DDR-Erinnerung in Berlin
: Neues Depot zeigt Ost-Schätze – auch Raritäten sind dabei

Das DDR-Museum will sein neues Depot in Berlin-Marzahn für Besucher öffnen und zeigen, was sonst im Verborgenen bleibt. Wir haben einen Rundgang gemacht.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
Jetzt in der App anhören
Eric Strohmeier-Wimmer, Sammlungsleiter des neuen Depots des DDR-Museums in Berlin-Marzahn zeigt die Halle, in der rund 140 Motorräder aus vier Jahrzenten ausgestellt sind.

Eric Strohmeier-Wimmer, Sammlungsleiter des neuen DDR Museum Depots in Berlin-Marzahn, zeigt eine Halle, in der rund 140 Motorräder aus vier Jahrzehnten ausgestellt sind.

Maria Neuendorff
  • Neues DDR-Museum-Depot in Berlin-Marzahn zeigt 140 Motorräder und 360.000 DDR-Objekte.
  • Depot öffnet am 16. März 2025; Eintritt 3 Euro; Kinder unter 16 frei.
  • Exponate: Palast der Republik, DDR-Möbel und Haushaltsgeräte.
  • Führungen ab März, viele Objekte noch verpackt.
  • Sammlung umfasst Alltagsgegenstände bis zu politisch-historischen Artefakten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In den getönten Scheiben, die im Depot des DDR-Museums an den nagelneuen Regalen lehnen, kann man sich spiegeln. Bei genauerem Hinsehen werden Erinnerungen wach. Ach ja, es sind Fassadenteile vom Palast der Republik aus Berlin! Auch ein paar der Kunstleder-Klappsessel aus dem großen Saal, in dem einst „Ein Kessel Buntes“ aufgenommen wurde und Udo Lindenberg auftrat, sind aufgereiht.

Eine Etage höher lagert im Regal weißer Marmor, mit dem die Halle vertäfelt war, die den Plenarsaal der Volkskammer mit dem Kongress- und Freizeitzentrum im lange abgerissenen DDR-Vorzeigebau verband.

Depot in Berlin – 360.000 DDR-Objekte

„Das Sammeln und Bewahren ist unsere Hauptaufgabe“, sagt Eric Strohmeier-Wimmer, wissenschaftlicher Leiter der Sammlung des DDR Museums. Das befindet sich eigentlich in Berlin-Mitte. Doch weil dort nicht alle rund 360.000 Objekte ausgestellt werden können, gibt es seit Jahren ein großes Lager.

Das befand sich bis Ende 2024 in Spandau. Doch im vergangenen Jahr hat das DDR Museum ein eigenes neues Depot im Industrie-Gebiet in Marzahn an der Landsberger Allee errichtet. „Mit dem Umzug von West nach Ost gelangen die Objekte wieder dahin, wo sie eigentlich hergekommen sind“, sagt Strohmeier-Wimmer.

Denn die meisten Stücke sind Spenden aus der Bevölkerung. In der neuen Halle am Pyramidenweg 10, die auf 14 Grad geheizt wird, sind Kinderwagen, Schaukelpferde, Fernsehgeräte und Waschmaschinen aus DDR-Produktion zu sehen.

Vieles ist noch halb in Folien gehüllt oder in Kartons verpackt. Der Sammlungsleiter hat die Stücke teilweise selbst mithilfe eines Gabelstaplers in die bis zu acht Meter hohen Regale gehievt. Einige der Objekte sollen ab März ebenfalls der Öffentlichkeit präsentiert werden. Für drei Euro Eintritt können Besucher einen erhöhten Schauraum besuchen, in dem ausgewählte Dinge gezeigt werden und von dem man einen guten Blick in die Lagerhalle werfen kann.

Blick in die neue Lagerhalle des Depots des DDR-Museums am Pyramidenring 10 in Berlin-Marzahn.

Blick in die neue Lagerhalle des DDR-Museums am Pyramidenring 10 in Berlin-Marzahn. Viele der Objekte sind noch verpackt.

Maria Neuendorff

Auch in einer zweiten älteren Halle können dann Besucher eine Eisenleiter besteigen und von einem Podest aus auf ein Meer von 140 DDR-Motorrädern schauen. „Hier steht alles, was die ostdeutsche Zweirad-Industrie von 1945 bis 2008 zu bieten hatte“, sagt der Sammlungsleiter.

