Ein Einkaufszentrum, eine Grundschule, ein Park: Der 1798 geborene Künstler Carl Blechen ist ein waschechter Cottbuser und aus dem Bild der Stadt nicht mehr wegzudenken. Doch fast 200 Jahre nach dessen tragischen Tod weiß man über den Lausitzer nur wenig. Was allerdings sicher ist: Carl Blechen ist einer der bedeutendsten deutschen Landschaftsmaler der 19. Jahrhunderts.

Von Cottbus nach Italien

Auch wenn Carl Blechen am 29. Juli 1798 in der Luckischen Gasse, am heutigen Standort des Rathauses, geboren wurde, verbindet den Lausitzer nur wenig mit seiner Heimat. Frühere Stadthistoriker haben herausgefunden, dass Blechens Eltern keine glückliche Ehe führten und auch seine Kindheit deshalb wohl nicht fröhlich war. Schon mit 17 ging Blechen nach Berlin, um eine Lehre als Bankkaufmann zu absolvieren. 1821, Blechen war gerade einmal 22 Jahre alt, nahm sich sein Vater das Leben. Nach Hause zog es den jungen Mann fortan nicht mehr.

Lausitzer Geschichte Von Cottbus in den Wahnsinn

Cottbus

Stattdessen zog es ihn nach Italien – so wie viele Künstler der damaligen Zeit. Die Motive, die Natur, das Licht: Blechen findet seinen Stil und hebt seine Kunst auf eine neue Stufe. Nicht mehr romantisch, sonder realistisch wirken seine Gemälde plötzlich. Anders als andere Künstler seiner Zeit malt Blechen keine großen Landschaftsbilder, sondern kleine Ausschnitte davon. Um eine Stimmung einzufangen, braucht Blechen kein Panorama, sondern nur ein Detail.

Selbst mit dem König legt sich Blechen an

Zwar zählt Carl Blechen schon zu Lebzeiten als großer Künstler seiner Zeit, doch nicht immer trifft seine realistische Landschaftsmalerei auch den Geschmack der Konsumenten. Blechen ließ sich selbst von König Friedrich Wilhelm II. nicht davon abbringen, dass seine Kunst auch einen Preis hat.

Im Auftrag des Königs fertigte Carl Blechen zwei Gemälde zur Ausstattung des Palmenhauses in Potsdam an. Als der König und der Maler über den Preis in Streit gerieten, vermittelte des Königs Architekt – der kein geringerer war, als der große preußische Baumeister und Architekt Karl Friedrich Schinkel.

Schinkel hat er es zu verdanken, dass er vom König überhaupt wahrgenommen wird und in adeligen Kreisen verkehrt. Er verhilft ihm schon in frühen Jahren zu einer Anstellung als Bühnenmaler und später sogar zu einer Professorenanstellung an der Akademie der Künste. Auch Caspar David Friedrich, den bedeutendsten Künstler der Frühromantik, soll Blechen persönlich gekannt haben.

Das tragische Ende von Carl Blechen

Licht und Schatten – das zeichnet nicht nur die in Italien entstandenen Werke Blechens aus, sondern auch sein Leben. Bereits 1836, Blechen ist gerade einmal 38 Jahre alt, lässt er sich von seiner Lehrtätigkeit an der Akademie krankschreiben. Der Grund: geistige Umnachtung. „Es ist nicht leicht, in wenigen Worten die Tragödie des physischen und psychischen Zusammenbruches, die Wirrnis von Hilflosigkeit, Verzweiflung, Fehlurteilen, gut gemeinten, aber ungeeigneten und schädlichen Heilungsversuchen darzustellen, die in den letzten Lebensjahren des Künstlers zu unablässiger Qual für ihn und seine Frau wurden“, schreibt Irma Emmrich in einer Biografie von 1989. Was aus Carl Blechen geworden wäre, wenn er nicht schon jung im Alter von 42 Jahren an seiner Krankheit verstorben wäre, bleibt nur zu erahnen.