Videospiel statt Leuchtmittel
: Das bietet das House of Games im früheren Glühlampenwerk Berlin

Das ehemalige Narva-Glühlampenwerk am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße in Berlin wird zum „House of Games“ für die Videospiel-Branche umgebaut. Das planen Senat und Gaming-Industrie.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Vorstellung „House of Games“: 10.06.2025, Berlin: Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, und Franziska Giffey (SPD), Wirtschaftssenatorin in Berlin, tragen VR-Brillen bei der Bekanntgabe des Gebäude vom "House of Games“ in der Rotherstraße 8-11. Ab 2026 sollen sich hier große oder kleine Unternehmen der Games-Branche, Start-ups wie etablierte Firmen, aber auch Kultur- oder Bildungsinstitutionen niederlassen können. Das Projekt soll kreative Köpfe aus aller Welt nach Berlin ziehen. Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, und Franziska Giffey (SPD), Wirtschaftssenatorin in Berlin, tragen  bei der Bekanntgabe des künftige Standortes des „House of Games“ in Berlin VR-Brillen.

Jens Kalaene/dpa
  • Ehemaliges Narva-Glühlampenwerk wird zum "House of Games" umgebaut, Eröffnung Anfang 2026.
  • Standort in Berlin Warschauer Straße für nationale und internationale Games-Studios.
  • Senat fördert Projekt mit 4,6 Millionen Euro.
  • Öffentliche Bereiche für Gaming-Fans geplant, mögliche Einbindung des Computerspiele-Museums.
  • Ubisoft und weitere Unternehmen bereits als Mieter bestätigt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Erdgeschoss des alten Narva-Glühlampenwerks in Berlin wurden neben bunten Sitzsäcken mit Virtuell- Reality-Brillen auch ein paar alte Videospiel-Automaten aufgestellt. „Mario Kart“, „Supertennis“ und „Asterix“ können gezockt werden.

Der Regierende Bürgermeister steuert sofort den PacMan-Automaten aus den 1980er-Jahren an. „Das habe ich in meiner Kindheit gespielt“, sagt Kai Wegner (CDU) begeistert und versucht, so wie damals mit seiner Puck-Figur im Labyrinth Punkte zu sammeln, ohne sich gleich von den umtriebigen Gespenstern fressen zu lassen.

Standort in Berlin geheim gehalten

Der temporäre Computerspiele-Raum ist nur eine Eintagsfliege und sollte am Dienstag (10. Juni 2025) einen Vorgeschmack darauf geben, was Anfang 2026 in dem alten Industriestandort kommen soll. Der Standort des künftigen „House of Games“ wurde bisher geheim gehalten und erst am Dienstag offiziell bekanntgeben.

Das „Haus der Spiele“ nur wenige Schritte vom S- und U-Bahnhof Warschauer Straße entfernt, soll ab 2026 Anlaufpunkt für die gesamte Games-Branche in Berlin werden. Mit dem Spielehersteller Ubisoft und den Verbänden Medianet und Game stehen erste Mieter bereits fest.

Auf bis zu 15.000 Quadratmetern können an der Rotherstraße 8-11ab 2026 zahlreiche Unternehmen aus dem nationalen und internationalen Games-Bereich ihre neuen eigenen und gemeinsam genutzten Räume beziehen.

Ziel sei es, ein stetig wachsendes Netzwerk aus nationalen und internationalen Games-Studios, Startups und E-Sport-Playern, Technologie-Anbietenden und Dienstleistungen, Agenturen, Verbänden und Vereinen, Kultur- und Forschungseinrichtungen sowie Freelancern unter einem Dach zu versammeln, heißt es vom Verein Medianet Berlin-Brandenburg.

Das alte NARVA-Geländer am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße in Berlin bekommt mit dem "House of Games" eine neue Bestimmung.

Das alte Narva-Gelände am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße in Berlin bekommt mit dem „House of Games“ eine neue Bestimmung.

Maria Neuendorff

„Das ,House of Games' in Berlin ist einzigartig, so etwas gibt es weder in Deutschland, noch sonst wo auf der Welt“, freute sich Wegner. „Wir sind aber jetzt schon Games-Hauptstadt“, betonte der Regierende Bürgermeister. Die Berliner Games-Branche zähle bereits rund 300 Unternehmen und Institutionen.

„Sie ist ein wichtiger Motor für Innovation, Digitalisierung und wirtschaftliches Wachstum in Berlin“, befand auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Um diesen dynamischen Sektor auszubauen, habe man im vergangenen Jahr über sechs Millionen Euro Landesfördermittel für die Games-Branche und nochmal vier Millionen Euro für den Visual Effects Bereich zur Verfügung gestellt.

„House of Games“ in Berlin wird vom Senat gefördert

Auch das „Haus der Spiele“ wird vom Berliner Senat mit 4,6 Millionen Euro gefördert. Das alte Narva-Glühlampenwerk an der belebten Oberbaumbrücke sei dabei ein perfekter Ort, um kluge Köpfe aus der ganzen Welt anzulocken. „Egal wann man hier vorbeikommt, hier steppt immer der Bär“, sagte Giffey.

