Gregorian in Cottbus 2025
: Tickets zu gewinnen für singende Mönche

Songschreiber Frank Peterson über den Erfolg des Popchors, ungewöhnliche Fans und die Platte „25/2025“. Für das Konzert in Cottbus gibt es Tickets zu gewinnen.
Von
Olaf Neumann
Cottbus
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Gregorian gehen mit ihrem Album 25/2025 auf Tour und kommt auch nach Cottbus. Die LR verlost 3x2 Tickets.

Gregorian gehen mit ihrem Album 25/2025 auf Tour und kommt auch nach Cottbus. Die LR verlost 3x2 Tickets.

Anne Schulz
  • Gregorian-Chor feiert 2025 Jubiläum mit Tour und Album "25/2025", Tickets für Cottbus-Konzert zu gewinnen.
  • Frank Peterson gründete den Chor 1999, blickt auf 40 Mio. verkaufte Tonträger zurück.
  • Jubiläumsalbum enthält Klassiker wie "Follow You Follow Me" und "The Sound of Silence".
  • Peterson spricht über Musikgeschäft, Konzerte in Russland und Ukraine-Konflikt.
  • Teilnahme an Ticketverlosung vom 10.03. bis 23.03.25.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Gregorian heißt der ungewöhnliche Chor, den der erfolgreiche Produzent, Musiker und Songschreiber Frank Peterson 1999 ins Leben gerufen hat. Die singenden „Mönche“ stellen jetzt ihr Jubiläumsalbum „25/2025“ auf einer großen Tournee vor - am 29. März treten sie in der Stadthalle in Cottbus auf. Olaf Neumann sprach vorab mit Mastermind Peterson. Der 61-jährige Hamburger, der als der „Anti-Bohlen“ gilt, blickt auf über 40 Millionen verkaufter Tonträger zurück. Ein Gespräch über das Musikgeschäft von heute, Konzerte in Russland und einen besonderen Fan, den er sich nicht aussuchen konnte.

Herr Peterson, Ihr Projekt Gregorian ist mittlerweile 25 Jahre alt. Überrascht es Sie manchmal noch, dass Sie mit Rock- und Popsongs im sakralen Gewand so erfolgreich sind?
Das ist wahrscheinlich die Formel, die einfach funktioniert. Und warum auch nicht. Die Songs, die wir aufnehmen, sind ja nicht schlechter geworden und auch der Chor klingt immer noch genau so wie vor 25 Jahren. Wir haben weltweit ein Alleinstellungsmerkmal. Man kann mit dieser Formel auch nicht so richtig falsch liegen. Die Darbietungsweise wird diesen Songperlen gerecht mit Gesang, der seit dem Mittelalter Bestand hat. Das, was nach Reißbrett aussieht, aber sehr organisch klingt, scheint den Leuten seit 25 Jahren zu gefallen.

Verlosung - 3 x 2 Tickets für das Konzert in Cottbus zu gewinnen

Wann: Teilnahme vom 10.03. bis 23.03.25 möglich

Was: 2x3 Tickets für Gregorian - 25 Jahre Masters of Chant am 29. März 2025 um 20 Uhr in der Stadthalle Cottbus, Berliner Platz 6, 03046 Cottbus

Wo: Teilnahme über https://abo.lr-digital.de/gregorian

Wie muss ein Titel beschaffen sein, damit Sie ihn neu interpretieren?
Gregorianik verzichtet auf Halbtöne, das ist bei den meisten Popsongs auch so. Die klingen, wenn man sie gregorianisch singt, fast immer authentisch. Wir sind sehr bemüht, Songs, die man kennt, neues Leben einzuhauchen. Wir haben das jetzt sogar mit unseren eigenen Songs gemacht, die wir vor 20 Jahren aufgenommen haben.

In dem neuen Album interpretieren Sie Klassiker wie „Follow You Follow Me“, „One“, „The Sound of Silence“ oder „Scarborough Fair”. Haben diese Songs Ihre persönliche Weltsicht geprägt?
Das sind alles Songs, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich einfach liebe. Wir haben noch nie einen Titel aufgenommen, den ich furchtbar finde. Das ist meine persönliche Lebens-Playlist. In den meisten Fällen deckt sich mein persönlicher Geschmack mit dem Massengeschmack. „One" von U2 zum Beispiel ist simpel wie ein Folksong. Wir haben daraus etwas völlig anderes gemacht. Richtig gute Songs kann man auf dem Klavier spielen oder fett produzieren – sie werden immer gute Songs bleiben.

