Tanken in Polen
: Nachbarland deckelt Spritpreise - was das für Pendler bedeutet

In Polen gelten wegen der gestiegenen Spritpreise ab sofort gedeckelte Preise für Benzin und Diesel. Die Preissenkung sorgt bereits für Warteschlangen an den Tankstellen.
Von
dpa
Frankfurt (Oder)
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In Polen gilt jetzt ein Spritpreisdeckel: Viele Autos aus Deutschland stehen an einer Tankstelle in Slubice an. Polens Regierung hat die Preise für Benzin und Diesel gedeckelt. Das zieht nun auch verstärkt Tanktouristen aus Brandenburg an.

Patrick Pleul/dpa
  • Polen deckelt ab sofort Benzin- und Dieselpreise; Steuern auf Sprit wurden gesenkt.
  • Vorgaben am Dienstag: max. 6,16 Zloty für Normal, 6,76 für Super, 7,60 für Diesel.
  • Folge an der Grenze: lange Schlangen, mehr Tanktouristen, teils Wartezeiten an Zapfsäulen.
  • Regierung verweist auf Iran-Krieg und hohe Ölpreise – Ziel ist Entlastung der Verbraucher.
  • Deutschland ab Mittwoch mit neuer Regel: Preiserhöhungen an Tankstellen nur um 12 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Polens Regierung hat die Preise für Benzin und Diesel gedeckelt. Ab sofort gilt eine Höchstgrenze für Kraftstoffpreise an öffentlichen Tankstellen. Das zieht auch verstärkt Tanktouristen an - besonders auch aus Brandenburg. Am Dienstag (31. März 2026) bildeten sich an den Grenzübergängen schon lange Schlangen. Die Zapfsäulen an den polnischen Tankstellen liefen heiß. Was bedeutet der Schritt nun für die Region entlang der Grenze?

In Polen gelten jetzt von der Regierung täglich festgelegte Preisobergrenzen für Benzin und Diesel. Zudem wurde die Mehrwert- und Energiesteuer gesenkt, um den Verbrauchern Erleichterung zu schaffen.

Nach Angaben des Energieministeriums durfte der Liter Normalbenzin am Dienstag nicht mehr als 6,16 Zloty (umgerechnet etwa 1,44 Euro) kosten. Für den Liter Super lag die Preisobergrenze demnach bei 6,76 Zloty (etwa 1,58 Euro), für Diesel bei 7,60 Zloty (etwa 1,77 Euro).

Warum greift Polen zu diesem Schritt?

Die Mitte-Links-Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk reagiert mit dem Spritpreispaket auf die Folgen des Iran-Kriegs und die damit verbundenen gestiegenen Öl-Preise. Die neuen Gesetze sehen auch Steuersenkungen vor.

Auch deutsche Pendler können in Polen voraussichtlich deutlich günstiger tanken. Der Tankstellenverband rechnet mit einem deutlichen Anstieg des Tanktourismus in Richtung Polen.

Mit zunehmendem Preisunterschied zwischen den einheimischen und den polnischen Preisen steige auch die Bereitschaft, eine größere Strecke zum Tanken auf sich zu nehmen, sagte ein Sprecher des Verbandes.

Könnte der Tanktourismus zu Verkehrsbehinderungen führen?

„In dieser Woche haben die Osterferien begonnen, das lange Osterwochenende steht bevor. Es ist damit zu rechnen, dass es nicht nur wegen des Tanktourismus, sondern vor allem wegen der Feiertage voller an den Grenzübergängen wird“, schrieb ein Sprecher der Stadtverwaltung in Frankfurt (Oder).

Der Betrieb an den Grenzübergängen werde nicht allein von den Kraftstoffpreisen bestimmt, führte der Sprecher der Stadtverwaltung aus. Voller werde es an Grenzübergängen in der Regel immer zum Wochenende hin. „Das hat aber vor allem mit den Berufspendlern und - beim Autobahngrenzübergang - mit dem Lkw-Verkehr zu tun.“ Zudem führen seit einiger Zeit Grenzkontrollen zu Rückstaus an den Grenzen.

An den Tankstellen auf und rund um den Polenmarkt Hohenwutzen in Osinow Dolny bei Bad Freienwalde stauten sich am Dienstag die Autos. Und auch der Grenzverkehr in Zasieki bei Forst (Lausitz) nahm ab Dienstagmorgen spürbar zu. An der Circle-K-Tankstelle, die sich nur knapp drei Kilometer hinter der Grenzbrücke bei Forst-Sacro befindet, mussten Grenz-Pendler um die Mittagszeit sogar warten. Kein Wunder, denn der Treibstoff ist dort im Schnitt gut drei Cent günstiger als bei der benachbarten Aral oder Apexim AB.

Was bedeutet das für die deutschen Tankstellen in Grenznähe?

Zum aktuellen Zeitpunkt wäre es zu spekulativ, über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen zu sprechen, sagte eine Sprecherin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Es ließe sich nicht seriös einschätzen, welche Effekte der Tanktourismus hätte.“

Der Mineralölverband Fuels & Energie formulierte, dass „in manchen grenznahen Gebieten“ Ausweichreaktionen zu den Nachbarn zu beobachten seien. Allerdings seien die Kraftstoffpreise im Zuge der Nahostkrise in Deutschland nicht stärker gestiegen als anderswo. Allerdings hätten einige Länder Spritpreisbremsen.

„Das ist für die Pächter der Tankstellen und auch für die Mineralölgesellschaften eine schwierige Situation“, sagte ein Sprecher des Tankstellenverbandes. Das Tanken sei bereits in vielen Ländern im europäischen Ausland günstiger, „durch die Polen wird das jetzt manifestiert“. „Der Tanktourismus wird zu unserem Bedauern zunehmen.“

Neue Spritpreisregel in Deutschland soll ab 1. April 2026 gelten

Am Mittwoch (1. April 2026) tritt in Deutschland die neue Preisregel für Tankstellen in Kraft. Tankstellen dürfen ihre Preise dann nur noch einmal täglich erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Das entsprechende Gesetz wurde im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

Ziel ist es, stärkere Preisschwankungen zu begrenzen und für mehr Transparenz zu sorgen. Vorbild ist eine ähnliche Regel in Österreich. Preissenkungen sind immer möglich. Wegen des Iran-Kriegs sind die Spritpreise deutlich gestiegen. Ob die neue Regelung preisdämpfend wirkt, ist umstritten.