Podcast Brandenburg-Update
: DDR-Architektur – erhaltenswert oder abrissreif?

PodcastNach der Wende wurden viele DDR-Bauten abgerissen. Brandenburger Architekten plädieren in der neuen Podcast-Folge für deren Erhalt und nachhaltige Nutzung.
Von
Lisa Hör
Berlin, Cottbus
Jetzt in der App anhören
Die Sonderausstellung "Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart" beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Palastes von den städtebaulichen Planungen über seine Nutzung bis hin zu Schlossplatzdebatte und Abriss.

Erhalten oder abreißen? Die neue Podcast-Folge von „Musste Wissen - Das Brandenburg Update“ stellt diese kontroverse Frage sowohl für den Palast der Republik in Berlin als auch für Plattenbauten in Brandenburg.

Wikimedia Commons / Istvan, CC-BY-SA 3.0

Sind DDR-Bauten abrissreife Relikte oder ein schützenswertes Kulturerbe? 34 Jahre nach der deutschen Einheit ist diese Frage immer noch aktuell. Dass es dabei nicht nur um Architektur, sondern auch um Gefühle und Erinnerungen geht, zeigt die Ausstellung „Hin und Weg, der Palast der Republik ist Gegenwart“ im Humboldt Forum in Berlin.

„Ich hätte es den DDR-Leuten gewünscht, dass dieser Palast stehen bleibt [...]. Ich glaube, viele sind traurig, dass es den Palast nicht mehr gibt. Und, ich nicht. Da merkt man auch, wie es einen innerlich zerreißt“, ist von einem Zeitzeugen in der Ausstellung zu hören. Der Abriss des DDR-Volkskammergebäudes im Jahr 2008 steht sinnbildlich für das Schicksal vieler ostmoderner Bauten. Doch in Brandenburg sind noch viele zu retten, wie ein Architekt und ein Stadt- und Regionalplaner in der neuen Folge des Podcasts „Musste Wissen - Das Brandenburg Update“ berichten.

DDR-Plattenbau als nachhaltiger Wohnraum für die Zukunft

Martin Maleschka ist 1982 in Eisenhüttenstadt an der Grenze zu Polen geboren und hat an der Universität Cottbus Architektur studiert. Jedes Jahr legt er 50.000 Kilometer durch Ostdeutschland zurück, um DDR-Bauten zu fotografieren.

Der Architekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die ostdeutsche Baukultur an die junge Generation zu vermitteln, bevor sie ganz verschwindet. Dafür erhält er am 28. Oktober 2024 den Deutschen Preis für Denkmalschutz. Warum er die ostdeutschen Städte gar nicht hässlich und grau findet, erzählt er in dieser Podcast-Folge.

Erik Hofedank wurde in Forst in der Lausitz geboren. Auch er hat erlebt, wie der Plattenbau, in dem er aufwuchs, ein Dutzend Jahre nach der Wende abgerissen wurde. Heute engagiert sich der Stadt- und Regionalplaner bei Architects for Future (Architekten für Zukunft) in Cottbus.

„Plattenbauten sollten nicht mehr als Überbleibsel einer vergangenen Ära gesehen werden, sondern als großes Potenzial, sozialen und nachhaltigen Wohnraum für die Zukunft zu schaffen“, sagt er.

Thementage „Transformiert euch!“ im Humboldt Forum

Wie geht es mit dem vereinten und gleichsam noch geteilten Deutschland weiter? Diese Frage wird bis zum 6. Oktober 2024 in verschiedenen kostenfreien Formaten im Humboldt Forum in Berlin gestellt. Die Thementage widmen sich unter dem Titel „Transformiert euch!“ den Monaten und Jahren der Transformation vor und nach 1989.

Die Sonderausstellung „Hin und Weg, der Palast der Republik ist Gegenwart“ ist noch bis zum 16. Februar 2025 zu sehen.

Weitere Folgen vom Podcast „Das Brandenburg-Update“

Noch mehr Interesse am Thema DDR-Spuren in Brandenburg? Diese frühere Folge des Podcasts „Musste Wissen“ fragt nach den Gründen für die Wissenslücken der jüngeren Generation über die wichtigsten Ereignisse vor der Wende. Wird die DDR-Geschichte in Brandenburgs Schulen zu wenig vermittelt?

Die letzte Folge des Podcasts beschäftigt sich mit den Tagen nach der Landtagswahl in Brandenburg. Die weiteren Folgen finden sich im Podcast-Archiv sowie auf den gängigen Podcast-Plattformen.