Sie haben Ihren ersten Single-Hit „Moment Of Peace“ aus dem Jahr 2001 neu aufgenommen. Welcher Konflikt hat Amelia Brightman damals zu dem Text inspiriert?
Gibt es solche Konflikte nicht ständig irgendwo auf der Welt? Ich weiß nicht mehr, wann Amelia den Text geschrieben hat, auf jeden Fall spielen wir ihn noch. Leider Gottes ist er immer aktuell. Bei einer unseren Tourneen hatten wir Bilder vom Bürgerkrieg in Syrien auf einer Leinwand eingeblendet. Das war ein bisschen ein Downer für unser Publikum. Im Nachgang bereue ich dies ein wenig.

Mit dem Stück sind Sie auch schon in Israel aufgetreten. Können Sie sich an die Reaktionen erinnern?
Wir sind auf Einladung des Papstes bei einem Friedensfest in der Nähe von Nazareth in einem uralten Amphitheater aufgetreten. Das israelische Publikum liebt uns, wir spielen da öfter. Im Moment ist es aber leider eher schwierig.

Sind Sie vor dem Überfall auf die Ukraine auch in Russland aufgetreten?
Wir haben große Tourneen mit der Transsibirischen Eisenbahn in ganz Russland unternommen, sind in Wladiwostok und in ganz großen Arenen aufgetreten. Ein paar Wochen vor dem Attentat des Isis in der Krokus-Halle haben wir dort noch gespielt, aber seit dem Ukrainekrieg sind wir nicht mehr in Russland gewesen. Ich weiß nicht, wann es mal wieder soweit ist und ob ich überhaupt noch Bock auf das Land habe. Aber Russland ist uns als Markt spürbar weggebrochen, und für unsere Fans dort tut es mir sehr leid.

Ist auch der Kontakt zu russischen Fans und Veranstaltern abgebrochen?
Ja, das kann man so sagen. Wir haben auch öfters in der Ukraine gespielt, wo wir viele Fans haben. Uns liegen Angebote sowohl aus Kiew als auch aus Tel Aviv vor. Die wollen zeigen, dass es bei ihnen weiter geht wie gewohnt, aber ich will das nicht riskieren. Das passt jetzt einfach nicht.

Haben Lieder heutzutage noch eine Wirkung?
Das weiß ich nicht. Musik ist sowohl textlich als auch musikalisch sehr oberflächlich geworden. Auch, wie sie konsumiert wird. Sie ist ein bisschen zu einem Wegwerfprodukt verkommen. Früher hat man sich von seinem Taschengeld vielleicht ein Album pro Monat leisten können, und darauf hat man aufgepasst wie auf seinen Augapfel. Heute hingegen hat man ein Streaming-Abonnement. Dementsprechend geht Musik nicht mehr so richtig nah und hat auch nicht mehr das, was Generationen verändern kann.

Wer kann sich eine aufwändige Studioproduktion überhaupt noch leisten?
Leute, die Spiele produzieren. Ich habe mit Sarah Brightman kürzlich einen Song für ein chinesisches Computergame produziert. Die verfügen noch über solche Budgets. Oder Leute, die in Hollywood Filme machen.

Die großen Studios wie Abbey Road müssen sich also keine Sorgen machen?
Ich habe in der Abbey Road ungefähr so viele Songs aufgenommen wie die Beatles. In ganz Deutschland gibt es nur noch ein einziges Studio in der Art. Ein Tag mit dem London Symphony Orchestra im Abbey Road kostet 40.000 Pfund, und dann kriegt man vielleicht ein halbes Album eingespielt. Die Folge ist, dass alle auf Tour gehen. Die großen Acts wie Adele oder Guns N’Roses ziehen so viel Kaufkraft vom Markt, dass es für Newcomer echt schwer wird. Heute als Band, Musiker oder Produzent in der Musikbranche neu anzufangen, ist fast wieder brotlose Kunst wie in den 1950er und 1960er Jahren. Das liegt heute an der Umsonst- und Billigkultur von YouTube, Spotify und Co.

Haben die Streaming-Plattformen auch Vorteile?
Ja. Sie haben dafür gesorgt, dass man als Künstler wieder ein bisschen unabhängiger ist. Die Platten, die ich in den 1990ern für Marky Mark (Mark Wahlberg, die Red.) produziert habe, gab es nur in Deutschland, Österreich und in der Schweiz, weil alle ausländischen Schwestergesellschaften der hiesigen Plattenfirma sie nicht veröffentlichen wollten. Diese Songs liefen in England jeden Tag im Radio, aber man konnte sie nicht kaufen. Das ist heute anders. Wenn ich ein neues Gregorian-Album veröffentliche, ist es auf allen Plattformen sofort auf weltweit gestellt.

