Von den rund 12 360 betrieblichen Ausbildungsplätzen in Brandenburg sind bislang 6800 noch unbesetzt. „Wir hatten eigentlich befürchtet, dass Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie die Ausbildung fallen lassen. Das hat aber nicht stattgefunden“, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Montag in Potsdam. Am 1. August beginnt das neue Ausbildungsjahr.
Die Betriebe haben dem Minister zufolge erkannt, dass Fachkräfte am besten durch eigene Ausbildung gewonnen werden können. Jugendliche identifizierten sich mit ihren Unternehmen und wünschten sich in der Regel am Ende ein Übernahmeangebot, sagte der Minister. Er signalisierte, Spätentschlossene könnten auch später mit der Ausbildung beginnen.

Gute Lage auf dem Brandenburger Ausbildungsmarkt

„Auf dem Ausbildungsmarkt ist die Lage besser als die Stimmung“, sagte Alexander Schirp, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Für die duale Ausbildung spreche die immer besser werdende Vergütung. Er empfahl, den Blick auch auf Berlin zu richten, wo es extrem viele unversorgte Bewerber gebe. Minister Steinbach sagte, dass es immer noch schwer sei, Berliner Schulabgänger für eine Ausbildung in Brandenburg zu begeistern. Umgekehrt sei das leichter.
„Wir benötigen einen Imagewechsel der dualen Ausbildung“, betonte Frank Bommert, Sprecher für Mittelstand und Handwerk der CDU-Landtagsfraktion. Es sei immer noch zu wenig bekannt, dass es hier gute Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten für junge tatkräftige Menschen gebe.
Auch die Berufsberater bei den Arbeitsagenturen stünden wieder bereit, sagte Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit für Berlin-Brandenburg. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz seien derzeit groß. Besonders viele freie Stellen gebe es im Bereich Potsdam mit 2000, in Cottbus seien es 1900 und in Neuruppin 1300.
Die Industrie- und Handelskammer Potsdam gibt beispielsweise in 100 unterschiedlichen Berufen über 1000 freie Stellen an. In der Handwerkskammer Potsdam sind es fast 1400 in 70 Handwerksberufen.

Ausbildungsoffensive auf der Couch für Brandenburger Schulabgänger

Das Wirtschaftsministerium und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit kündigten für die kommenden Wochen eine Ausbildungsoffensive direkt vor Ort an, bei der man Schulabgänger für eine Berufsausbildung begeistern wolle. Junge Leute könnten auf einer Couch Platz nehmen und sich von Experten beraten lassen und ein passendes Angebot finden.
Durch die Coronakrise mussten im Frühjahr viele Beratungstermine und Ausbildungsmessen gestrichen werden. Die Beteiligten bieten daher nun verstärkt Beratungstermine für künftige Auszubildende an, auch mit Online-Angeboten.