Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz in der Corona-Pandemie in Berlin erstmals seit Längerem unter den Wert von 100 gefallen ist, hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mögliche Lockerungen angekündigt. Dabei gehe es um private Kontakte, Gastronomie, Kultur und den Bildungsbereich, sagte Müller am Freitagabend im Sender RBB mit Blick auf die Senatssitzung am Dienstag. Lockerungen wären der Bundes-Notbremse zufolge frühestens Ende kommender Woche möglich.

Berlin bleibt bei Corona-Lockerungen vorsichtig

„Wir werden sicherlich wieder Erleichterungen haben bei den Kontaktmöglichkeiten, werden aber auch vorsichtig bleiben“, sagte Müller. „Es macht ja keinen Sinn, alles mögliche auf einmal zuzulassen und Großveranstaltungen zu ermöglichen und dann nach wenigen Tagen wieder über 100 zu rutschen.“ Der Senat werde sich auch den Kulturbereich und die Gastronomie vornehmen, damit „für die Außenbereiche auf jeden Fall wieder Dinge“ ermöglicht werden sollen.
Die Senatswirtschaftsverwaltung schlägt vor, die Außengastronomie bei entsprechenden Inzidenzwerten unter Einhaltung von Regeln zu öffnen. Gäste sollen zum Beispiel Termine buchen. Sie sollen einen negativen Coronatest oder einen Impfnachweis vorlegen müssen, wie ein Sprecher der Senatsverwaltung am Samstag mitteilte. Wer von einer Coronainfektion genesen ist, soll keinen Test benötigen. Zudem soll eine Sperrstunde von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr gelten.
„Mit der Öffnung der Außengastronomie mit klarem Test- und Hygienekonzept gehen wir einen ersten Schritt, denn an der frischen Luft ist die Ansteckungsgefahr deutlich geringer“, teilte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) mit. „Wir wollen den Menschen und dem von der Corona-Krise besonders betroffenem Gastgewerbe eine Perspektive für die warme Jahreszeit geben.“ Mehrere Medien hatten zuvor über die Vorschläge berichtet.

Berlins Oberbürgermeister mit Durchhalteparolen

Regierungschef Müller betonte, es sei alles abhängig von der Entwicklung der nächsten Tage. „Wir haben in den letzten Wochen viel gemeinsam bewältigt, deswegen sind wir unter die 100 gekommen, jetzt müssen wir noch eine Weile durchhalten.“ Neben dem Inzidenzwert gebe es eben auch die weiterhin sehr bedrückende Situation in den Krankenhäusern.
Laut Müller könnte auch in den Schulen bis zu den Sommerferien in sieben Wochen schrittweise mehr zugelassen werden. „Wir werden also insgesamt für den Bildungsbereich mit Sicherheit in den nächsten Wochen, wenn sich die Zahlen gut weiter entwickeln, immer mehr Präsenz anbieten können, aber das wird natürlich noch nicht der Normalbetrieb sein.“

In Berlin fehlt es an Impfstoff

Müller fügte hinzu, leider gebe es immer noch zu wenig Impfstoff. „Wir könnten viel mehr Impfstoff verimpfen, wenn wir mehr hätten.“ Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) haben in Berlin mittlerweile mehr als eine Million Menschen eine erste Impfung bekommen (1.075.691). Das entspricht 29,3 Prozent der Bevölkerung. Vollständig geimpft sind demnach 394.785 Menschen (10,8 Prozent).
Die Sieben-Tage-Inzidenz war am Freitag erstmals wieder unter die 100er-Marke gefallen und lag bei 98,6. Am Samstag wurde der Wert mit 97,0 angegeben, wie aus dem Lagebericht der Senatsgesundheitsverwaltung und aus RKI-Daten hervorging. Die Zahl gibt an, wie viele Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen erfasst wurden.
In Berlin hatten nach Inkrafttreten der Bundes-Notbremse etwa Museen wieder schließen müssen, zudem gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Auch Kontaktbeschränkungen sind weiter in Kraft. Die Notbremse sieht vor, dass der Inzidenzwert stabil unter 100 bleiben muss, damit Lockerungen möglich sind - die Sieben-Tage-Inzidenz muss an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen darunter liegen, damit am übernächsten Tag Maßnahmen zurückgenommen werden können.

Corona-Lockerungen für Geimpfte

Für Menschen, die bereits vollständig geimpft oder von einer Corona-Infektion genesen sind, soll das Leben allerdings schon jetzt ein bisschen einfacher werden. Sie werden bei der zulässigen Personenzahl für private Treffen nicht mehr mitgezählt, wie der Senat mitteilte. Das folgt aus einer Bundesratsentscheidung vom Freitag und gilt demnach ab Sonntag.
Erlaubt sind in Berlin bislang im Freien private Treffen von höchstens fünf Personen aus zwei Haushalten. Drinnen ist der Besuch einer Person gestattet. Schon jetzt werden dabei jeweils Kinder unter 14 Jahren nicht mitgezählt.
Nach der Entscheidung auf Bundesebene sind Geimpfte und Genesene auch von nächtlichen Ausgangsbeschränkungen befreit. Nach Reisen müssen sie nur noch in Ausnahmefällen in Quarantäne. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) rief Genesene auf, sich zur Impfung zu melden. Dies werde sechs Monate nach der Infektion empfohlen.