Neben „Schwalben“-Motorrollern der Firma Simson aus Suhl und MZs aus dem Motorrad- und Zweiradwerk Zschopau im Erzgebirge sind auch bunte Feuerwehr- und Polizei-Modelle zu sehen, die aus heutiger Sicht wie bunte Spielzeugmodelle anmuten. Wie ein echter Oldtimer wirkt dagegen der „Berlin-Roller“ IWL, der ab 1959 im VEB Industriewerk Ludwigsfelde gebaut wurde und sich bis 1963 zu einem DDR-Klassiker entwickelte. Neben weiteren Motorrad-Gespannen parken auch zwei Trabis in der Halle.

DDR-Sparkassenkarten und Schulzeugnisse

In einem der neuen extra klimatisierten Räume lagern Broschüren, Zeitschriften und Dokumente. „Wir nennen das im Museums-Jargon Flachware“, erklärt Erik Strohmeier-Wimmer und zieht eine der Schubladen der Aktenschränke auf. In den Heftern befinden sich Schulzeugnisse, Zoll-Protokolle und Sparkassen-Karten, mit denen DDR-Bürger ab Mitte der 80er-Jahre Geld am Automaten abholen konnten.

Weil das Depot kein Museum ist, können die speziellen Lagerräume aus Sicherheitsgründen nur bei Führungen besichtigt werden, die ebenfalls ab März regelmäßig angeboten werden sollen.

Diese Sitze im Depot des DDR-Museum in Berlin stammen aus dem ehemaligen Palast des Republik.

Diese Sitze im Depot des DDR-Museums in Berlin stammen aus dem einstigen Palast der Republik.

Maria Neuendorff

Wer sich dafür anmeldet, kann dann auch tiefer in das Hauptlager vordringen. Dort gehören ein orangefarbener Fahrkartenautomat und ein rotes Schaukelpferd genauso zur Sammlung wie ein Surfbrett oder Stehlampen aus DDR-Produktion.

Neben einer grauen Brötchen-Selbstbedienungs-Ausgabe aus der Kaufhalle hat jemand ein paar Einkaufswagen zusammengeschoben, die viel kleiner wirken als die heutigen Modelle im Supermarkt. Auch die typischen grauen Schultische aus den letzten Jahren der DDR sind zu sehen. „So etwas holt mich dann auch persönlich ab“, sagt Eric Strohmeier-Wimmer.

Museum in Berlin – Artefakten des Sozialismus

Er selbst ist 1979 in Sachsen-Anhalt geboren. Nach der Wende hat er in Potsdam Geschichte studiert. „Eigentlich bin ich Militär-Historiker und kam eher über einen Zufall zur DDR-Geschichte“, berichtet der 45-Jährige. Seine Ausbildung kommt ihm aber zugute, wenn es um die rauen Mengen an Abzeichen und Orden geht, die die Zeiten überdauert haben.

Auf einem Kleiderständer mit DDR-Mode hängt neben der fast schon klischeehaften Dederon-Blümchenschürze auch der Militärmantel des 1985 in Strausberg verstorbenen Armeegenerals Heinz Hoffmann. „Alle Facetten, die mit der DDR zu tun haben, spielen sich in der Sammlung wieder. Die reicht von einfachen Alltagsgegenständen bis zu hochpolitischen Artefakten des Sozialismus.“

Dabei will das neue Depot als Lager erkennbar bleiben. Ein Verbindungsstück zwischen Sammlung und Ausstellung stellt die Installation „Klub der Funktionäre“ dar. Dabei können Besucher einen Raum betreten, der wie ein überdimensioniertes Wohnzimmer mit DDR-Möbeln gestaltet wurde.

Zu betrachten sind die olivgrünen Polstersessel, in denen 1983 Staatschef Erich Honecker den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zu den Verhandlungen über einen Milliardenkredit für die DDR auf dem Jagdschloss Hubertusstock empfing.

