S-Bahn in Berlin: Ohne Klimaanlage - Fahrgäste werden noch Jahre schwitzen

Der Einsatz der Baureihe 481 der Berliner S-Bahn, von der die ersten Züge 1996 ausgeliefert wurden, ist bis in die 2030er-Jahre vorgesehen.
Annette Riedl/dpa- Ausschreibungsstreit beendet: Alstom legt keine Beschwerde mehr ein, Bestellung kann starten.
- Siemens Mobility und Stadler liefern über 1400 neue Wagen für Stadtbahn und Nord-Süd-Netz.
- Alte Baureihe 481 bleibt länger im Einsatz – weitere Ertüchtigung geplant, Details offen.
- Klimaanlagen fehlen in den meisten Zügen, nur Baureihe 483/484 ist klimatisiert.
- Neue Züge sollten ab 2028 kommen, nun frühestens 2033 – Bündnis warnt vor Wagenmangel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach Jahren endet in Berlin der Streit um die S-Bahn-Ausschreibung. Trotzdem müssen Fahrgäste noch lange in alten Zügen ohne Klimaanlage schwitzen.
Das Dilemma zur S-Bahn-Ausschreibung in Berlin ist beendet. Das unterlegene Unternehmen Alstom, das gegen die Vergabe jahrelang juristisch vorging, habe angekündigt, keine Beschwerde mehr einlegen zu wollen, teilt die Senatsverkehrsverwaltung mit.
So können nach jahrelangen Verzögerungen endlich die über 1400 neuen S-Bahn-Wagen für die Stadtbahn und das Nord-Süd-Netz beim Gewinner-Konsortium aus Siemens Mobility und Stadler bestellt werden.
S-Bahn-Züge in Berlin teilweise 30 Jahre alt
Weil es aber weitere Jahre dauern wird, bis die ersten modernen Züge anrollen, ist laut S-Bahn Berlin erst einmal ein weiteres Ertüchtigungsprogramm für die Baureihe 481 vorgesehen. Sie soll nun länger fahren als einst geplant.
Die 500 Viertelzüge, die in den Jahren 1996 bis 2004 vom Hersteller Bombardier/Adtranz ausgeliefert wurden, bilden auch in den kommenden Jahren das Rückgrat der Berliner S-Bahnflotte. Dabei mussten die Züge der Baureihe 481 schon häufiger wegen verschlissener Kabel und Radsätze in die Werkstatt. Zudem wurde diese Baureihe schon einmal ertüchtigt.
Was nun im Rahmen des neuen „Ertüchtigungsprogrammes“ genau an wie vielen der bis zu 30 Jahre alten S-Bahnen gemacht werden soll, dazu hält sich das Verkehrsunternehmen noch bedeckt. „Da das Paket Teil der aktuell laufenden Vertragsverhandlungen mit den Ländern Berlin und Brandenburg ist, äußern wir uns hierzu nicht weiter im Detail“, sagt ein S-Bahn-Sprecher auf Anfrage.
Sicher ist aber eines: Die Fahrgäste werden im Hochsommer weiter in vielen S-Bahnen in Berlin und Brandenburg schwitzen müssen. Denn bisher verfügen nur die neuen Fahrzeuge der Baureihe 483/484 über klimatisierte Fahrgasträume.
Wagenmangel bei der S-Bahn Berlin
Das ist rund ein Viertel der Flotte. In den anderen Baureihen haben Fahrgäste höchstens die Möglichkeit, die Klappfenster zu öffnen. „Eine Nachrüstung mit Klimaanlagen ist hier technisch nicht möglich“, erklärt der S-Bahn-Sprecher.
Mit neuen Zügen, die eigentlich schon ab 2028 eingesetzt werden sollten, wird nun frühestens 2033 gerechnet. „Das vorhandene Wagenmaterial der S-Bahn reicht nicht aus, um die Verzögerungen zu kompensieren“, warnt deshalb das Bündnis „Eine S-Bahn für alle“. Schon im vergangenen Jahr habe es insgesamt 34.414 gemeldete Störungen im Berliner S-Bahn-Verkehr gegeben.
Das Aktionsbündnis aus Gewerkschaftlern, Klimaaktivisten und Mitgliedern diverser sozialer und politischer Gruppierungen hatte sich 2019 gegen die „Zerschlagung und Privatisierung“ gegründet.
Damals hatte der rot-rot-grüne Senat entschieden, zwei Drittel des S-Bahn-Verkehrs inklusive der Lieferung neuer Wagen an private Firmen auszuschreiben. „Seitdem ist die Vergabe mehr als 20 Mal verschoben worden“, betont Carl Waßmuth, Sprecher des Bündnisses. Unter anderem, weil sich der unterlegene Bieter Alstom mit einer Beschwerde an die Vergabekammer gewandt hatte.
Die damalige Senatsentscheidung, das S-Bahn-Netz in Teilnetze aufzuteilen und europaweit auszuschreiben, sehen nicht nur er, sondern inzwischen viele Verkehrsexperten als Fehler an.
„Die ursprüngliche Idee war, ein Stück weit die Monopolstellung der Deutschen Bahn als Aktiengesellschaft aufzuheben, die teilweise Fantasiepreise verlangt hat“, erklärte Antje Kapek, Verkehrspolitische Sprecherin für das Bündnis 90/Die Grünen, jüngst auf einer Podiumsdiskussion des Bündnisses zur Zukunft der S-Bahn.
Nach dem Alstom-Debakel sei man heute schlauer. „Wir müssen schnell an neue Wagen kommen. Wir haben jetzt schon erhebliche Verspätungen und Zugausfälle“, sagte die Abgeordnete. Dabei seien gerade die Hauptstädter auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. „Zwei Drittel der Berliner haben kein Auto.“
Die Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Quo vadis S-Bahn Berlin und Brandenburg?“, an der Verkehrsexperten von SPD, Die Linke, BSW und Bündnis 90/Grüne teilnahmen, fand kurz vor der Alstom-Wende statt.
Mehrere der geladenen Gäste plädierten dafür, dass die Länder Berlin und Brandenburg enger zusammenarbeiten und die S-Bahn selbst übernehmen oder zumindest die Anteilsmehrheit erwerben sollen.
Politiker fordern S-Bahn „aus einer Hand“ in Berlin
Für die Rekommunalisierung und damit eine S-Bahn „aus einer Hand“ setzt sich auch der Berliner SPD-Abgeordnete Sven Heinemann seit Jahren ein. Der verkehrspolitische Experte, der schon mehrere Bücher über die Berliner Ringbahn und den elektrischen Betrieb der S-Bahn veröffentlicht hat, sieht es kritisch, die alte Baureihe 481 für einen längeren Betrieb „schon zum zweiten Mal aufzuschrauben“.
Fast noch mehr Sorgen machen ihm aber die veralteten Schienen, Weichen und Signale. „Das S-Bahn-Netz an sich ist in keinem guten Zustand“, betont Heinemann. „Hauptproblem ist, dass an der Bahn-Infrastruktur überall in Deutschland gespart wurde.“


