Der Feind steht im eigenen Wald. Sprichwörtlich scheu und doch kreuzgefährlich. Das Reh. Von der Deutschen Wildtierstiftung zum „Tier des Jahres 2019“ gekürt. Aber mit dem „anpassungsfähigen Kräuterprofi“, gibt es einige Probleme. „Dass sie kleine Bäume anfressen, ist für viele Förster nicht akzeptabel, weshalb sie Rehe vor allem in Wäldern oft strikt bejagen“, teilt die Stiftung mit. Nach Dürre, Sturm und Borkenkäfer erscheint nun das Reh als tödliche Gefahr für den Wald der Zukunft und damit auch für den Kampf gegen die Erderwärmung. Bambi als Klimakiller. 2,5 Millionen Rehe gibt es in Deutschland. Um die Wiederaufforstung nicht zu gefährden, verlangt die auch für das Weidmännische zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)  eine „stringentere und zielgerichtetere Jagd“.

Ist Jagd Spaß oder Naturschutz?

Für die ist auch der Ökologische Jagdverband (2800 Mitglieder). Der wirft der „konservativen Jägerschaft“ vor, „aus jagdlichem Eigeninteresse“ die Wildbestände absichtlich hoch zu halten. Grund: „Spaß am Jagen“. Die ökologischen Jäger halten die Auswirkungen auf den Wald für fatal: „Wohlschmeckende Laub-und Nadelbäume werden ständig verbissen.“ Zu viele Rehe und Hirsche machen aus ihnen „Bonsai“. Die Folge: „Weniger schmackhafte Kiefern oder Fichten überwachsen sie, es kommt zur Entmischung der Waldverjüngung.“

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Forst

Und das alles, weil die eher traditionellen Jäger die Flinte zu oft im Waffenschrank lassen? Das sieht man  beim Deutschen Jagdverband (DJV) ganz anders. Seine Mitglieder orientieren sich laut Vizegeschäftsführer Torsten Reinwald am Dreiklang „Tierschutz, Naturschutz und Verbraucherschutz“. Waldumbau ja, aber nicht mit dem Jagdgewehr allein. Hauptproblem des Waldes sei der Mangel an Forstmitarbeitern.

245 000 Jäger sind im DJV organisiert. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 380 000. Tendenz steigend. Dass der kleine Öko-Jagdverband vor allem im Bundesumweltministerium offene Ohren findet, versteht Reinwald nicht. Die meisten Jäger sorgen sich, dass die Debatte über den Umbau des Waldes dazu führen könnte, dass man ihnen Abschussquoten aufnötigt. Der DJV protestiert gegen eine Politik unter dem Motto „Wald vor Wild“.

Die Jagd im Koalitionsvertrag

Dass der Jagdverband nicht ohne Einfluss ist, zeigt der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Dort steht: „Wir werden bundeseinheitliche Regelungen für eine Zertifizierung von Jagdmunition mit optimaler Tötungswirkung bei gleichzeitiger Bleiminimierung, einen Schießübungsnachweis, die Jäger- und Falknerausbildung sowie -prüfung schaffen.“ Das sind exakt die Forderungen des DJV. Sie werden Eingang in eine Novelle des Bundesjagdgesetzes finden, die derzeit erarbeitet wird.

Laut  Axel Heider aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium wird aber ein „wichtiger neuer Aspekt“ die „jagdwirtschaftliche Bewirtschaftung des Waldes“ sein. Heider leitet im Ministerium die  Unterabteilung „Wald-, Jagd- und Forstpolitik“ und ist selbst  aktiver Jäger. „Wir müssen vor allem die Anpflanzungen bestmöglich vor Verbiss schützen. Dafür brauchen wir die Jäger und dafür bedarf es eines Zusammenwirkens von Waldbesitzern und Jägern.“ Dabei sollen die Abschussquoten einvernehmlich geregelt werden. Nur wenn das nicht gelingt, wird wohl der Staat eingreifen.

Jagdliches Brauchtum


Die Strecke  bezeichnet die Gesamtheit des gejagten Wildes. In Deutschland waren es im vergangenen Jahr 5 Millionen Tiere. (darunter 1,2 Millionen Rehe,  800 000 Wildschweine, 400 000 Füchse). Es gibt aber auch das „Strecke legen“ unmittelbar nach der Jagd. Dabei wird das Wild immer auf die rechte Körperseite gelegt. Es gilt die Reihenfolge: Hochwild vor Niederwild, männliches Wild vor weiblichem, starkes vor schwachem, Haarwild vor Federwild. Für jedes Wild gibt es ein „Totsignal“, das aus Jagdhörnern ertönt. Am Ende wird die Strecke mit „Jagd vorbei“ und „Halali“ verblasen.