Der US-Elektroautohersteller Tesla hält trotz einer möglichen Verzögerung am Fahrplan für den Bau der Gigafactory in Grünheide bei Berlin fest. Aus gut informierten Kreisen hieß es, der Zeitplan sehe unverändert einen Produktionsstart Anfang Juli 2021 vor. Für das erste Tesla-Werk dieser Art in Europa steht die komplette umweltrechtliche Genehmigung durch das Land bisher aus, deshalb baut Tesla über vorläufige Zulassungen. Die Bauarbeiten stocken aber teilweise: Die Genehmigung des Landesumweltamts Brandenburg für den Antrag auf vorzeitige Zulassung der Montage für einen Teil der Lackiererei und die Rodung von Wald fehlt. Tesla-Chef Elon Musk hatte sich Anfang November auch wegen des Zeitplans mit Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) getroffen.
Die Gemeinde Grünheide will ihren Beitrag für die Genehmigung der Fabrik von US-Elektroautohersteller Tesla noch in diesem Jahr unter Dach und Fach bringen. Mitte Dezember will die dortige Gemeindevertretung über den geänderten Bebauungsplan des Areals beschließen. „Das Land braucht für die endgültige Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz den Satzungsbeschluss“, sagte Bürgermeister Arne Christiani (parteilos). Er gehe davon aus, „der Zeitplan ist realistisch“. In dem Bebauungsplan geht es unter anderem um Straßenausbau.
Die Regierung sieht keine Gefahr für den Zeitplan. Die Prüfung des sechsten Antrags auf vorzeitigen Baubeginn läuft nach Angaben des Umweltministeriums ebenso wie das Verfahren zur abschließenden Genehmigung. Der Antrag wird noch geprüft, weil darin Erkenntnisse aus einer Anhörung von Kritikern berücksichtigt werden sollen.
Steinbach hatte dem Berliner Tagesspiegel gesagt, Musk habe sich erläutern lassen, was beim Zeitplan möglich sei und was nicht möglich sei, weil es die Rechtssicherheit des Vorhabens gefährden würde. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtete am Freitag, Tesla habe vor einem Verzug für das gesamte Projekt gewarnt und um eine einzelne Genehmigung für die Lackiererei gebeten. Aus den Antragsunterlagen gehe hervor, dass die Lackiererei ab 1. Oktober installiert werden sollte. Das Unternehmen äußerte sich zunächst nicht dazu.

Tesla will in Gründheide bis zu 12 000 Menschen beschäftigen

Der US-Elektroautobauer Tesla will in seiner Fabrik in Grünheide bei Berlin bis zu 12 000 Menschen beschäftigen. Das schreibt das Unternehmen auf seiner neuen Internetseite für die geplante Fabrik in Grünheide. Zum Vergleich: Momentan beschäftigt das Unternehmen rund 5500 Menschen europaweit.
Die Bauarbeiten der Fabrik schreiten derzeit voran. Die ersten E-Autos sollen schon im nächsten Jahr vom Band rollen – zunächst 10.000 Fahrzeuge des Models Y pro Woche, das sind rund 500 000 Fahrzeuge im Jahr.
Doch bei den 12.000 Stellen allein wird es auf lange Sicht gesehen womöglich nicht bleiben. „Perspektivisch könnte die Tesla-Fabrik in Grünheide (...) bis zu 40 000 Mitarbeiter haben“, sagte der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) erst kürzlich in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Tesla: Anforderungsprofile für 6000 Stellen in Grünheider Fabrik

