In Brandenburg scheint gerade die Sonne und es ist klirrend kalt. Die Wetter-App sagt, das bleibt auch die kommenden Tage so. Doch der Traum vieler Menschen in Brandenburg sind Weiße Weihnachten. Donald Bäcker moderiert im ARD-Morgenmagazin das Wetter. Im Interview erklärt der gebürtige Neuruppiner, was er für die kommenden Tage erwartet.

Herr Bäcker, bleibt es so kalt?

Die vergangene Nacht war die bisher kälteste in diesem Jahr. Wir hatten beispielsweise in Alt Ruppin minus 12,1 Grad, in Walsleben minus 11,6 Grad, in Doberlug-Kirchhain sogar minus 15,0 Grad. Etwas wärmer war es in der Berliner Innenstadt mit nur minus 7 Grad. Das wird auch in den nächsten Nächten so bleiben. Wenn es längere Zeit aufklart – und das wird bis Sonntag der Fall sein –, sind Temperaturen zwischen -7 und -13 Grad zu erwarten, im Süden von Brandenburg vielleicht örtlich nochmal minus 14 Grad.

Ab Montag kann es Glatteis in Brandenburg geben

Die Nina Warn-App hat eine Glatteis-Warnung herausgegeben. Die gilt momentan aber eher für den Süden Deutschlands – oder?

Richtig, bei uns in Brandenburg bleibt es bis zum Sonntag winterlich kalt und trocken. Erst ab Montag schieben atlantische Tiefausläufer zuerst in höheren Atmosphärenschichten milde Luft nach Brandenburg. Daher fällt Regen, der auf dem kalten Erdboden sofort gefriert. Dieser gefrierende Regen wird gern auch Glatteisregen oder Blitzeis genannt und ist die schärfste Form der Glätte. Eine gefährliche Glatteis-Situation in weiten Teilen von Brandenburg ist zu befürchten.

In den vergangenen Tagen und Wochen war es ziemlich kalt und ein wenig Schnee gab es auch. Reicht das für den Wasserhaushalt in Brandenburg aus? Oder war es eigentlich viel zu wenig?

Der Dezember war bisher viel zu trocken, der geringe Schneefall ist für den Wasserhaushalt bedeutungslos. Zudem ist der Erdboden zwischen 5 und 20 Zentimeter tief gefroren, sodass das Wasser nicht eindringen kann. Das zunehmend milde und nasse Wetter ab der nächsten Woche könnte etwas Abhilfe schaffen.

Es wird windiger und deutlich milder

Sie machen also wenig Hoffnungen auf weiße Weihnachten?

Alle zur Verfügung stehenden Wettermodelle sind sich sehr einig, dass von Westen her die milde Atlantikluft zu uns durchkommt. Das heißt, es wird dann windiger und deutlich milder. Schon in der nächsten Woche sind für Dienstag und Mittwoch in Brandenburg Temperaturen zwischen acht und örtlich zwölf Grad im Plusbereich zu erwarten, die Nächte werden komplett frostfrei sein. Das ist einerseits schade, weil natürlich jetzt die Seen alle zufrieren beziehungsweise auch schon zugefroren sind. Die Eisdecke wird zwar bis Sonntag noch etwas dicker, ist aber meist noch nicht tragfähig. Ich warne dringend davor, nicht freigegebene Eisflächen zu betreten. Mit dem Tauwetter ab Montag sind die Winterfreuden zwar vorbei, aber hinsichtlich der Energiekosten ist das gut.

Wegen der hohen Energiekosten sorgen sich viele Menschen vor einem kalten Winter. Deutet die momentane Kälte darauf hin, dass es ein harter Winter werden könnte?

Solche Prognosen sind immer schwierig und eigentlich unseriös. Aber auch der Deutsche Wetterdienst hat sich schon vorgewagt und hat einen sehr milden Winter prophezeit. Damit lag er in den ersten zwei bis drei Wochen des Winters komplett daneben. Es wird sehr wahrscheinlich der kälteste Dezember seit zehn Jahren. Das bedeutet allerdings nicht, dass es jetzt bis Februar so weitergeht. Wir hatten eine typische Winter-Wetterlage. Ein Hochdruckgebiet über Island sorgte für kalten Nord- bis Nordostwind. Jetzt scheint sich der „Normalzustand“ mit einem Tief im Isländischen Raum und milden Südwestwinden wieder einzustellen. Welche Wetterlage im Januar und Februar dominieren wird, ist sehr unsicher. Die Grundvoraussetzungen für einen etwas kälteren Winter als in den vergangenen Jahren sind allerdings gegeben.

Kartoffelsalat an Heiligabend

Wie werden Sie mit Ihrer Familie Weihnachten verbringen?

Ganz gemütlich zu Hause in Walsleben. Wir werden einfach zu Hause sein und die Zeit im kleinen Kreis genießen.

Was kommt bei Ihnen zu Weihnachten auf den Tisch?

Heiligabend – klassisch Kartoffelsalat. Wir wissen noch nicht genau, ob mit Wiener, Bockwürstchen oder Buletten. Und am ersten Weihnachtstag gibt es dann wahrscheinlich eine Brandenburger Ente.
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Zur Person

In Neuruppin im Jahr 1968 geboren, hat sich Donald Bäcker als Kind im Rekord-Winter 1978/79 erstmals intensiv mit dem Wetter beschäftigt. Die Region versank damals in meterhohen Schneeverwehungen.
Später absolvierte er die Ausbildung zum Technischen Assistenten für Meteorologie an der Wetterstation Neuruppin und in Potsdam.
Ab 1999 arbeitete er für die Wetteragentur von Jörg Kachelmann und präsentierte erstmals das Wetter für verschiedene Medien. Seit 2005 ist er der Wettermann des ARD-Morgenmagazins. Regelmäßig erscheint er auch auf dem Bildschirm für die Tagesthemen, ARD-Regional und das ARD-Vorabendwetter.