Ausstellung in Doberlug-Kirchhain: Wie der Adel lebte - Schätze aus Preußen in Schloss Doberlug
Die Pracht ist allgegenwärtig. Ganz gleich, worauf der Blick in den Ausstellungsräumen im Schloss Doberlug fällt. Herrschaftliche Porträtgemälde zwischen Möbelstücken voller verschwenderischer Intarsien, aufwendig verzierte Porzellanstücke neben filigranen Tischleuchtern. Und da wäre noch das vergoldete Service, mit dem die Burggräfin einst ihre morgendliche Toilette bestellte. Kosmetikutensil und Statussymbol zugleich.
Einst waren es alltägliche Gebrauchsgegenstände. Heute sind die Objekte gesprächige Zeugnisse einer Familiengeschichte – und einer Adelskultur, an deren einstiger Wirkungsstätte heute lediglich Ruinen ein Damals erahnen lassen. Sie gehörten einst den Burggrafen, Grafen und Fürsten zu Dohna-Schlobitten, über Jahrhunderte hinweg eines der einflussreichsten Adelshäuser Ostpreußens.
Coup für das Museum Schloss Doberlug
Ab 18. Juni sind große Teile des rund 2000 Objekte umfassenden Inventars in der Ausstellung „Vom Feinsten. Preußische Adelsschätze in sächsischen Mauern“ für die Öffentlichkeit zugänglich. Für das Museum Schloss Doberlug in der Niederlausitz ist die Schau ein Coup. Immerhin wird in dem einst sächsischen Renaissancebau die über Jahrhunderte angehäufte Sammlung erstmals in nahezu ganzer Vielfalt einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Kosmetikutensil und Statussymbol in einem: Toilettenservice der Burggräfin Amalie Luisa zu Dohna-Schlobitten (um 1715, vergoldetes Silber)
Michael HeiderZuvor war die Leihgabe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) lediglich in Teilen ausgestellt, unter anderem im Berliner Schloss Charlottenburg. Einen großen Teil des Inventars übergaben die Dohna-Schlobittens bereits Ende der Siebzigerjahre an die West-Berliner Schlösserverwaltung, die sie mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie erworben hatte. Nach der Wende erfolgte eine weitere große Erwerbung von auf DDR-Gebiet gelandeten Objekten. „Bis heute ist es so, dass die Familie Objekte anbietet“, sagt SPSG-Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr. Ihr gehe es darum, einer Verstreuung entgegenzuwirken, so der Kunsthistoriker. Auch das Interesse am öffentlichen Zugang sei eine Motivation: „Die ostpreußische Geschichte ist nicht sehr präsent.“
Bis ins Jahr 1945 zierte das Inventar das Schloss des Adelsgeschlechtes im damals noch ostpreußischen Schlobitten, heute polnischen Słobity. Seit 1525 waren die Dohnas dort ansässig. Doch das Anwesen der Familie fiel in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges Plünderung und Flammen zum Opfer. Dass es überhaupt noch ausstellbare Gegenstände gibt, ist das Resultat einer beispiellosen Rettungsaktion, die von Alexander zu Dohna-Schlobitten vorbereitet worden war.

Eine goldene Taschenuhr von 1910 des Fürsten Alexander zu Dohna-Schlobitten (1899–1997)
Patrick Pleul/dpaDer 1899 geborene Adelige war eine streitbare Persönlichkeit. Er sympathisierte früh mit den neuen nationalsozialistischen Machthabern, trat der SS bei. Weil er sich weigerte, den Erschießungsbefehl gegen einen gefangenen US-Kommandotrupp weiterzugeben, wurde er später jedoch aus der Wehrmacht ausgeschlossen. Zurück in seiner Heimat, machte er sich daran, einen der größten Geflüchteten-Trecks aus Ostpreußen zu organisieren.
Treck aus Ostpreußen: „Ein Drittel ist gerettet worden“
Der mehr als 300 Personen und knapp 40 Wagen umfassende Zug legte rund 1500 Kilometer zurück, eher er sich bei Bremen auflöste. Mit dabei waren nicht nur 140 Pferde, sondern auch große Teile des Familieninventars. „Ein Drittel ist gerettet worden, der Rest ist mit dem Schloss untergegangen“, erklärt Babette Weber, Leiterin des Museumsverbundes Elbe-Elster.

Die Leiterin des Museumsverbundes Elbe-Elster Babette Weber (links) und Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) bei einer Vorabbesichtigung der Ausstellung „Vom Feinsten. Preußische Adelsschätze in sächsischen Mauern“ im Museum Schloss Doberlug
Patrick Pleul/dpaDa im ehemaligen Ostpreußen heute kaum noch Spuren der einstigen Adelskultur vorhanden sind, ist die in Doberlug-Kirchhain zusammengestellte Ausstellung also ein Zeugnis von unschätzbarem kulturhistorischem Wert, wie auch Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD), die an einer Vorabbesichtigung teilnahm, herausstellt: „Die Ausstellung in Doberlug ist einzigartig: Sie ist die einzige erhaltene ostpreußische Adelssammlung. Sie ermöglicht Einblicke in eine untergegangene Welt.“
Thema ist auch das Zusammenleben von Dienstherren und Bediensteten
Grundlage für die Verklärung eines Adelsgeschlechtes soll sie aber nicht sein, wie Babette Weber betont: „Schlobitten soll in Doberlug nicht nachinszeniert werden.“ Vielmehr beleuchten die Objekte in thematisch gegliederten Räumen die verschiedenen Aspekte adeligen Lebens. Wie inszenierte sich adelige Kultur? Welche Rolle spielten Familie, Erbe, Heiratspolitik? Wie gestaltete sich das Zusammenleben von Dienstherren und Bediensteten? Es sind Fragen wie diese, auf die die Ausstellung Antworten zu suchen gibt.
Antworten, die weit über die regionale Verwurzelung des Hauses Dohna-Schlobittens hinausweist. So mag die Sammlung zwar in Königsberg gefertigte Münzen und in Ostpreußen hergestellte Möbel beinhalten, eine genuin ostpreußische Handschrift ist ihr trotzdem nicht zu eigen. „Da waren die Dohna-Schlobittens ganz adelig“, erklärt Babette Weber. „Und adelig bedeutete international. Der Kabinettsschrank kam aus der Schweiz, andere Objekte aus Den Haag.“ Ebenfalls durch und durch adelig war die gezielte Überwältigung, die das Interieur bei Besuchenden in Schlobitten auslösen sollte. Eine Absicht, die auch in Doberlug-Kirchhain ihre Wirkung nicht verfehlt.
„Vom Feinsten. Preußische Adelsschätze in sächsischen Mauern“ (Öffnungszeiten)
Die Dauerstellung „Vom Feinsten. Preußische Adelsschätze in sächsischen Mauern“ wird am Sonntag, 18. Juni (18-21 Uhr) für Publikum eröffnet. Reguläre Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr (Oktober bis März bis 17.00 Uhr.