Massen von Sportabzeichen

Die typische DDR-Schrankwand, für die gleich fünf einzelne Schrankwände aneinandergereiht wurden, wirkt noch „nackt“. Sie wird noch bestückt. Der Sammlungsleiter rollt einen Wandteppich aus, auf dem das Konterfei von Karl Marx prangt. Selbst in eher Regime-kritischen Haushalten haben teilweise in den Schränken Gläser gestanden, die DDR-Jahrestage bejubelten, berichtet Strohmeier-Wimmer.

Blick in den halbfertigen "Klub der Funktionäre" der vom DDR Museum im Sammlungs-Depot an der Landsberger Allee in Berlin-Marzahn eingerichtet wurde.

Blick in den halbfertigen „Klub der Funktionäre", der derzeit vom DDR Museum im Depot  in Berlin-Marzahn eingerichtet wird. Die grünen Sessel stammen von Honeckers Jagdsitz.

Maria Neuendorff

Diese Geschenke an das Volk zeigten auf skurrile Art, wie die Diktatur versuchte, sich auch noch in jedem Winkel des Alltags darzustellen. „Alleine die Masse an Sportabzeichen, die bis heute noch katalogeweise zu finden sind, ist schon beeindruckend.“

Doch die Leute brächten auch noch verpackte Lebensmittel sowie Schnapsflaschen ins Depot. Vieles werde von Kindern und Enkeln bei Wohnungsauflösungen entdeckt. Zu den Relikten des untergegangenen DDR-Staates gehört sogar Jakobs-Kaffee aus einem ehemaligen Westpaket, den die Besitzerin bis zu ihrem Tod wie einen Schatz aufbewahrt hatte.

Museum-Mitarbeiter holen Möbel ab

Dazu kämen, dass viele der alten Haushaltsgeräte und Elektrogeräte bis heute gut funktionierten, berichtet der Historiker. „Es gab ja bei der Wiedervereinigung auch keine Stunde null wie nach dem Zweiten Weltkrieg.“

Durch die Vielzahl der Spenden und den Umzugsstress des vergangenen Jahres konnten die Museums-Sammler, die sonst auch selbst mit dem Transporter bei Spendern vorfahren, um zum Beispiel Möbel abzuholen, im vergangenen Jahr keine Großspenden mehr annehmen.

Besonders in Berlin, das ja als das Schaufenster der DDR galt, habe es eine größere Auswahl an Produkten Made in GDR als in der restlichen Republik gegeben, was sich nun auch an den vielen Sammlerstücken aus der Region bemerkbar mache. Langsam rar würden allerdings inzwischen DDR-Schreibmaschinen und Sofas, berichtet der Wissenschaftler.

Auch er, der ursprünglich einmal Historiker mit Schwerpunkt 18. Jahrhundert werden wollte und nach dem Studium lange für die Bundeswehr arbeitete, findet es inzwischen sehr spannend, die DDR anhand ihrer Überbleibsel zu beleuchten.

Ein DDR-Kinderwagen im Museum-Depot in Berlin-Marzahn.

Ein DDR-Kinderwagen im Museums-Depot in Berlin-Marzahn.

Maria Neuendorff

„Das atmet hier alles Geschichte“, sagt Eric Strohmeier-Wimmer und zeigt auf einen Teller mit grünem Volkspolizei-Emblem aus dem Jahre 1985, auf dem ein kreisrunder Schriftzug das 20-jährige Jubiläum der Schule für Abschnittsbevollmächtigte in Wolfen feiert. „Obwohl ich selbst aus Wolfen komme, wusste ich nicht, dass es dort eine Polizeischule gab“, gesteht er.

Eröffnung im März 2025

Das „DDR Museum Depot“ am Pyramidenring 10 in Berlin Marzahn eröffnet erstmals am Sonntag, 16. März 2025, 11 bis 15 Uhr.

Küftig wird die Sammlung dann sonntags von 11 bis 16 Uhr, dienstags von 11 bis 15 Uhr und donnerstags von 14 bis 19 Uhr geöffnet sein.

Der Eintritt beträgt 3 Euro, 2 Euro bei Gruppen ab 10 Personen. Kinder unter 16 Jahren sind kostenfrei.

Rund um das Depot stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Es ist aber auch gut mit der Straßenbahnlinie M6 zu erreichen. Von der Haltestelle Dingelstädter Straßen sind es rund 450 Meter/6 Minuten Fußweg.