Diebstahl in Berlin: An diesen Orten greifen Taschendiebe besonders oft zu

Taschendiebstahl live gefilmt: Während einer der Täter (r.) die Seniorin (M.) im Supermarkt anspricht, greift der andere in ihre Handtasche, die sie am Einkaufswagen befestigt hat.
Polizei Berlin (Screenshot aus einem Überachungsvideo)- Polizei Berlin warnt vor Taschendieben, die oft in Gruppen und mit Ablenkungstricks arbeiten.
- Supermärkte, Weihnachtsmärkte und Restaurants sind beliebte Tatorte der Täter.
- Internationale Banden nutzen Messen, Hotels und belebte Orte für Diebstähle.
- Präventionsaktionen mit Infoständen, Theater-Szenen und Karabinerhaken werden durchgeführt.
- Taschendiebstähle seit 2016 rückläufig – 2024 wurden 16.000 Fälle gemeldet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eine ältere Dame mit Krückstock steht im Supermarkt vor der Gefriertruhe und überlegt, was sie einkaufen soll. Ein junger Mann nimmt neben ihr eine Flasche aus dem Regal und stellt ihr eine Frage zu dem Produkt. Während die Frau den Kopf nach rechts zu dem Fragenden wendet, greift ein weiterer Mann links von ihr in die Tasche, die die Seniorin an den Griff des Einkaufswagens gehängt hat und stiehlt die Geldbörse.
Die Szene wurde auf dem Überwachungs-Video des Supermarktes festgehalten und wird an diesem Montagvormittag (6.10.) an einem Infostand abgespielt, den die Berliner Polizei auf dem Potsdamer Platz aufgebaut hat, um Passanten vor Taschendieben zu warnen.
Polizei in Berlin – Taschendiebe agieren in Gruppen
„Besonders Supermärkte haben sich als bevorzugte Tatorte herausgestellt“, erklärt Kriminaldirektor Lothar Spielmann, Leiter des Dezernats für Taschendiebstahl beim Landeskriminalamt Berlin (LKA 25).
Taschen, die am Einkaufswagen oder Rollator hängen, würden dabei in einem unbeobachteten Moment geleert. „In vielen Fällen agieren die Täter arbeitsteilig – während eine Person das Opfer ablenkt, greift eine zweite unbemerkt zu“, erläutert Spielmann.
Er und seine Kollegen wollen Berliner und Touristen für die typischen Tricks der Täter sensibilisieren. Die Veranstaltung auf dem Potsdamer Platz ist nur der Auftakt zur Aktionswoche, die die Polizei bis zum 10. Oktober 2025 stadtweit zum Thema Taschendiebstahl in Supermärkten durchführt.
„Gerade ältere Menschen, die im Laden etwas gefragt werden, sind häufig besonders hilfsbereit, das soll auch so bleiben“, berichtet einer der Zivilfahnder. „Doch man sollte immer auf sein Bauchgefühl hören und einfach die Hand auf die Tasche tun, wenn man von Fremden angesprochen wird.“
Diebe reisen zu Messen nach Berlin
Besonders in der Vorweihnachtszeit sei erhöhte Wachsamkeit gefragt. Bei den Tätern handele es sich größtenteils um internationale Banden, die höchst professionell vorgingen und von Supermarkt zu Supermarkt tingelten, um die besten Tatgelegenheiten auszukundschaften, erklärt der Mitarbeiter des LKA 25.
Manche Taschendiebe reisten für Messen und Kongresse nach Berlin. „In den Messehallen ist viel Trubel, den sie sich zu Nutze machen, das gilt auch für die Frühstücksräume in Hotels“, erzählt der Kriminalist.

