Demo in Berlin und Brandenburg
: 150.000 protestieren allein in der Hauptstadt gegen rechts

UPDATE 04.02., 12:30 Uhr: In Berlin sind erneut Tausende Menschen gegen rechts auf die Straße gegangen. Von 150.000 ist die Rede. Auch in Brandenburg gab es Proteste. Weitere sind geplant.
Von
dpa, bb
Berlin
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Demo gegen rechts in Berlin: Zahlreiche Menschen nehmen mit Plakaten an der Demonstration für Demokratie und gegen Rechtsextremismus vor dem Reichstagsgebäude teil.

Kay Nietfeld/dpa

Trotz Sprühregens haben sich deutlich mehr als 100.000 Menschen in Berlin zu einer Demonstration gegen die AfD und gegen rechts versammelt. Rund 120.000 Menschen seien vor Ort, sagte ein Polizeisprecher am frühen Samstagnachmittag (3. Februar). Mehr als 150.000 Menschen seien aktuell vor Ort, schrieb die Polizei später am Nachmittag auf der Plattform X (vormals Twitter).

Alle vorgesehenen Zusatzflächen in der Umgebung seien freigegeben worden. In einer vorherigen Einschätzung hatte die Polizei von 65.000 Teilnehmern gesprochen. Die Veranstalter sprachen auf der Bühne anfangs von Zehntausenden, die gekommen seien.

Mehr als 1300 Organisatoren für Demo in Berlin

Angemeldet waren 100.000 Menschen. Unter den Teilnehmern waren ältere Menschen ebenso wie Familien mit Kindern, Vertreter von Sozialverbänden und Gewerkschaften, aber zum Beispiel auch Fans von Hertha BSC. Und einige, die sich nach eigenen Worten als Betroffene der rechtsextremen Fantasien sehen — zum Beispiel, weil sie homosexuell sind, dunklere Haut oder einen ausländisch klingenden Namen haben.

„Wir wollen ein Zeichen setzen für Solidarität und dass wir gegen Diskriminierung sind. Und dass wir es schön finden, wenn weiterhin eine Gesellschaft mit Vielfalt statt Einfalt in Deutschland existiert“, sagte der 36–jährige Berliner Gymnasiallehrer Serkan Bingöl, der mit einer Gruppe Geflüchteter gekommen war.

Zeitweise bildete sich eine Menschenkette am Reichstagsgebäude. Auch im Gedränge hielten sich Teilnehmer an den Händen und streckten diese in die Höhe. „Wir sind die menschliche Brandmauer“, war von der Bühne zu hören. Hinter der Aktion gegen Hass und für Toleranz steht ein Bündnis namens Hand in Hand mit mehr als 1300 Organisationen.

Seit gut drei Wochen gehen überall in Deutschland immer wieder Zehntausende Menschen gegen rechts auf die Straße. Auslöser der Proteste war ein Bericht des Medienhauses Correctiv über ein Treffen radikaler Rechter am 25. November in Potsdam, an dem auch AfD–Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion teilgenommen hatten. Der frühere Kopf der Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, bestätigte der Deutschen Presse–Agentur, dass er bei dem Treffen über „Remigration“ gesprochen hat. Wenn Rechtsextremisten diesen Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll — auch unter Zwang. Laut Correctiv–Recherche nannte Sellner in Potsdam drei Zielgruppen: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht — und „nicht assimilierte Staatsbürger“.

Demos gegen rechts auch in Brandenburg

Mehrere Hundert Menschen haben am Samstag auch in Brandenburg gegen Rechtsextremismus demonstriert. Allein in Potsdam hätten rund 2700 Menschen an einer Kundgebung teilgenommen, sagte ein Sprecher der Polizei. Dabei blieb es weitestgehend ruhig. In der Landeshauptstadt hatten Menschen eine Kette um den Brandenburger Landtag gebildet. Unter dem Motto „Potsdam wehrt sich!“ hatte das zivilgesellschaftliche Bündnis „Potsdam! Bekennt Farbe“ unter Vorsitz von Oberbürgermeister Mike Schubert zur Kundgebung aufgerufen.

Auch in Falkensee (Havelland) und Schöneiche (Oder–Spree) gingen am Sonnabend Menschen auf die Straße. Für den Sonntag (4. Februar) sind Demos in Forst, Prenzlau, Luckenwalde, Neuruppin und Wandlitz vorgesehen. Am 11. Februar ist eine in Guben geplant.