Spätestens seit Himmelfahrt haben einige Menschen in Burg geahnt, was auf sie zukommen könnte: Kurz nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen hatte sich der Biergarten des Deutschen Hauses mit Gästen gefüllt, die man eher selten im Spreewald sieht: Männer mit Motorrädern, langen Bärten und T-Shirts, auf denen eindeutig rechtsradikale Schriftzüge zu sehen waren. „Erschreckend“, sagen Augenzeugen. „Anhänger der rechtsextremistischen Szene“ urteilt das Brandenburger Innenministerium. Als Reaktion auf Presseberichte über den neuen Besitzer des Deutschen Hauses mit Kontakten in die rechtsextreme Szene hat sich Amtsdirektor Tobias Hentschel unverzüglich öffentlich positioniert.
Hentschel beruft sich zunächst auf die sorbisch/wendisch geprägte Geschichte der Region, auf Diskriminierung der Minderheit im Nationalsozialismus, vor allem aber geht es ihm um mögliche Gefahren für den Tourismus. „Viele unserer Einwohnerinnen und Einwohner haben in den vergangenen Jahren auf die Perspektive Tourismus vertraut und sich mit Ideen, Mut und Tatendrang in die Selbstständigkeit gestürzt.“
Mit der Übernahme zweier renommierter Gasthäuser – für die Kolonieschänke hat der Neu-Gastronom einen Betreibervertrag – wachse die Sorge, dass in Burg ein Anziehungspunkt für rechtsextremes Publikum entsteht. Tobias Hentschel: „Das schlimmste Szenario wäre – und das kann keinen kalt lassen, weder Einwohner- noch Unternehmerschaft, dass unsere Gäste dann den Kurort meiden.“
Er mahnt: „Schauen Sie nicht weg, wenn sich rechtsradikales, fremdenfeindliches oder rassistisches Gedankengut breitmachen will.“ Gemeinsam mit dem Mobilen Beratungsteam der Brandenburger Gemeinwesenberatung soll künftig in Schulen, Sportvereinen und bei der Feuerwehr für die Gefahren von Extremismus und Rassismus sensibilisiert werden, kündigt Kerstin Möbes vom Amt Burg an.

Kolonieschänken-Besitzer droht mit Vertragsaufhebung

Olaf Schöpe, Besitzer der Kolonieschänke und Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, sagt: „Ich war anfangs doch froh, dass ich einen potenziellen Unternehmensnachfolger gefunden habe.“
Von den Kontakten seines Geschäftspartners in die rechte Szene hat Schöpe nach eigenen Aussagen erst im Nachhinein erfahren – und sofort reagiert. „Ich habe dem Betreiber der Kolonieschänke klargemacht, dass unser Vertrag hinfällig wird, sobald dort irgendwelche Veranstaltungen mit rechtsextremem Hintergrund stattfinden.“
Über die Verbindung des Neu-Gastronoms in die rechtsextreme Szene hatte zuerst die Berliner Morgenpost berichtet.