AnNa R. in Cottbus
: So war das Konzert in der Stadthalle

Auf ihrer „König:in“-Tour macht AnNa R. Halt in Cottbus. In der Stadthalle präsentiert die frühere Rosenstolz-Sängerin eine musikalische Reise durch ihre Karriere – sehr zur Freude der Fans.
Von
Michael Heider
Cottbus
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Ist gerade auf ihrer „König:in“-Tour: Sängerin AnNa R. bei ihrem Konzert in der Stadthalle Cottbus

Frank Hammerschmidt

„Schwerelos und frei“, so singt es AnNa R. in ihrem Song „Die Astronautin“. Ein Lied gewordenes Plädoyer darüber, sich selbst zu akzeptieren, wie man ist. Ganz gleich, was andere sagen. Schwerelos und frei wirkt die einstige Sängerin auch bei ihrem Konzert in der Cottbuser Stadthalle – genau wie ihr Publikum, das am Samstagabend (9. März) zahlreich erscheint, um die einstige Rosenstolz-Frontfrau zu sehen.

Die 54-Jährige hat gerade den zweiten Abschnitt ihrer „König:in“-Tour begonnen. Begleitet wird sie dabei von den beiden Brüdern Markus und Thomas Danninger, die als Zweikanalton das überwiegend weibliche Publikum in der Stadthalle auf den Abend einstimmen. Wirklich Mühe kostet das die Newcomer aus Österreich mit den kraftvollen Balladen nicht. Schon vor der Stadthalle heizten Grüppchen weiblicher Fans ihre Vorfreude auf AnNa R. mit Prosecco an.

Souverän singt sich AnNa R. in Cottbus durch ihr Set

Cottbus ist nach Suhl und Schwerin der dritte Stopp auf dem aktuellen Tourabschnitt. Doch davon, dass AnNa R. mit frischem Material wieder frisch unterwegs ist, merkt man in der weitläufigen und nicht ganz ausverkauften Stadthalle nichts. Souverän singt sich die gebürtige Berlinerin durch ihr Set. An dessen Anfang stellt sie „Hinterm Mond“, einen Song ihres im September erschienen Albums „König:in“.

„Wer ist hier eigentlich König:in heute?“, will sie dann auch von ihren Cottbuser Fans wissen. „DUUU!“, schallt es der Sängerin entgegen, die von so viel Enthusiasmus fast etwas überrumpelt scheint.

Rosenstolz, Gleis 8, Silly – AnNa R. bringt viel Material mit

Man mag es kaum glauben, doch „König:in“ ist tatsächlich das erste Solo-Album in der üppigen Diskografie von AnNa R. Immerhin ist ihre unverkennbare Stimme allein auf zwölf Alben von Rosenstolz zu hören. Jahrzehntelang war das Duo, das der mittlerweile sehr erfolgreiche Musical-Autor Peter Plate („Ku’damm 56“) komplettierte, nicht aus der deutschen Musikszene wegzudenken. Als die beiden 2012 schließlich eine Pause verkündeten, tat sich die Berlinerin mit anderen Musikern zusammen und gründete die Band Gleis 8. Zwei Alben hat die Gruppe bislang veröffentlicht. Zuletzt unterstützte AnNa R. auch die Ostrock-Veteranen von Silly.

Unterstützt wird AnNa R. auf ihrer Tour von sechs Live-Musikern.

Frank Hammerschmidt

Viel Material also. Aus ihm bedient sich die Sängerin auch genüsslich in Cottbus. Neben Rosenstolz-Songs wie „Sanfter Verführer“ und „Herzensschöner“ singt sie dort mit „Teufel“ und „Lied zum Schluss“ auch Stücke, die sie mit Gleis 8 schrieb. Und dank „Über ihr taute das Eis“ und „Wo bist du“ durften sich sogar Silly-Fans freuen. Dass sich bei „Wo bist du“ AnNa R.‘s geballte stimmliche Energie entlädt, quittieren die Cottbuser gar mit Standing Ovations.

