Gemälde von Carl Blechen: Bund gibt NS-Raubkunst aus Cottbus an Erben zurück

Ein Tablet, auf dem in einem Browser der Internet-Auftritt der Lost Art-Datenbank geöffnet ist, in der internationale Such- und Fundmeldungen von NS-Raubkunst veröffentlicht werden.
Marijan Murat/dpaEin in der Nazi-Zeit geraubtes Gemälde von Carl Blechen ist an den Erben zurückgegeben worden. Das teilte die Kunstverwaltung des Bundes mit. Das Bild „Das Mühlental bei Amalfi“ gehörte einst Edgar Moor (1912 bis 1994). Er war der Neffe zweier jüdischer Brüder, deren Kunstsammlung in Berlin von den Nazis geraubt wurde.
Seit 1937 hatten die beiden Brüder Arthur und Eugen Goldschmidt in einer Wohnung in Wilmersdorf gelebt, umgeben von einer kostbaren Kunstsammlung. Neben niederländischen Gemälden des 17. Jahrhunderts seien dort französische und deutsche Gemälde des 19. Jahrhunderts – vorwiegend kleine und mittlere Formate – gezeigt worden, heißt es auf der Homepage des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA). Ein im Jahr 1939 im Zusammenhang mit der Testamentsvollstreckung entstandenes Inventarverzeichnis führe mehr als 900 Positionen an. Grafiken, Skulpturen, Ostasiatika-Objekte sowie zahlreiches kunstgewerbliches Porzellan sind dort ebenfalls überliefert. Daneben war die Wohnung, wie dem damaligen Sachverständigen-Gutachten zu entnehmen ist, mit französischen Möbeln aus den Stil-Perioden des 18. Jahrhunderts und kostbaren Teppichen sowie Tapisserien aus den Brüsseler Werkstätten des 17. Jahrhunderts ausgestattet.
Infolge der Novemberpogrome 1938 nahmen sich die Brüder Arthur und Eugen Goldschmidt das Leben. Ihr Neffe Edgar Moor und ihre Nichte Irmgard Hoeniger erbten den Nachlass. Beide Erben waren zu diesem Zeitpunkt bereits in die USA beziehungsweise nach Südafrika emigriert, heißt es beim BLHA. 1939 fiel der gesamte Nachlass durch den Tod der Nichte an Edgar Moor. Die Kunstsammlung blieb in der Wohnung seiner Onkel, wo sie im Juli 1942 von der Gestapo beschlagnahmt wurde. Die Sammlung Arthur und Eugen Goldschmidt wird vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv als Fallbeispiel präsentiert.
Gemälde von Carl Blechen sollte ins „Führermuseum“
Carl Blechen (1798 bis 1840), der aus Cottbus stammte und in Berlin starb, war neben Caspar David Friedrich einer der bedeutendsten deutschen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Sein Gemälde „Das Mühlental bei Amalfi“ war im Zuge von Blechens Italienreise 1830 entstanden und beruht auf einer Studie aus dem auf der Reise entstandenen Skizzenbuch. Es wurde zuletzt als Leihgabe des Bundes von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum – Park und Schloss Branitz in Cottbus gezeigt.
NS-Diktator Adolf Hitler wollte das Bild nach dem Zweiten Weltkrieg mit anderen Werken in einem „Führermuseum“ ausstellen. 1945 wurde es vermutlich aus dem sogenannten Führerbau gestohlen, wie die Kunstverwaltung des Bundes schreibt. Über die Münchner Kriminalpolizei gelangte es letztlich in den Besitz des Bundes.
Nun wurde das Gemälde an ein Familienmitglied der Familie Moor zurückgegeben, wie eine Sprecherin der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mitteilte. Der Empfänger sei der „personal representative“ nach US-amerikanischem Recht, eine Art Testamentsvollstrecker. Andrea Enderlein, Vertreterin des Restitutionsberechtigten nach Moor, wird in der Pressemitteilung der Kunstverwaltung des Bundes so zitiert: „Die Rückgabe des Kunstwerkes ist von großer Bedeutung für die Familie und deren Geschichte. Mein Mandant ist sehr dankbar für die damit einhergehende Anerkennung der Tatsache, dass dieser Kunstraub das Resultat von Hetze und der Verfolgung der Brüder Dr. Arthur Goldschmidt und Dr. Eugen Goldschmidt gewesen ist.“
Auswertung der Akten des Oberfinanzpräsidenten führte zum Ziel
Die Restitution wurde durch Recherchen der Kunstverwaltung des Bundes und des von Kulturstaatsministerin Claudia Roth geförderten „OFP-Projektes“ am Brandenburgischen Landeshauptarchiv möglich. Dabei handelt es sich um Akten des Oberfinanzpräsidenten (OFP) - eine während der Nazi-Zeit aktive Finanzbehörde, die die Vermögen von als jüdisch oder „reichsfeindlich“ verfolgten Personen verwertete.
Kulturstaatsministerin Claudia Roth erklärte laut einer Pressemitteilung: „Mit der Rückgabe des NS-verfolgungsbedingt entzogenen Gemäldes von Carl Blechen werden nun auch die Schicksale von Arthur und Eugen Goldschmidt sowie Edgar Moor ein Stück weit sichtbarer. Dafür danke ich dem gesamten Forschungsteam der Kunstverwaltung des Bundes und des OFP-Projekts von Herzen.“