Die Personalabteilung von Tesla arbeitet derzeit von einem Büro in Berlin aus. Zusammen mit der Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder) werden im großen Stil Mitarbeiter gesucht. Für die ersten 6 000 Stellen seien die Anforderungsprofile schon definiert worden, wie die ARD berichtet.
Die ersten Stellen wurden bereits im November vergangenen Jahres ausgeschrieben. Aktuell können Interessierte 20 verschiedene Job-Angebote auf der Firmenwebseite für Berlin und Brandenburg finden. Gute Englischkenntnisse sind allerdings notwendig. Die Stellenbeschreibungen sind dort bisher nur in englischer Sprache abrufbar.
Die Stellen sind in zehn verschiedenen Kategorien sortiert. Angefangen bei Berufen im Ingenieurswesen (Engineering & Information Technology) und der Herstellung (Manufacturing) über Personal- (HR) sowie Rechtswesen (Legal & Government Affairs) bis hin zur Lieferkette (Supply Chain) und Service- und Energieinstallationen.
Gesucht werden unter anderem Kfz-Mechatroniker, Verfahrenstechniker, Recruiter, Serviceberater und verschiedene Ingenieure und Manager. Alle Stellen sind in Vollzeit ausgeschrieben.
Fließende Deutsch- und gute Englischkenntnisse werden erwartet, ebenso die entsprechenden Berufsabschlüsse. Tesla legt wert darauf, dass sich Mitarbeiter mit der Unternehmensphilosophie identifizieren. „Von jedem Teammitglied wird nicht nur erwartet, sich Herausforderungen zu stellen, sondern auch selbst herauszufordern, um Neues zu schaffen“, heißt es in den Jobbeschreibungen.

Tesla sucht europaweit nach Arbeitnehmern für Grünheide

Angesichts des Fachkräftemangels wird Tesla allein mit Arbeitnehmern aus Berlin und Brandenburg seine Stellen nicht besetzen können. Zumal das Unternehmen oft genug betont hat, nur die qualifiziertesten Arbeitskräfte zu suchen. Auf deren Webseite heißt es, dass Unternehmen wolle die Stellen in Grünheide mit Anwohnern und Menschen aus ganz Europa besetzen. Die Nähe zu Polen könnte dabei für das Unternehmen ein Vorteil sein. Im Nachbarland gibt es gut ausgebildete Fachkräfte bei niedrigen Löhnen. Tesla spreche sie gezielt an, wie der Spiegel berichtet. Ein Drittel der 12.000 Beschäftigten könnten von dort kommen. Elon Musk’ Firma könnte auch in die Hände spielen, dass Autozulieferer wie Continental und Schaeffler in den klassischen Auto-Bundesländern planen, derzeit Tausende Stellen zu streichen.

Was für ein Arbeitgeber wird Tesla sein?

Anfang September twitterte Elon Musk bei einem Besuch in Deutschland: „Bitte arbeiten Sie bei Tesla Giga Berlin! Es wird super Spaß machen!!“. Doch wie spaßig ist die Arbeit beim US-Elektroautohersteller bisher für andere gewesen?
In den USA wurde Tesla schon häufig für seine Arbeitsbedingungen kritisiert. Mehrmals wurde darüber in den vergangenen Jahren berichtet. „Tesla workers say they pay the price for Elon Musk’s big promises“ (Tesla-Arbeiter sagen, sie zahlen den Preis für die großen Versprechen von Elon Musk) lautete zum Beispiel die Titelzeile eines Berichtes des Guardians von 2018. Elon Musk selbst gilt als Workaholic. Die Welt, so schrieb er selbst in einem Tweet, könne nicht mit einer 40-Stunden-Woche verändert werden. Beim Standort im rheinland-pfälzischen Prüm untersuchte das Arbeitsministerium, ob Tesla gegen Arbeitszeitvorschriften verstoße, wie die Wirtschaftswoche im Februar berichtete. Tesla wies die Anschuldigungen jedoch zurück.
Jörg Steinbach erinnerte den Tesla-Chef erst kürzlich an die deutsche Mitbestimmung und Tarifverträge. „Das ist sicherlich nicht euphorisch aufgenommen worden. Aber wir erwarten, dass Tesla am Ende tariforientiert zahlen wird“, sagte der Brandenburgische Wirtschaftsminister gegenüber der FAZ.