Viele in der Cottbuser Stadthalle tanzen lieber statt zu sitzen

Auf welcher ihrer zahlreichen Karriere-Stationen AnNa R. ihre Cottbuser Fans einsammelte, lässt sich nicht genau sagen. Sicher ist: Viele von ihnen lassen sich nicht lange bitten, die Berlinerin, die mit bürgerlichen Namen Andrea Neuenhofen heißt, zu feiern. Schon beim zweiten Stück „Chaos & Symmetrie“, eines der schwungvolleren Stücke von „König:in“, hält es so einige nicht mehr auf ihren blaufarbenen Sitzen. Sie zogen es stattdessen vor, das Konzert – je nach Songtempo – tanzend bis schunkelnd zu verfolgen. Eine Gruppe, die Song für Song größer wird.

„Wer ist hier eigentlich König:in heute?“ – Viele Fans hält es in Cottbus nicht auf ihren Sitzen.

Frank Hammerschmidt

Doch nicht nur Stücke aus dem eigenen musikalischen Werdegang packt eine gut gelaunte AnNa R. in Cottbus auf die Setlist. Dass sie Marlene Dietrichs „Sag mir wo die Blumen sind“ interpretiert, darf wohl als Verneigung vor einem Idol verstanden werden. Mit der Jahrhundert-Ikone teilt sich R. nicht nur den Geburtsort. Beiden ist eine ganz eigene Grazie zu eigen, die in Kombination mit einer zugleich kraftvollen wie lieblichen Stimme für eine unvergleichliche Bühnenpräsenz sorgt.

AnNa R. war stets mehr als nur die „Sängerin von“

Es ist diese Mischung, die zeigt, dass AnNa R. eben stets mehr war als nur die „Sängerin von“. Zu beweisen hatte sie das niemandem mehr. Das zeigen nicht zuletzt Solo-Platte und -tour. Ihre Mischung aus sehnsuchtsvoll-emotionalen Texten gepaart mit Musik, die irgendwo zwischen Chanson, Pop und Soft Rock diffundiert, galt schon vorher aus gutem Grund als eigene Musikrichtung: Mondänpop. Der mag textlich gelegentlich gefährlich nah das Genre der Wandtattoo-Sprüche tangieren („Ohne uns sind wir allein“). Dennoch ist er ausgestattet mit einer gehörigen Note Extravaganz und Eleganz.

Dass Mondänpop auch live einiges kann, ist in der Cottbuser Stadthalle deutlich erkennbar. Unterstützt wird AnNa R. dort von sechs Live-Musikern. Neben Gleis 8-Drummer Manne Uhlig gehört zu ihnen auch der paraguayische Harfenist Alberto Sánchez. Er stellt nicht nur beim humorvoll-nachdenklichen Dietrich-Cover sein Talent an den Saiten unter Beweis, sondern auch mit einem temporeichen Solo südamerikanischer Harfenmusik, für das er viel Applaus erhält.

Mit solch versierter Hilfe kreiert AnNa R. einen musikalischen Abend, der Emotion und Empathie, Balladen und Power Pop, kluge Texte und, ja, vielleicht auch den ein oder anderen Wandtattoo-Spruch in sich vereint. Doch wie heißt es in ihrem Song „Astronaut“ eben an anderer Stelle noch: „Auch wenn es nicht vollkommen ist / Könnt es nicht schöner sein“. Das gilt auch für das AnNa R.-Konzert in Cottbus.

AnNa R. „König:in“-Tour 2024 (Termine)

● 11. März: Dortmund, FZW

● 12. März: Duisburg, Theater am Marientor

● 14. März: Potsdam, Waschhaus

● 15. März: Chemnitz, Stadthalle

● 16. März: Hannover, Theater am Aegi

● 19. März: Göttingen, Stadthalle

● 20. März: Bremen, Metropol Theater

● 22. Juni: Torgau, Kulturbastion

● 29. Juni: Neubrandenburg, Open Air Fläche am Tollensesee

● 23. August: Saarburg bei Trier, Kaserne Open Air

● 6. September: Nideggen, Burg Nideggen

Tickets für die Tour gibt es hier.