch weder im Sinne des Komponisten noch des Regisseurs. Denn Prokofjews hat sein Werk einem Stück des Commedia d'ell arte-Genies Carlo Gozzi nachempfunden. Und Somo Tugao mag die Adorno-Sentenz im Programmheft „Aufgabe von Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu bringen“ mitgedacht haben, um heutigen Klüngel und Kompromisse mitzudenken. Doch dem muss man nicht folgen, man darf auch einfach Spaß haben. Einmal aber gibt es einen Volltreffer, als Smeraldina mit grasfarbigem Federkopf „Grüne“ genannt und „Ein Elend“ hinterhergeschickt wird. Da ist vernehmliches Kichern zu hören.

Verwirrspiel am Staatstheater Cottbus

Nur zwei Protagonisten haben keine „verrückten“ Stellen an ihrer Kleidung. Die souveräne, starke, unangreifbare Fata Morgana von Gesine Forberger, die das Publikum in die Pause schickt. Wieder hereingeholt wird es vom guten Zauberer Celio (Andreas Jäpel), tadellos blau gestreift und gepunktet. Dass er wunderbar lyrisch sich lobt „Ich bin vom Theater und bin ein großer Magier“, zieht eine weitere Ebene ein. Aber das Verwirrspiel muss ja weitergehen.

Etwas ist faul im Königreichlein: Gloria Jieun Choi (Smeraldina, l-r), Nils Stäfe (Leander), Konstantin Lee (Prinz) und Rahel Brede (Prinzessin Clarice)

Frank Hammerschmidt

Weil Smeraldina die Fata Morgana geärgert hat, wird dem Prinzen ins Ohr geträufelt, er müsse drei Orangen finden und lieben. Wieder wollen einen helfen, die anderen das ganze Gegenteil. Wenn nichts mehr hilft, schreiten Chor und Extrachor ein. Die Töne hat Christian Möbius einstudiert, die Bewegungen Ruben Reniers. So singen, tanzen, fächern sie Leute schon mal von der Bühne. Das hat auch in dieser zweiten Vorstellung immer Spannung, Spaß und Hintersinn und offenbar haben auch die Protagonisten großes Vergnügen, mal ganz anders zu erscheinen als gewohnt.

Viele Abenteuer für „Die Liebe zu drei Orangen“

Doch bis der Prinz endlich, nun strahlend, hell und sicher seine Liebe zu drei großen, originalgetreuen Orangen finden und feiern kann, gibt es noch mehr Abenteuer. Denn zur Küche, wo sie versteckt sind, führt ein Parcour aus Obst, Gemüse und Bratwurst. So vergehen vier Akte und ein Prolog wie im Fluge und den langen, verdienten Applaus holt sich das Riesen-Ensemble im Takt der bekanntesten „Orangen“-Melodie ab.

Die nächsten Termine

● 25. Februar 2024 (Sonntag): 16 Uhr

● 30. März 2024 (Samstag): 19.30 Uhr

● 27. April 2024 (Samstag): 19.30 Uhr

● 17. Mai2024 (Freitag): 19.30 Uhr

Tickets für „Die Liebe zu drei Orangen“ gibt es hier.