In dem geschichtsträchtigen, aber inzwischen auch wieder hochmodernen Gebäude-Ensemble sollen nun zeitnah die notwendigen Ausbaumaßnahmen zum „House of Games Berlin“ beginnen. In den sanierten Gängen hängen zum Teil noch die Kabel lose von der Decke.

Das denkmalgeschützte Fabrik-Areal aus teils roten, teils auch beige-farbenen Klinkersteinen wurde ab 1905 erbaut. Ursprünglich war es Berlins erstes Wasserwerk. Die Gebäude wurden aber schon bald als Produktionsstätte für die Deutsche Glühlicht AG (später Osram) genutzt und das Areal schnell als Lampenstadt bezeichnet. Damals ging es um den Wandel vom Gas hin zur Elektrizität.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte der Standort das Narva Glühlampen-Kombinat. In den 1970er-Jahren arbeiteten bis zu 7000 Mitarbeiter in dem DDR-Werk. Im Jahr 1963 wurde dem 42 Meter hohen Turm, der als eines der ersten Hochhäuser Berlins gilt, ein kleiner drehbarer Glasturm mit einem Dauerbrennlabor aufgesetzt. Wer in Ost-Berlin mit der S-Bahn Richtung Warschauer Straße fuhr, sah die bewegliche Narva-Reklame immer schon von Weitem wie eine Landmarke aufleuchten.

Im neuen "House of Games" in Berlin soll es auch öffentliche Bereiche für Gaming-Fans geben. Dieser wurde nur temporär für die Standort-Bekanntgabe am Dienstag (10, Juni 2025) eingerichtet.

Im neuen „House of Games" in Berlin soll es auch öffentliche Bereiche für Gaming-Fans geben. Dieser Raum wurde nur temporär für die Standort-Bekanntgabe am 10. Juni 2025 eingerichtet.

Maria Neuendorff

1996 zog ein kleiner Teil der Produktion mit noch rund 100 verbliebenen Mitarbeitern in die Herzbergstraße nach Berlin-Lichtenberg um, wo es bis heute unter der Marke NARVA Leuchtmittel herstellt werden.

Die Gebäude an der Oberbaumbrücke in Friedrichshain wurden 1993 und 2000 und zu einem modernen Bürostandort umgebaut, der heute als „LUX Berlin“ bezeichnet wird. Die historischen Fassaden wurden dabei erhalten und der Turm um einen fünfstöckigen Glasbau erweitert. „Die zentrale Lage ermöglicht es uns, ein Innovationsökosystem im Osten Berlins zu entwickeln und das in Zusammenarbeit mit den Berliner Zukunftsorten in der gesamten Stadt“, sagte Roland Sillmann, Geschäftsführer Wista Management GmbH aus Adlershof, die den Standort betreibt.

„Von hier aus wollen wir Spiele für die ganze Welt entwickeln.“, kündigte auch Benedikt Grindel, Manager von Ubisoft Production Studios, an. Das französische Unternehmen hat unter anderem Videospiele wie Anno, Far Cry, Just Dance, Prince of Persia, Rabbids oder Watch Dogs auf den Markt gebracht.

„House of Games“ in Berlin soll für Öffentlichkeit zugänglich sein

Das „House of Games“ in Berlin soll aber nach seiner Eröffnung Anfang 2026 auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein, hieß es. Welche Bereiche es diesbezüglich geben wird, war am Dienstag allerdings noch nicht ganz klar. „Wir hoffen, dass auch das Computerspiele-Museum hier einziehen kann“, erklärte Felix Falk, Geschäftsführer des Game-Verbands, der Interessenvertretung der Videospiel-Industrie in Deutschland, am Rande der Veranstaltung.

Bauzaun vor dem Areal des ehemaligen NARVA-Glühbirnenwerks in Berlin-Friedrichshain, das zum "House of Games" ausgebaut werden soll.

Aufsteller zeigen vor dem Areal des ehemaligen NARVA-Glühlampenwerks in Berlin-Friedrichshain, wie die Innenräume im neuen „House of Games" mal aussehen sollen.

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Das Museum, mit derzeitigem Sitz an der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain, sei jedoch privat finanziert und könne sich schon alleine den Umzug in die neuen Räume nicht leisten. „Dafür bräuchte es auch Fördergelder, aber es wäre natürlich toll, das weltweit erste und bisher einzige Museum für Computer-Spiele ebenfalls an diesem prominenten Ort zu haben“, betont Frank. Das Gleiche gelte für die „Internationale Computerspielesammlung (ICS)“, die derzeit aufgebaut werde.

Videospiele als Kulturschatz

Die weltweit größte Sammlung von Computer- und Videospielen könnte 60.000 Spiele umfassen und dabei ähnliche Archive in der französischen Nationalbibliothek sowie im Museum of Modern Art in New York um ein Weites übertreffen.

Doch bisher lagerten die meisten Spiele noch in mehreren Berliner Kellern. „Das ist ein unglaublicher Kulturschatz“, meint Frank. Denn viele würden immer mehr zu raren Sammlerstücken. „Selbst wenn man bereit ist, mehrere Tausend Euro bei Ebay auszugeben – bestimmte Spiele bekommt man heute gar nicht mehr zu kaufen.“