Die Polizei Berlin hat am Potsdamer Platz ein Präventionsmobil aufgebaut, um Passanten über die neuesten Maschen der Taschendiebe zu informieren.
Maria NeuendorffBeliebte Tatorte seien belebte Orte, wie zum Beispiel Oktoberfeste und Weihnachtsmärkte. „Aber auch die Cafés und Restaurants hier am Potsdamer und Leipziger Platz werden häufig zu Zielen“, berichtet der Beamte.
Dort werde in der kühleren Jahreszeit der „Jacke-zu-Jacke-Trick“ angewandt. Dabei schiebt der Täter im Lokal seinen Stuhl dicht hinter den Stuhl seines Opfers, über den es seine Jacke gehängt hat.
Taschendiebe in Berlin – Jacken-Trick im Restaurant
Dann hängt der Taschendieb seine Jacke ebenfalls über seine Stuhllehne und gelangt über einen Ärmel seiner Jacke in die Jackentaschen des Opfers. „Teilweise entwenden die Täter dabei auch nur das Bargeld und stecken die Geldbörse wieder zurück, sodass die Tat erst sehr spät entdeckt wird“, berichtet der 56-jährige LKA-Mann.
Eine andere beliebte Masche sei die Frage, ob man zwei Euro wechseln könne. „Dabei vermuten die wenigstens etwas Böses“, erklärt der Zivilfahnder. Habe man dann ein klassisches Portmonee bei sich, bei dem die Scheine hinter dem Münzfach liegen, schafften es geschickte Langfinger, die Scheine zu entwenden, während das Opfer noch konzentriert nach Wechselmünzen kramt. „Das bekommt man einfach nicht mit“, betont der Beamte.
Ablenkung sei sowieso das größte Werkzeug der Taschendiebe. Wie sie unter anderem Passanten ansprechen, damit dann ein Mittäter unbemerkt die Wertsachen aus dem Rucksack auf dem Rücken fischen kann, führen die Polizisten auf dem Potsdamer Platz in moderierten Theater-Szenen vor. Die LKA-Beamten und ihre Azubis schlüpfen dabei in die Rollen von Opfer und Täter.
Die Aktionswoche findet bereits zum vierten Mal statt. Neben Berlin und Brandenburg führen die Polizeien der Bundesländer Sachsen-Anhalt, Sachsen, Bremen, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und das Saarland ähnliche Einsätze durch.

Die Beamten in Berlin verteilen an Passanten auch Karabinerhaken, mit denen man Reißverschlüsse von Taschen zusätzlich vor Diebstahl sichern kann.
Maria NeuendorffDabei gehen die Präventions-Teams in Einkaufszentren und heften Aufkleber an Taschen, die Bürger teilweise unachtsam auf dem Rücken tragen, um sie damit auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Als kleine Geschenke haben die Polizisten Karabinerhaken dabei, mit denen man Reißverschlüsse von Hand- und Bauchtaschen gegen Langfinger sichern kann. „Die verteilen wir auch gerne auf Konzerten und erreichen damit auch die Jüngeren“, sagt der Fahnder.
Kriminalität in Berlin – Taschendiebstahl geht zurück
Dass die Polizei auch mithilfe der Medien die Bevölkerung auf die aktuellen Tricks hinweist, scheint sich auszuzahlen. Die Taschendiebstähle sind – die Corona-Jahre ausgenommen – seit 2016 kontinuierlich zurückgegangen. Damals wurden 44.722 Taten erfasst, im vergangenen Jahr kam es zu 15.943 Anzeigen.
Das liegt auch daran, dass sich das LKA 25 im Jahr 2016 neu aufgestellt hat und seitdem gezielter gegen Taschendiebstahl vorgeht. Um die Täter auf frischer Tat zu ertappen, sind in der Stadt täglich rund 20 verdeckte Fahnder unterwegs, die die Täter auf Bahnhöfen und in Einkaufszentren gezielt ausspähen.
Die steigenden Aufklärungsraten und die damit verbundenen höheren Strafen hätten in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Berlin bei den internationalen Banden nicht mehr zu den beliebtesten Zielen zählt, berichtet der Zivilfahnder. „Aber auch die Bürger selbst sind wachsamer geworden und passen mehr auf sich auf.“