Kate Bushs Hit „Running up that Hill” von 1985 ist ein schmerzhaftes Beziehungslied über einen Deal mit Gott. Warum berührt es uns immer noch?
Vor allen Dingen, wenn ich daran denke, wie wir diesen Song live darbieten. Das macht schon eine Gänsehaut. Bei diesem Titel haben wir die Essenz des Songs wirklich toll umsetzen können.

Amelia Brightman wird mit Kate Bush verglichen. Ist sie bei der Gregorian-Jubiläumstour wieder mit dabei?
Sie ist seit 25 Jahren immer dabei. Amelia ist universal einsetzbar und kann sehr tief und auch sehr hoch singen. Auf der Bühne hat sie etwas von einer Elfe. Obwohl sie schon so lange dabei ist, klingt und sieht sie immer noch aus wie vor 25 Jahren. Sie ist sehr diszipliniert und trainiert sich und ihre Stimme. Einmal haben wir sie in Skischuhe gesteckt, und sie hat in sieben Metern Höhe performt. Amelia liebt die Herausforderung. Wir nennen sie unsere Showsoldatin, auf sie ist immer Verlass.

Aus welchen Kulturen und Religionen kommen eigentlich Ihre Chorsänger?
Das sind alles Profis, die auch in Kirchenchören singen. Mit Ausnahme unseres rumänischen Sopranisten Narcis kommen alle Gregorian-Sänger aus England, Irland und Wales. Die haben dort eine lange Chortradition und eine gute Studio-Infrastruktur - und sie singen akzentfrei. Wenn ich so etwas mache, dann nur in England, habe ich mir damals gesagt. Wir nehmen unsere Platten nur in umgebauten Kirchen auf, weil die authentisch klingen.

Bei Ihren Konzerten gibt es auch einen A-cappella-Teil. Wie wäre es mal mit einem reinen Stimmen-Album?
Das war eigentlich unser Plan bei dem „Pure Chants"-Projekt. Aber bei der Produktion der Popnummern wurde mir der reine A-cappella-Gesang zu langweilig. Ich brauche immer irgendetwas unter dem Gesang, was dynamisch ist und alles zusammenhält. Bei den Konzerten hingegen funktionieren diese Einlagen sehr gut, das ist wirklich ohne Netz und doppelten Boden. Aber es ist nur ein Highlight innerhalb des Konzertes.

Wie viel Zeit verbringen Sie eigentlich noch in Florida?
Gar keine mehr, ich habe da im letzten Jahr meine Zelte abgebrochen. Meine Tochter studiert inzwischen in New York, deswegen gab es für mich keinen Grund mehr, nach Miami zu fliegen.

Floridas berühmtester Bürger ist jetzt erneut zum US-Präsidenten gewählt worden.
In Florida gibt es fast mehr Puerto Ricaner, Kubaner und Mexikaner als Amerikaner. Ausgerechnet die haben an den Straßen immer Trump-Schilder hochgehalten. Immer wenn ich das sehe, denke ich: Der mag euch nicht. Versteht das doch endlich! Ich glaube, diese Angekommenen wollen nicht, dass noch mehr ankommen und ihnen die niedrig bezahlte Arbeit wegnehmen.

Seine Anhänger haben gefährliche Gewaltfantasien. Könnte Trump unter Umständen einen Bürgerkrieg auslösen?
Ja, das könnte er. Wir haben ja gesehen, was beim Sturm aufs Capitol passiert ist. Ich kenne auch ganz viele Familien, die sich entzweit haben. Diese gespaltene Gesellschaft haben wir in Deutschland auch ein bisschen. Wir hatten hier im internen Kreis brutale Fehden auszukämpfen mit Corona-Leugnern, die sich partout nicht impfen lassen wollten. In Amerika ist die Situation extrem verhornt. Es gibt im Land mehr als eine viertel Milliarde Waffen. Auf Pick-up-Trucks sieht man sehr oft den Aufkleber „My Family“: Eine Pistole, ein Maschinengewehr und verschiedene andere Knarren. Wenn du solch einem Typen mal den Parkplatz wegschnappst, was kann dir da alles passieren.

Gibt es an Trump aus Ihrer Sicht auch etwas Gutes?
Ja, er kauft alle meine CDs. Ich weiß das, weil er ein großer Fan von Sarah Brightman ist. Wenn wir in New York oder Washington spielen, ist er immer dabei. Immer. Und er kommt auch Backstage. Sarah beginnt in einem Monat ein neue Tour. Ich glaube, Trump steht schon auf der Gästeliste. Man kann sich seine Fans halt nicht aussuchen. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, wie 50 Prozent der Amerikaner diesem Typen komplett erlegen sind. Das ist wie eine Sekte. Er kann machen, was er will. An dem Spruch, er könne am Times Square am helllichten Tag jemanden erschießen, ohne dass ihm das irgendwie schadet, ist etwas dran.

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